Spielebeurteilung

Clash Royale

24.07.2020
Die harmlose Grafik dieses Smartphone-Klassikers täuscht: Clash Royale ist ein taktisches Multiplayer-Spiel, das über ein ausgetüfteltes Belohnungssystem Spieler*innen ab sechs Jahren zum Geldausgeben animieren will.
Clash Royal ist seit Jahren ein Hit in den App-Stores. Im Google Play Store wurde es mehr als einhundert Millionen Mal heruntergeladen. Das Spielprinzip ist einfach: Man setzt Einheiten auf eine kleine Karte und versucht damit, die gegnerischen Türme zu zerstören. Die Einheiten und Gebäude werden in Form von digitalen Spielkarten gesammelt und aufgewertet. Das Spiel ist Free2Play, doch durch In-App-Käufe können Spieler*innen sich Vorteile erkaufen. Einige Figuren des Spiels basieren auf dem Spiel Clash of Clans, das von demselben Entwicklungsstudio stammt.

Spielprinzip: Tower Wars und Sammelkarten

Gleich beginnt die Spielrunde. Die gegnerischen Türme sind in der oberen Hälfte in rot zu sehen.

Eine Spielrunde dauert drei bis vier Minuten. Bei einem Einzelkampf stehen sich zwei gegnerische Spieler*innen gegenüber. Diese haben jeweils acht Karten in ihrem Deck. Mit dem Ausspielen einer Karte kann eine Einheit erschaffen oder ein Gebäude platziert werden. In beiden Fällen muss ein gewisser Abstand zu den gegnerischen Türmen eingehalten werden. Karten wie Zauber können dagegen direkt auf Türme gespielt werden und richten dort Schaden an.

Während des Kampfes lädt sich am unteren Bildschirmrand eine Anzeige auf. Mit diesen Elixier-Punkten wird das Ausspielen der Karten bezahlt. Nur wer es schafft, mit der richtigen Kombination aus Einheiten ein Übergewicht auf dem Spielfeld zu erzeugen, kann gewinnen.


Königs- und Prinzessinnentürme

Team Blau hat schon beide Prinzessinnentürme verloren, Team Rot erst einen.

Das Spielfeld gliedert sich in Hälften, die durch zwei Brücken verbunden sind. Die untere Hälfte gehört stets der eigenen Armee, die obere der gegnerischen Armee.

Beide haben jeweils einen Hauptturm (Königsturm) und zwei Nebentürme (Prinzessinnentürme). Das Spiel ist entschieden, wenn der Königsturm zerstört wird. Läuft vorher die Zeit ab, gewinnt der- oder diejenige Spieler*in, der oder die mehr gegnerische Türme zerstört hat. Bei Unentschieden gibt es eine Verlängerung.


Sammelkarten

Die Einheiten, Zauber und Gebäude werden als Karten gesammelt. Je mehr man von einer Karte hat, desto höher steigt das Level.

Einheiten, Gebäude und Zauber erlangen in Clash Royale-Spieler*innen in Form von Sammelkarten. Es gibt zum Beispiel Ritter, Bogenschützen, Kobolde, Infernodrachen und Hexen. Die etwa 100 Karten sind ihrer Seltenheit entsprechend als Gewöhnlich, Selten, Episch oder Legendär markiert.

Die verschiedenen Karten können unterschiedliche Level aufweisen. Indem man eine Karte mehrfach erhält, kann man ihr Level erhöhen und damit auch die Angriffs- bzw. Verteidigungskraft der Einheit. Ist man Mitglied in einem Clan, kann man Karten anbieten und anfordern.

Das Spiel-Set von acht Karten sollte vielseitig zusammengestellt werden. Im Spiel ist es zum Beispiel vorteilhaft, eine sehr stabile Nahkampfeinheit zeitgleich mit einer angriffsstarken Fernkampfeinheit auszuspielen.


Spielmodi und Ligen

Durch das Sammeln von Trophäen steigt man im Ligensystem auf. Für jede Stufe erhält man eine Truhe als Belohnung.

Neben den Einzelkämpfen gibt es noch weitere Modi wie Turniere, Herausforderungen, Party, Touchdown und Clankriege. Viele dieser Modi sind nur zeitlich begrenzt spielbar.

Für das Zerstören von gegnerischen Türmen erhält man jeweils zehn Trophäen. Hat man genügend Trophäen gesammelt, steigt man in eine höhere Arena auf. Mit jeder Arena schalten sich auch neue Sammelkarten frei.

Ab 4000 Trophäen beginnt ein Liga-System, in welchem man immer weiter aufsteigen kann, bis nach zwei Wochen die Saison endet. Die Hälfte der Trophäen über 4000 werden dann abgezogen. Will man sich in der höchsten Liga „Ultimativer Champion“ halten, braucht man 7000 Trophäen. Um die 1500 Trophäen auszugleichen, die man dabei alle zwei Wochen verliert, muss man in dieser Zeitspanne also mindestens 50 Spiele gewinnen und dabei immer alle drei gegnerischen Türme zerstören.


Clans

Im Clan kann man sich mit Spieler*innen aus der ganzen Welt zusammentun.

