Spielebeurteilung

Robocraft

10.09.2020
Zwei Roboter-Teams kämpfen um die Vorherrschaft. Vorher werden die Roboter aus Blöcken, Antrieben und Waffen selbst konstruiert. Von Geländewagen bis zu fliegenden Untertassen ist alles möglich.
Robocraft ist ein storyloses Online-Spiel, das alleine oder gemeinsam gespielt werden kann. Man steuert einen selbsterstellten Roboter durch etwa 10-minütige Team-Gefechte. Im Eliminierungs-Modus müssen alle gegnerischen Roboter zerstört werden oder alternativ der gegnerische Startpunkt eingenommen werden. Wird der eigene Roboter zerstört, so scheidet man aus. Im „Team Deathmatch“ hingegen werden zerstörte Roboter nach einer kurzen Wartezeit erneut ins Spiel geschickt. Ziel ist es, mit dem eigenen Team insgesamt 15 gegnerische Roboter zu zerstören.

Während der Gefechte gilt es, den Überblick zu behalten und das eigene Team so gut wie möglich zu unterstützen.

Die Roboter werden aus einer Schulterperspektive oder – optional – aus der Ego-Perspektive gesteuert, so wie es in Shootern üblich ist. Auf einer Gefechtskarte sind Verbündete und entdeckte Gegner markiert. Da es auf den Karten stets mehrere Wege gibt und Gebirge sowie Schluchten eine gute Deckung bieten, gewinnt meist das Team, das taktisch klüger vorgeht.

Um einen Roboter ins Feld schicken zu können, muss man diesen zunächst konstruieren. Dies geschieht Block für Block (ähnlich wie in Minecraft), sodass der Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind. Zudem stehen sehr viele Antriebsarten zur Verfügung, die völlig unterschiedliche Konstruktionen erlauben: Räder, Panzerketten, Hovercraft-Antriebe, Hubschrauber-Rotoren, Düsen, Flugzeug-Tragflächen, Mech- und Spinnenbeine können angebracht und frei kombiniert werden. Ein skifahrender Mech-Roboter mit Düsenantrieb und Tragflächen zum Fliegen ist also kein Problem.

Die Roboter werden aus Blöcken, Antrieben und Waffen einzeln zusammengesetzt. Die Herausforderung ist, ein möglichst stabiles und angriffsstarkes, aber dennoch bewegliches und schwer zu treffendes Gefährt zu konstruieren. Dieser schwere Helikopter hat zwar viele Waffen an Bord, fällt jedoch wie ein Stein zu Boden, sobald zwei der drei (leicht zu treffenden) Rotoren zerstört sind.

Zudem gibt es eine Vielzahl an Waffenarten wie Laser oder Plasmakanonen, die jeweils ihre Stärken und Schwächen gegenüber bestimmten Gegnertypen (wie Bodenfahrzeuge oder Flugzeuge) haben. Auch diese können frei kombiniert werden. Diese Vielfalt spiegelt sich in den Gefechten wider, wo man vielen gut durchdachten oder auch abgedrehten Kreationen begegnet.

Die verschiedenen Ausrüstungsteile müssen jedoch zunächst mit Technologiepunkten einmalig freigeschaltet werden, welche man während der Gefechte verdienen muss. Robocraft ist grundsätzlich kostenlos spielbar („Free2Play“). Mit der kostenpflichtigen Premium-Mitgliedschaft (zum Beispiel „Premium for Life“ für knapp 40 €) erhält man neben kosmetischen Extras auch doppelt so schnell Technologiepunkte. Zusätzlich können Waffen mit der Zeit aufgewertet werden, was „Robits“ erfordert. Diese können entweder mit Echtgeld gekauft oder nach und nach in Gefechten verdient werden. Die Gefechtszuordnung zu anderen Robotern berücksichtigt jedoch die Stärke der eigenen Ausrüstungsteile, sodass sich stets ähnlich starke Teams gegenüberstehen, egal wie gut der eigene Roboter ausgerüstet ist. Die Zusatzkäufe beeinflussen zwar das eigene Voranschreiten im Technologiebaum, jedoch nicht merklich die eigene Siegesquote.

Im Shop sind Premium-Mitgliedschaften und Ingame-Währungen erhältlich. Die Käufe beschleunigen zwar den Spielfortschritt, verändern jedoch nicht die Kräfteverhältnisse in den Gefechten.

