Spielebeurteilung

Anthem

09.04.2019
Die Spielenden erkunden die gefahrvolle offene Spielwelt eines Planeten, der von einem Alien-Militärregime regiert wird. Doch nicht nur die taktisch geschickte Bekämpfung fremder Mächte und urzeitlicher Monster können sie dabei lernen.
Anthem ist ein actionreicher Science-Fiction-Open-World-Shooter, der Elemente von Rollenspiel und Shooter verbindet und vorrangig im Online-Multiplayer gespielt wird. Das Spiel bietet eine weitläufige offene Welt und viele Story-Missionen, die man zusammen mit Freunden oder Unbekannten spielt. Daneben gibt es die Möglichkeit, die Welt im freien Modus alleine zu erkunden. Aber auch im freien Spiel kann es kooperativ werden…

Story
Die Welt von Anthem wird von Aliens und Monstern regiert. Es gibt wenige Menschen, und diese leben nur in Städten oder Siedlungen hinter schützenden Mauern. Man schlüpft in die Rolle eines Freelancers, der einen gepanzerten, flug- und tauchfähigen sowie konfigurierbaren Kampfanzug („Javelin“) besitzt und sich damit in die gefährliche Außenwelt traut. Man arbeitet als Söldner, erfüllt diverse Aufträge, schützt oder rettet einzelne Personen und kämpft in der Dschungelregion „Bastion“ gegen Monster, Aliens und andere Gefahren.

Eine große Gefahr für die Bewohner von der befestigten Siedlung „Fort Tarsis“ stellt das Dominion dar – eine hochmilitarisierte Gesellschaft. Die Welt wird zusätzlich von gewaltigen Stürmen geplagt, zum Beispiel vom Auge des Zorns. Das Dominion erschwert der/dem Spielenden, der letzten Hoffnung der Menschheit, Anthem zu einer besseren und ungefährlichen Welt zu machen.

Im Gefecht mit einem urzeitlichen „Wyvern“-Monster. Die Tier- und Pflanzenwelt der fiktiven, futuristischen Umgebung ist teilweise an die Urzeit der Erde angelehnt.

Dem bruchstückhaften Wissen der Menschen zufolge wurde Anthem von Göttern („Gestaltern“) erschaffen, aber nicht vollendet. Eine große Rolle spielt die „Hymne der Schöpfung“, welche die Gestalter für die Erschaffung der Welt und für ihre Technologie nutzten. Überall auf dem Planeten sind Relikte der Gestalter und Echos (Teile der Hymne der Schöpfung) in der Nähe von Gestalter-Ruinen verstreut, die von Forschern in Anthem wie Puzzleteile gesehen werden. Ziel und Hoffnung sind es, damit die gewaltigen Stürme („Cataclysms“) einzudämmen.

Zu Beginn des Spieles erfährt man von der Zerstörung der Stadt Freimark durch das Militärregime Dominion. Dieses hatte versucht, das Gestalter-Relikt „Kenotaph“ zu kontrollieren. Dabei entstand der gewaltige Cataclysm „Herz des Zorns“, der sich weiter ausbreitet, sehr starken Kreaturen den Weg ebnet und Fort Tarsis bedroht.

Die schützenden Mauern von Fort Tarsis

Fraktionen
Es gibt verschiedene Menschen-Fraktionen: Freelancer (Söldner), Arkanisten (Wissenschaftler) und Sentinels (Staatsorgane, welche den Frieden bewahren wollen). Für diese drei Fraktionen gilt es, die Loyalitätsstufe zu steigern. Dies gelingt, indem man Aufträge für die einzelnen Fraktionen erfüllt und mit möglichst vielen Menschen im Fort Tarsis spricht.

Neben den drei bereits genannten Fraktionen gibt es Individuen mit gesteigerter Sensibilität namens „Krypter“, die die Freelancer unterstützen, Ingenieure (Mechaniker, Handwerker, Architekten und Schmiede) und weitere Berufsgruppen. Krypter können eine Verbindung zu den Freelancern aufbauen, während diese in der Außenwelt unterwegs sind und ihnen wertvolle Informationen liefern.

Mithilfe dieses Stuhls bauen die Krypter eine Verbindung zu Freelancern auf.

Spielsystem und Gameplay
Ohne Internetverbindung ist Anthem nicht spielbar. Das Spiel beinhaltet zwei Modi – einen Einzelspieler-Modus und einen kooperativen Mehrspieler-Modus, welcher aus bis zu vier Gruppenmitgliedern bestehen kann. Anthem ist auf kooperatives Spiel ausgerichtet. Gefechte zwischen Spielern (PvP ) gibt es nicht.
Die Welt lädt zum Entdecken ein. Man kann mit seinem Javelin fliegend, laufend oder tauchend Anthem erkunden.