Maximal 50 Personen können einem Clan beitreten. Dort können sie mit anderen Mitgliedern chatten und Testspiele machen sowie Karten spenden und erhalten. Innerhalb der Clans gibt es verschiedene Rollen, zum Beispiel Ältester oder Anführer. Mit diesen sind Berechtigungen wie das Einladen und Hinauswerfen von Mitgliedern verbunden.

Clans können am Modus „Clankriege“ teilnehmen. Ein Clankrieg dauert zwei Tage. Am ersten Tag werden Karten erspielt, die dann am zweiten Tag verwendet werden können. Dabei spielt man einzeln gegen Gegner*innen aus dem anderen Clan. Am Ende werden die Wertungen des gesamten Clans zusammengerechnet. Auch Clans sammeln Trophäen und steigen in einem Ligensystem auf. Das Erreichen einer Liga entscheidet über die Qualität der Truhe, die man am Ende eines Clankriegs als Belohnung erhält.
Matthias Köberlein (bpb)
Dieses Spiel wurde getestet von:

Pädagogische Beurteilung:

Kinder- und Jugendschutz


Aus Sicht des klassischen Kinder- Jugendschutzes wäre das Spiel mutmaßlich ab sechs Jahren geeignet. Auch wenn Gewalt das grundlegende Prinzip des Spiels ist, so ist die Darstellung doch sehr abstrakt. Im Google Play Store wird eine USK-Freigabe ab sechs Jahren angegeben, während der Apple App Store das Spiel ab neun Jahren empfiehlt.

In-App-Käufe


Der Fortschritt im Spiel und auch die Gewinnchancen können mit In-App-Käufen beschleunigt werden. Clash Royale ist also ein sogenanntes Pay2Win-Spiel – wer Geld ausgibt, kann leichter gewinnen. Die In-App-Artikel werden zu Preisen von bis zu 109,99 Euro pro Transaktion angeboten.

Durch das Gewinnen von Kämpfen oder den Kauf der Premium-Währung „Juwelen“ bekommen Spieler*innen verschiedene Arten von Truhen, wie die „Blitztruhe“ oder die „Epische Truhe“. Die Menge an Gold und die Anzahl der Karten in den Truhen nimmt im Laufe der Level („Arenen“) zu. Außerdem gibt es kosmetische Verschönerungen wie Emotes für den Chat und Skins für die Türme. Durch den Kauf eines „Pass Royale“ kann die Menge der freigespielten Belohnungen erhöht werden. Belohnungs-Truhen in Videospielen werden auch „Lootboxen“ genannt. Dieses Belohnungsprinzip stellt einen Grenzbereich zum Glücksspiel dar. Besonders für Kinder sind solche Glücksspielelemente gefährlich.

Bindungsfaktoren


Clash Royale ist wie viele andere Free2Play-Titel darauf ausgelegt, Spieler*innen in den Bann zu ziehen und letztlich an deren Geld zu kommen. Das Spiel lässt einen in den ersten Leveln gut vorankommen und bietet viele Erfolgserlebnisse. Durch das Ausgeben der Juwelen, die man zu Beginn hat, lernt man schnell, dass diese für die schnellere Entwicklung der eigenen Karten nützlich sind. Dies funktioniert dadurch, dass lange Wartezeiten im Spiel angelegt wurden.

Spieler*innen werden durch ständige Belohnungen bei der Stange gehalten. Lässt man die Benachrichtigungen zusätzlich noch eingeschaltet, erinnert das Spiel einen immer dann, wenn eine Entwicklung abgeschlossen ist, sodass die Bindung an Clash Royale verstärkt wird. Will man die 13 Arenen durchspielen oder sogar noch weiter aufsteigen, braucht man einen langen Atem und viel Spielzeit oder muss eine Menge Geld ausgeben.

Fazit:

Clash Royale ist pädagogisch kaum wertvoll. Es schult zwar Taktik und Timing, aber das tun viele andere Spiele auch. Dass Clash Royale so erfolgreich ist, erklärt sich vor allem dadurch, dass es die Spieler*innen ständig mit Erfolgserlebnissen versorgt. Das letztliche Spiel bleibt aber sehr einseitig. Auch wenn das Spiel bezüglich der Gewaltdarstellung unbedenklich ist, sollte man Kinder unter 12 Jahren Clash Royale nicht spielen lassen, da das Spiel ständig Anreize zum Geldausgeben setzt. Die kurzen Runde läppern sich zudem zu einer langen Spielzeit.
Matthias Köberlein (bpb)
Dieses Spiel wurde beurteilt von:

Siehe auch

Spielebeurteilung

Clash of Clans

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Surfe mit einem Hoverboard auf den U-Bahnen und Schienennetzen der Großstädte dieser Welt - so die Idee des Mobile Game Subway Surfers. Leider dauern die penetranten Werbevideos fast genauso lang wie eine Runde des eigentlichen Spiels.

Bildnachweise

[1]Clash Royale / Supercell / Collage und Screenshots by spielbar.de[2]Clash Royale / Supercell / Screenshot by spielbar.de[3]Clash Royale / Supercell / Screenshot by spielbar.de[4]Clash Royale / Supercell / Screenshot by spielbar.de[5]Clash Royale / Supercell / Screenshot by spielbar.de[6]Clash Royale / Supercell / Screenshot by spielbar.de[7]Brawl Stars / Supercell / Screenshot by spielbar.de[8]Subway Surfers / Kiloo Games / Collage und Screenshots by spielbar.de

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