Spielebeurteilung

Core

16.11.2020
Vielfältiges Spielvergnügen, teure Reittiere und anspruchsvolles Game Design: Die Spieleplattform Core bietet Gamer*innen und Spieleentwickler*innen vielseitige Unterhaltung und Betätigung. Doch der Game Editor ist eine harte Nuss.
  • Genre:
    Spieleplattform
  • Herausgeber:
    Manticore Games
  • Plattform:
  • Erscheinungsdatum:
    März 2020
  • USK:
    nicht geprüft
  • spielbar:
„Core“ richtet sich primär an zwei Zielgruppen: Gamer*innen, die schon immer einmal ein eigenes Spiel entwickeln wollten und Gamer*innen, die sich den Spielinhalten der weiteren Community-Mitglieder widmen möchten.

Jeder Mensch kann Spiele entwickeln!
Die Philosophie des Entwickler*innenteams: Jeder Mensch kann Spiele entwickeln! Ob diese anschließend auch kommerziell erfolgreich sind oder bis ins kleinste technische Detail umgesetzt wurden, ist eine ganz andere Frage. Der monetäre Erfolg steht manchmal auch gar nicht im Vordergrund. Zudem können auch bereits existierende Inhalte herunter-geladen und recht einfach verbessert und weiterentwickelt werden.

Vielfalt und gemeinschaftliches Spielvergnügen
Die Spielauswahl deckt viele Genres ab. Im Multiplayer-Spiel "Cannons and Corsairs" müssen wir beispielsweise gegnerische Schiffe versenken.

Der Community wurden zu Beginn vier vorgefertigte Spiele zur Verfügung gestellt, um ihr die vielseitigen Möglichkeiten des Sandbox-Systems zu veranschaulichen. Seitdem ent-standen zahlreiche neue Multiplayerspiele sowie weiterer Inhalte wie DLCs, Skins und sonstige Items. Diese dienen unter anderem der Aufwertung des eigenen Avatars, mit dem jede Spielwelt betreten und erkundet wird.
Auch ein Battle-Royale-Shooter, ähnlich wie Fortnite, wurde bereits mit Core entwickelt. Die meisten Spiele können mit dem Editor geöffnet und weiterentwickelt werden.

Es besteht die Möglichkeit, verschiedene Spiele und Level miteinander zu verbinden. Durch so genannte Warp-Tore können Spielende zwischen Spielen und Leveln wechseln. Die Zusammenstellungen können der Community ebenfalls zur Verfügung gestellt werden.

Der Spiele-Editor
Der Editor ähnelt professionellen Entwicklungstools wie Unity und ist entsprechend komplex.

Das Baukastensystem soll es den Spielenden grundsätzlich ermöglichen, vorzeigbare Szenarien und Landschaften entstehen zu lassen. Der Aufbau des Editors scheint plausi-bel, im Gegensatz zur Handhabung. Es existiert eine umfangreiche Sammlung an vorge-fertigten Elementen und Gegenständen, die angeklickt und platziert werden können. Diese jedoch „zum Leben erwecken“, bedarf weiterer Fachkenntnisse. Wer sich also bislang noch nicht mit Game Design oder Programmiersprachen beschäftigte, wird Mühe und Not haben, sich innerhalb des Editors intuitiv zurechtzufinden. Zudem ist der Editor leider aus-schließlich in englischer Sprache verfasst.
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Dieses Spiel wurde getestet von:
Christopher Wandel

Pädagogische Beurteilung:

In Windeseile zum schöpferischen Erfolg?Es ist nicht zu unterschätzen welcher Mühen und Ressourcen es bedarf, um ein Compu-terspiel entstehen zu lassen. Daher galt es seitens des Entwicklerteams als erklärtes Ziel, ein Sandbox-System zu erschaffen, das selbst jüngeren und tendenziell unerfahreneren Gamer*innen die Möglichkeit bietet, eigene Spielwelten zu gestalten. Doch stellt sich die-ses Unterfangen als weitaus anspruchsvoller und komplizierter dar, als es anfangs viel-leicht den Anschein hat. Ohne entsprechende Vorkenntnisse wird es insbesondere Kin-dern schwerfallen, der eigenen Kreativität freien Lauf zu lassen. Für die Spielmechanik werden Programmierkenntnisse benötigt. Da eignet sich der Game-Editor in Roblox, insbesondere für Kinder, doch wesentlich besser.