Der Halbkreis zu den Füßen des Freelancers zeigt an, wie lange man noch in der Luft bleiben kann. Der Javelin überhitzt, wenn man zu lange fliegt. Die Anzeige wird rot, der Anzug fällt aus und man stürzt ab. Wasser und Sinkflug kühlen den Javelin. Wenn man z. B. durch einen Wasserfall fliegt, kann man länger in der Luft bleiben.

Neben der Verfolgung der Haupt-Story ist die Welt von Anthem frei erkundbar. Im freien Modus sind „Weltereignisse“ verstreut. Dies sind Kurzmissionen, die man alleine oder zusammen absolviert.

Fliegend mit einem Ranger-Javelin auf dem Weg zu einem Missionsziel.

Anthems Multiplayer wird von dem sogenannten „Allianzsystem“ unterstützt, dabei steht die Zusammenarbeit im Fokus. Für Expeditionen erhält man Erfahrungs- und Allianzpunkte. Die Erfahrungspunkte sorgen für den Levelaufstieg des eigenen Charakters und die Allianzpunkte werden wöchentlich neu addiert. Jeden Dienstag erhält man Münzen entsprechend seiner Allianzpunkte. Die Allianzpunkte werden also in eine spielinterne Währung umgewandelt. Je öfter man spielt und je besser man sich gegenseitig unterstützt, umso höher ist der wöchentliche Gewinn. Mit der Währung kann man zum Beispiel Teile für Verbesserungen für seinen Javelin kaufen. Es lassen sich aber auch für echtes Geld kosmetische Teile für den Javelin erwerben. Hierfür muss man zu Händlern in Fort Tarsis gehen oder im Menü „Angebote“ auswählen und die Transaktion extra bestätigen. Da man genug Münzen und Loot (Beute) in Anthem bekommt, ist der Einsatz von Echtgeld nicht notwendig.

Erfahrungspunkte bekommt man zum einen für die abgeschlossenen Story-Missionen und zum anderen für die Absolvierung täglicher, wöchentlicher und monatlicher Herausforderungen sowie für besondere lohnenswerte Kämpfe (Raids). Diese Raids werden auf Festungsanlagen unternommen und bieten besonders viele Erfahrungspunkte sowie Loot (bessere Waffen, Panzerung, Wärmetauscher, etc). Dieser Loot kann zur Verbesserung der eigenen Javelins genutzt werden.

Der Ranger-Javelin in der Schmiede

In der Schmiede kann man das Aussehen des Javelins verändern und die Ausrüstung verbessern oder sich einen der drei anderen Javelins aussuchen, sofern man diese bereits freigeschaltet hat. Man kann zwischen den folgenden Klassen wählen: Ranger, Colossus, Storm und Interceptor. Der Ranger-Javelin ist sozusagen ein Allrounder, man könnte diese Klasse auch als „Soldat“ betiteln. Der Colossus-Javelin ist der stärkste und größte, der „Tank“. Mit dem Storm-Javelin, dem „Zauberer“, verfügt man über mehrere elementare Angriffe wie Blitz und Eis, jedoch weniger über eine schützende Panzerung. Der Interceptor-Javelin ist derjenige mit der geringsten Panzerung, aber mit der höchsten und schnellsten Flugdauer. Er könnte als „Assassine“ fungieren.
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Dieses Spiel wurde getestet von:
Madlen Milewski

Bildnachweise

[1]Anthem / Electronic Arts / Screenshot by spielbar.de[2]Anthem / Electronic Arts / Screenshot by spielbar.de[3]Anthem / Electronic Arts / Screenshot by spielbar.de[4]Anthem / Electronic Arts / Screenshot by spielbar.de[5]Anthem / Electronic Arts / Screenshot by spielbar.de[6]Anthem / Electronic Arts / Screenshot by spielbar.de

Pädagogische Beurteilung:

Den Hauptteil des Spiels machen die Spielmodi aus, die online gemeinsam mit anderen bestritten werden. Aus diesem Grund und aufgrund der Ausbaumöglichkeiten der Javelins kann Anthem lange beschäftigen. Abseits technischer Probleme ist das actionreiche Online-Coop-Spiel dafür prädestiniert, dass sich die Spielenden täglich und wochen- oder monatelang damit beschäftigen. Was durchaus von den Herstellern gewollt ist, wenn man nach den spielimmanenten Aufforderungen geht, mit Freunden und möglichst viel zu spielen, um zum Beispiel mehr Erfahrungspunkte zu bekommen. Bei Jugendlichen, die ihre Spielzeit nicht selbst regulieren können, muss daher aufgepasst werden: Ist man ins Spiel vertieft, vergehen zwei bis fünf Stunden recht schnell. Als durchschnittliche Spieldauer sind über 50 Stunden zu erwarten. Das Entwicklungsstudio hat jedoch angekündigt, dass Anthem um zusätzliche Inhalte erweitert wird.

