Spielbeurteilung

Factorio


14.12.2020
Unser Raumschiff ist auf einem unbekannten Planeten abgestürzt. Wir bauen eine automatisierte Fabrik, um den Planeten mit einer neuen Rakete schnell wieder zu verlassen. Ein komplexes Bauspiel, welches lange fesselt.
  • Genre:
  • Herausgeber:
    Wube Software
  • Plattform:
    PC, Mac
  • Erscheinungsdatum:
    August 2020
  • USK:
    nicht geprüft
  • spielbar:
Factorio ist in seiner Popularität aktuell kaum zu bremsen. Dabei wundert man sich im ersten Moment über die veraltet wirkende Grafik der Wirtschafts- und Aufbausimulation und wird unweigerlich an Spieleklassiker wie SimCity 2000 erinnert. Man blickt aus der Vogelperspektive auf das Spielgeschehen und die Spielfigur. Es ist möglich, sehr nah heran und weit heraus zu zoomen. Ein schöner Soundtrack sorgt für Stimmung.

Nach etwa drei Stunden Spielzeit sind bereits einige Produktionslinien in der Welt von Factorio aus der Vogelperspektive erkennbar.

Die Geschichte zu Factorio ist simpel. Wir stürzen mit unserem Raumschiff auf einem fremden Planeten ab und müssen mit Ressourcen wie Holz, Eisen, Kupfer und Kohle eine Rakete bauen um diesen Planeten wieder zu verlassen. Dazu müssen wir viele unterschiedliche Teile herstellen und zusammensetzen. Wir bauen nach und nach Rohstoffe ab, erzeugen Strom, bauen Förderbänder, automatisieren Herstellungsprozesse und entwickeln neue Technologien. Dieses Spielprinzip erzeugt Sogwirkung.

Mit der Zeit geht diese Expansion mit einer wachsenden Belastung für das Ökosystem des Planeten einher. Je größer die Fabrik wird, desto mehr müssen wir uns daher gegen die auf dem Planeten lebenden Aliens wehren. Mit steigender Umweltverschmutzung werden sie angriffslustiger. Neben unseren Raketenteilen brauchen wir also verschiedenste Verteidigungsanlagen, um unsere immer größere Fabrik vor Angriffen zu schützen.

Wir stoßen auf ein Alien-Nest und werden attackiert. Die Alienspezies sieht und attackiert uns sofort. Wehren können wir uns mit Waffen, die wir selbstverständlich auch erstmal erforschen und bauen müssen.

Im weiteren Spielverlauf wird Factorio komplexer. Die Fabrik verlangt neben gut strukturierten Transportwegen und Abläufen auch nach komplexen Schaltungen mit Signalen und Ampelsystemen, damit unsere Produktion weiterhin reibungslos abläuft.

Ein Blick in die Forschungsbäume lässt erkennen: Wir stehen noch ziemlich am Anfang und es gibt eine Menge Dinge, die erforscht werden wollen. Grüne Bauteile können wir bereits bauen, gelbe Bauteile sind bereit zum Erforschen und für rot markierte Bauteile erfüllen wir noch nicht alle Bedingungen. Dafür benötigen wir natürlich vor allem mehr Ressourcen.

Factorio ist bislang nur für den PC zu haben und kostet auf der Spieleplattform Steam aktuell 25 Euro. Man kann theoretisch mit unzähligen Spieler*innen (maximal 65.535) gemeinsam spielen. Am angenehmsten spielt es sich aber allein oder mit bis zu vier Spieler*innen. Es gibt außer des Soundtracks für sieben Euro keine Erweiterungen oder In-Game-Käufe.

Da das Spiel auf eine einfache Grafik setzt, ist es auch auf älteren Computern spielbar. Hierbei sollte aber darauf geachtet werden, dass mit zunehmender Größe der gebauten Fabrik auch zunehmend Leistung verlangt wird. Es kann bei Spielenden im Spielverlauf für Frust sorgen, wenn der Computer irgendwann an seine Leistungsgrenzen gerät.

Zu Spielbeginn müssen wir mehrere Einstellungen tätigen: Man kann vorab bestimmen, ob man eher auf einem ressourcenreichen oder -armen Planeten abstürzt, wie die Vegetation dort ist und ob die Aliens friedvoll oder angriffslustig sind. So ist man in der Lage, den Schwierigkeitsgrad zu bestimmen. Das gibt den Spielenden die Möglichkeit, sich gänzlich auf den Ausbau und die Perfektion ihrer Fabrik zu konzentrieren. Vor allem mit zunehmender Expansion wird dies auch nötig sein.

Es empfiehlt sich, das Tutorial zu spielen. Eine Spieleinführung führt uns schnell in das Spielgeschehen ein und nimmt auch unerfahrene Spieler*innen gut an die Hand. Das Baumenü von Factorio wird gut erklärt.

Eine stillstehende Produktionskette. Irgendwo fehlt es eigentlich immer an Ressourcen, Strom, oder es ist irgendeine Automation falsch eingerichtet.

Steuerung


Am PC wird die Spielfigur klassisch mit den Tasten W, A, S, D und der Maus gesteuert. Beides funktioniert gut und fällt auch ungeübten Menschen nach kurzem Ausprobieren nicht schwer.

Multiplayer


Factorio kann allein oder mit vielen Spieler*innen gleichzeitig über das Internet gespielt werden. Es gibt allerdings keine frei zugänglichen Server. Das heißt: Man muss die Mitspieler*innen aktiv zu einem Spiel einladen. Vor allem für Eltern ist das sicher interessant: Dabei geraten Kinder weniger in Gefahr, mit Unbekannten in einem Spiel zu landen.