Das Recht am eigenen SpielDer Gedanke, einer Community die nötigen Tools zur Verfügung zu stellen, um selbst als aufstrebender Spieleentwickler in Erscheinung zu treten, klingt im ersten Moment recht charmant und wohlwollend. Doch fällt bei der Überprüfung der AGBs auf, dass nach der Veröffentlichung die Rechte am Spiel an Manticore Games abgetreten werden. Es gilt, gerade bei jüngeren Gamern das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass hier Niemandem etwas geschenkt wird und dass das Privileg der Erstellung und Nutzung eines Spiels damit zusammenhängt, die Rechte an seinem geistigen und kreativen Eigentum an den Anbieter abzutreten. Diesen Preis gilt es zu zahlen, selbst wenn die Anmeldung und Nutzung weiterhin kostenlos bleibt.

Ingame-Käufe und Zeitmanagement
Einzelne Ingame-Käufe können bis zu 100 Dollar kosten.

Im Ingame-Shop werden derzeit drei verschiedene „Founder Packs“ angeboten, welche preislich zwischen 60 und 100 Dollar liegen. Die Preise sind bemerkenswert, da die Pakete neben Erfahrungspunkten, Reittieren und weiteren Fortbewegungsmitteln nur Skins bein-halten.

Ebenfalls existiert spielintern ein entsprechendes Chatfenster, um mit den weiteren Game-rinnen und Gamern im Spiel direkt kommunizieren zu können. Dieser Umstand birgt die potenzielle Gefahr in sich, dass man mit Fremden in Kontakt gerät, die gegebenenfalls fragwürdigen Absichten nachgehen. Dies gilt für Core wie für fast alle Online-Games. Während der Testphase fiel jedoch auf, dass die Kommunikation mit den Gamern kaum ins Gewicht fällt oder überhaupt nicht genutzt wird.

Das überfordernde Sandbox-System, der Verlust der Rechte am eigenen Spiel, die kost-spieligen Ingame-Käufe sowie die Interaktion mit Dritten können emotionalen und kognitive Stress verursachen. Dieses Maß an Frustrationspotenzial und Komplexität kann vor allem jüngere Gamer*innen überfordern. Daher erscheint eine spielbar-Einstufung „Ab 12 Jah-ren“ als angemessen, um mit Kindern über die benannten Teilaspekte ins Gespräch zu kommen und dabei die Zusammenhänge und Konsequenzen zu thematisieren.

Fazit:

Insgesamt handelt es sich bei Core um ein interessantes Konzept, denn es bietet eine Vielzahl an Spielen sowie die vielfältigen Möglichkeiten der Spielentwicklung. Jedoch stellt sich der Game-Editor der Plattform, insbesondere für Jüngere und Unerfahrene, als harte Nuss heraus. Ohne entsprechende Vorkenntnisse wird es daher schwierig sein, ein Spiel entstehen zu lassen. Hier empfiehlt sich Roblox als die gelungenere und niedrigschwelligere Alternative. Aufgrund der Komplexität eignet sich Core somit eher für Jugendliche und Erwachsene als für Kinder.

Wer Kindern darüber hinaus weitere Einblicke in die Welt der Spieleentwicklung ermöglichen möchte, sollte ebenfalls die App „Draw Your Game“ ausprobieren.
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Dieses Spiel wurde beurteilt von:
Christopher Wandel

Siehe auch

Spielebeurteilung

Roblox

Beliebter als Minecraft und doch kaum bekannt: Roblox ist eine Plattform, auf der sich eigene Games entwickeln und spielen lassen. Roblox stellt sich zudem als wahrer Zeitfresser heraus.

Gemeinsam kreativ in Fortnite

Der Fortnite-Kreativmodus ist eine neue Spielmöglichkeit für den kostenlosen Battle-Royale-Shooter. Alleine oder mit Freunden können sich Spielerin und Spieler auf ihrer eigenen Insel kreativ austoben.

Spielebeurteilung

Super Mario Maker 2

Super-Mario-Levels selbst gestalten wird mit dem Super Mario Maker 2 kinderleicht. Zusätzlich führt ein umfangreicher Abenteuer-Modus querbeet durch die lange Spielegeschichte der Mario-Reihe.

Bildnachweise

[1]Core / Manticore Games / Screenshot by spielbar.de[2]Core / Manticore Games / "Cannons and Corsairs" by Manticore Games / https://www.coregames.com/games/0dec1f/cannons-and-corsairs[3]Core / Manticore Games / Core Royale by Manticore Games / https://www.coregames.com/games/577d80/core-royale[4]Core / Manticore Games / Screenshot by Spielbar.de[5]Core / Manticore Games / Screenshot by Spielbar.de[6]Roblox / Roblox Corporation[7]Epic Games / Fortnite:Kreativmodus / Screenshot by spielbar.de[8]Super Mario Maker 2 / Nintendo / screenshot by spielbar.de

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