Wöchentliche Herausforderungen animieren dazu, viel zu spielen.

Gebremst wird die Spielfaszination durch oft stockenden Spielablauf. Aufgrund von Serverproblemen ist derzeit häufig kein flüssiges Spielerlebnis möglich, mitunter werden Missionen sogar abgebrochen und das Spiel beendet.

Während der Online-Missionen ist kein Pausieren des Spiels möglich, da diese in Echtzeit ablaufen. Sobald man die Mission beendet hat, kommt man zurück ins Fort Tarsis. Hier sind Pausen nicht nur im Sinne einer Spielunterbrechung möglich, sondern auch mentale Entspannungsphasen ergeben sich. Das Spiel verzichtet zudem auf übermäßige Gewaltdarstellungen. Es gibt keine Spieler-gegen-Spieler-Kämpfe. Anthem bietet hinreichend Distanzierungsmöglichkeiten vom Spielgeschehen, welches während der Missionen rasant und kampfbetont abläuft. Damit und mit den Kommentaren der uns auditiv begleitenden Krypter wird eine Reflexionsebene geschaffen. Ebenso regen weitere Figuren dazu an, den Krieg und die Rolle verschiedener Charaktere zu hinterfragen. Auf mehreren Ebenen wird man also angeregt, über das Geschehen(e) nachzudenken.

Neben den feindlich gesinnten Dominion-Soldaten sowie den Skar (Aliens) gilt es auch „Gesetzlose“ zu bekämpfen. Auch an anderer Stelle werden moralische und soziale Kompetenzen angesprochen, indem man Menschen retten oder sich für Mitmenschen einsetzen kann. Es gibt Nebenmissionen, die Engagement und Hilfsbereitschaft erfordern. Belohnt wird dies mit einer Steigerung des Ansehens. Des Weiteren kann man Javelins von Mitspielenden bei deren Ausfall im Kampf (beim Tod) reparieren, sodass diese wieder voll einsatzfähig sind.

Anthem spricht mehrere Fähig- und Fertigkeiten an, die unterschwellig gefordert und gefördert werden. Großer Wert wird auf Teamfähigkeit gelegt, alleine kommt man schlecht voran. Hängt man bei einer Online-Mission den anderen Teammitgliedern zu sehr hinterher, weil man z. B. Mineralien abbaute, betraft das Spiel diesen Alleingang insofern, dass man zum Missionsziel transportiert wird, wobei ein längerer Ladebildschirm dafür sorgt, dass man die Handlung währenddessen verpasst oder Filmsequenzen nicht sieht.

Um im Spiel möglichst schnell zum Ziel zu kommen, sind auch Koordinationsfähigkeit und eine Orientierung im Raum wichtig. Manche Missionen erfordern darüber hinaus analytisches Denken in Form von Rätseln. Wie für Shooter üblich, ist eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit und taktisches Vorgehen im Kampf gefragt. Monster, die weitaus stärker sind als man selbst, könnte man ohne eine gewisse Strategie nicht bezwingen. Mitunter hat man mehrere Aufgaben während einer Mission, die alle irgendwie koordiniert werden müssen. Während man zum Beispiel Sentinels oder Arkanisten befreien muss, steht man unter Beschuss und soll einen Posten verteidigen.

In der Interaktion mit Nichtspielercharakteren muss man sich hin und wieder für Antworten entscheiden, was erfordert, dass man aufmerksam ist und liest.

Fazit:

Anthem fasziniert durch eine ansprechende grafische Gestaltung, ein gelungenes Kampfsystem sowie eine einfache Steuerung. Obwohl die offene Spielwelt mit zahlreichen Feinden versehen und ein Fokus auf Waffengewalt gelegt ist, können sich Jugendliche ab 16 Jahren vom Geschehen distanzieren, da die Handlung in eine erkennbar fiktive Welt integriert und auf Entspannungsphasen geachtet wurde.
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Dieses Spiel wurde beurteilt von:
Madlen Milewski

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