Wird das Spiel mit mehreren Spieler*innen gespielt, bedarf es der dauerhaften Kommunikation, im besten Fall über einen Sprachchat, sonst kommt bei der gemeinsamen Planung der Fabrik immer wieder Frust durch unterschiedliche Planungsvorstellungen auf.

Spielumfang


Das Spiel wirkt zu Anfang nicht sehr umfangreich, kann aber in seiner Tiefe eine unglaubliche Anziehung entwickeln. Es kann Stunden um Stunden und Neustart um Neustart dauern, seine Fabrik und die Automatisierungen so aufzubauen, dass am Ende alle Abläufe reibungslos funktionieren. Die perfekte Fabrik ist dabei jedoch eine Utopie, denn diese gibt es eigentlich nicht. Es kommt immer wieder etwas Neues dazu, muss eine andere Situation bedacht oder ein neues Bedürfnis irgendwo gedeckt werden. Das Spiel kann dabei fast endlos gespielt werden. Das eigentliche Ziel, eine Rakete zu bauen, wird dabei immer wieder zur Nebensache. Stattdessen verliert man sich ständig in der Optimierung der Herstellungsprozesse und der Automatisierung neuer Abläufe bei der Rohstoffgewinnung und Weiterverarbeitung hergestellter Teile.

Gut zu wissen für Eltern: Das Spiel ist jederzeit lokal speicherbar und kann damit auch jederzeit, zum Beispiel zum Abendessen, beendet werden.
Andreas Langer
Dieses Spiel wurde getestet von:

Pädagogische Beurteilung:

Sogwirkung


Mit seiner umfangreichen Spieltiefe schafft es Factorio, Spieler*innen in seinen Bann zu ziehen. Dabei kann es zu einem unglaublichen Zeitfresser werden und durchaus eine Sogwirkung erzeugen, der man sich nur schwer entziehen kann. Schnell sind die ersten zehn Spielstunden erreicht und man hat nur an der Oberfläche von Factorio gekratzt:

“Noch schnell eine Fertigungsstraße optimieren und eine neue Forschung starten damit ich schnell das neue Bauteil produzieren lassen kann. Dafür muss aber erst noch der erhöhte Strombedarf gedeckt werden. Dieser braucht aber noch eine Kohlezufuhr, die ich erst mit der Erschließung eines neuen Kohleabbaugebietes erreiche. Dafür brauche ich aber mehr Förderbänder die wieder irgendwo hergestellt werden müssen. Und dafür brauche ich mehr Eisen und wenn…”

Genau dieser Ablauf illustriert das Spielprinzip. Es gibt immer etwas zu tun, einen Ablauf zu optimieren und eine neue Produktionsstraße zu bauen.

Alterseinschätzung


Wir empfehlen Factorio ab einem Alter von zehn Jahren in Begleitung oder im gemeinsamen Spiel mit Eltern. Auch bei Factorio gilt der Tipp: Gemeinsam Spielen macht am meisten Spaß.

Die Stimmung des Spiels kann, gerade auch wegen des gelungenen Soundtracks, jüngere Kinder durchaus in ihren Bann ziehen und gruseln. Kinder und Jugendliche können sich in den Abläufen von Factorio genauso schnell verlieren wie Erwachsene. In den durchweg positiven Bewertungen auf der Spieleplattform Steam finden sich nicht selten Bewertungen von Spieler*innen mit Spielzeiten von über 1000 Stunden und mehr.

Gewaltdarstellung


Gewaltdarstellung gibt in Factorio wenig. Einzig der kurzzeitige Kampf gegen die Alienspezies ist hier in leichter Form dargestellt. Die insektenähnlichen Aliens geraten während des Spielverlaufs häufig in Vergessenheit und können für einen ungehinderten Fabrikbau auch vorab freundlich eingestellt werden.

Wenn wir ein wenig nah heranzoomen, können wir erkennen, dass sich die Gewaltdarstellung in Grenzen hält.

Pädagogisches Potenzial


Ein wichtiger Aspekt: Das Spiel lädt geradezu dazu ein, Themen wie Raubbau, Ressourcenausbeutung und Umweltverschmutzung mit Spieler*innen zu thematisieren. Es sind teils deutliche Parallelen zum Verlauf der Industrialisierung und damit der Menschheitsgeschichte zu erkennen. Hier gibt es durchaus die Möglichkeit, das Spiel auch aus anderen Gesichtspunkten zu betrachten und über solche Themen gemeinsam ins Gespräch zu kommen.

Fazit:

Factorio ist nicht umsonst eines der am besten bewerteten Spiele auf der Spieleplattform Steam. Das Spielprinzip sorgt für einen unglaublichen Sog. Es gibt immer etwas zu tun. Die Planung und der Ablauf von Fertigungsprozessen werden sehr gut dargestellt. Genau dieser Aspekt sollte aber auch beachtet werden, wenn man Kindern und Jugendlichen dieses Spiel zur Verfügung stellt. Gerade Menschen mit einem Drang zur Perfektion und Optimierung sind dafür anfällig, sehr viele Stunden in Factorio zu investieren.
Andreas Langer
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Bildnachweise

[1]Factorio / Wube Software / Pressematerial[2]Factorio / Wube Software / Screenshot by spielbar.de[3]Factorio / Wube Software / Screenshot by spielbar.de[4]Factorio / Wube Software / Screenshot by spielbar.de[5]Factorio / Wube Software / Screenshot by spielbar.de[6]Factorio / Wube Software / Screenshot by spielbar.de[7]Quelle: Anno 1800 / Ubisoft / Blue Byte / Screenshot by spielbar.de[8]Tropico 6 / Kalypso Media / Screenshot by spielbar.de[9]Texel Raptor / Parkitect / Screenshot by spielbar.de

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