Die Gesamtspielzeit hängt stark davon ab, wieviel Freude man am Experimentieren und Tüfteln hat, und ob man ganz oben mitspielen möchte. Alle Technologien freizuschalten dürfte rund 100 Spielstunden dauern, mit Premium-Pass etwa die Hälfte.
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Pädagogische Beurteilung:

Die Faszination des Spiels liegt weniger in den kurzen Gefechten, sondern in der Konstruktion, dem Ausprobieren und der Anpassung des eigenen Roboters. Dabei gibt es viel zu entdecken und zu tüfteln: Zu schwere Flugzeuge heben nicht ab, zu hohe Fahrzeuge fallen in der Kurve um und ungeschützte Räder fallen schnell den gegnerischen Lasern zum Opfer, sodass das Fahrzeug manövrierunfähig wird. Es geht also nicht nur darum, besser zu kämpfen, sondern sich mit einer wohlüberlegten Konstruktion und einer passenden Spieltaktik einen Vorteil zu verschaffen. Die Spielphysik ist im Vergleich zur realen Welt dabei stark vereinfacht und erlaubt beispielsweise Hubschrauber mit nur einem Rotor, innenliegende Flugzeug-Tragflächen oder folgenlose Abstürze aus großer Höhe.

Die kreativen Möglichkeiten des Roboter-Editors laden geradezu dazu ein, abgedrehte bis verrückte Konstruktionen zu erschaffen. Vom fliegenden Brandenburger Tor über Stahldinosaurier bis hin zu robotergewordenen Internet-Memes wie Nyan-Cat ist alles drin. Am Ende jeder Spielrunde gibt es sogar ein kleines Voting für die „bestaussehende“ Konstruktion, um derlei Kreationen zu honorieren. Es gibt zudem einen gesonderten, „Fabrik“ genannten Bereich, auf dem eigene Roboter ausgestellt und mit anderen geteilt werden können.

Wegen der kampfbetonten Gefechte ist die Konsolenversion von Robocraft von der USK ab 12 freigegeben. Da ausschließlich Roboter gegeneinander antreten, wird dabei keine Gewalt gegenüber Lebewesen und somit auch kein Blut dargestellt.

Pädagogisch betrachtet steckt in Robocraft ein interessanter Experimentierkasten für Fahr- und Flugzeuge aller Art. Wer daran kein Interesse hat, kann aber auch einfach fertige Konstruktionen laden und damit an den Gefechten teilnehmen. Robocraft kann also auf sehr verschiedene Arten gespielt werden, wobei die Tüftelei die Kreativität anregt, während es beim Gefecht auf Teamplay und Taktik ankommt. Beide Spielarten sind ab etwa 12 Jahren geeignet.

Die Umsetzung des Free2Play-Geschäftsmodells über Ingame-Währungen, Premiumvorteile und DLC-Pakete führt im vorliegenden Fall nicht zu einer spielerischen Benachteiligung anderer. Daher existiert nur ein geringer Kaufdruck, dem Jugendliche ab 12 Jahren vermutlich gewachsen sind. Zur Sicherheit sollten auf der Spielplattform keine Kreditkartendaten oder sonstige Bezahlmethoden hinterlegt werden.

Fazit:

Robocraft schafft es, einen vielfältigen Roboterbaukasten mit kurzweiligen Gefechten zu verbinden. Jugendlichen ab 12 Jahren und auch Erwachsenen kann es viel Spaß machen, sich neue Konstruktionen auszudenken, auszuprobieren und daran zu feilen. Wenn die Spielzeit im Rahmen bleibt, kann das Kreativität, Taktik und Teamplay anregen.
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Siehe auch

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Dreams

Mit Dreams werden eigene Spielträume wahr. Das Spiel stellt ein Baukastensystem zur Verfügung, mit dem man eigene Spiele entwickeln und mit der Community teilen kann. Die Möglichkeiten scheinen grenzenlos.

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Roblox

Beliebter als Minecraft und doch kaum bekannt: Roblox ist eine Plattform, auf der sich eigene Games entwickeln und spielen lassen. Roblox stellt sich zudem als wahrer Zeitfresser heraus.

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Super Mario Maker 2

Super-Mario-Levels selbst gestalten wird mit dem Super Mario Maker 2 kinderleicht. Zusätzlich führt ein umfangreicher Abenteuer-Modus querbeet durch die lange Spielegeschichte der Mario-Reihe.

Bildnachweise

[1]Robocraft / Freejam Games / Pressematerial[2]Robocraft / Freejam Games / Screenshot by spielbar.de[3]Robocraft / Freejam Games / Screenshot by spielbar.de[4]Robocraft / Freejam Games / Screenshot by spielbar.de[5]Dreams / Media Molecule / Screenshot by spielbar.de[6]Roblox / Roblox Corporation[7]Super Mario Maker 2 / Nintendo / screenshot by spielbar.de

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