Spielebeurteilung

Harry Potter: Hogwarts Mystery

27.11.2018
Das Abenteuerspiel lockt Harry-Potter-Fans damit, in die Rolle eines Hogwarts-Schülers zu schlüpfen. Leider verbergen sich hinter der augenscheinlich kostenfreien App unübersichtliche und kostspielige Mikrotransaktionen.
“Harry Potter: Hogwarts Mystery” ist ein Adventure -Spiel, bei dem eine weitere Geschichte im Rahmen der “Harry Potter”-Welt erzählt wird. Dabei können Unterrichtsstunden und der Alltag in der Zauberschule “Hogwarts” nachgespielt werden. Zu Anfang des Spiels werden einige Filmsequenzen eingespielt, durch die man erfährt, dass man als Kind einen Brief der Schule erhält, in dem man eingeladen wird, zukünftig am Unterricht der Zauberschule teilzunehmen.

Das Ziel des Spiels ist es, verschiedene Aufgaben im Unterricht zu bewältigen und durch das Abschließen von Missionen die Geschichte des Spiels weiterverfolgen zu können. Zu Beginn fragt der aus den Büchern und Filmen bekannte sprechende Hut, welchem Haus man sich anschließen möchte. Obwohl der Entscheidung in Filmen und Büchern eine große Bedeutung beigemessen wird, nimmt die persönliche Vorliebe hier keinen weitreichenden Einfluss auf das weitere Spielgeschehen. Bekannte Figuren des Harry-Potter-Unisversums werden im Laufe des Spiels immer wieder in die Geschichte eingebunden, was als Strategie gesehen werden kann, Fans länger an das Spiel zu binden.

Zu Anfang können die Spielerinnen und Spieler sich entscheiden, welchem Hogwarts-Haus sie sich anschließen möchten.

Hogwarts Mystery kann lediglich im Einzelspielermodus bestritten werden und bietet nur wenig Abwechslung im Spielprinzip und Steuerung. Die Tätigkeit während des Abschließens einer Mission besteht bei diesem Mobile-Spiel hauptsächlich darin, wiederholt auf ein Feld zu klicken, in dem die Tätigkeit beschrieben wird. Jede Tätigkeit verbraucht Energiepunkte, von denen man am Anfang ca. 25 Einheiten zu Verfügung hat. Versucht man nach dem kompletten Aufbrauchen der Energie trotzdem eine Aktion auszuführen, wird man aufgefordert entweder neue Energie zu kaufen oder pro Einheit vier Minuten abzuwarten, bis diese sich regeneriert. Hier kommen bereits nach ca. 20 Minuten Spielzeit die Mikrotransaktionen und In-App-Käufe zum Tragen, bei denen durch das Bezahlen von echtem Geld die Wartezeiten verkürzt werden sollen. Da sich nur eine begrenzte Menge Energie regenerieren kann, kommt es ohne das Zahlen von echtem Geld immer wieder zur Unterbrechung des Spiels und das Spielerlebnis ist daher vor allem durch langes Abwarten geprägt oder durch ständiges Bezahlen.

Abgesehen vom einfachen Tippen für Aktionen bietet das Spiel noch die Möglichkeit in Dialogen verschiedene Antworten zu geben oder im Unterricht ein Muster auf dem Display nachzuzeichnen, um einen Zauberspruch zu wirken. Das Spiel bietet hier nur wenig Anknüpfungspunkte zu der ursprünglichen Franchise. Die Geschichte findet größtenteils unabhängig zu den bereits bekannten Handlungen statt und versucht durch die Schulstunden den Schulalltag erlebbar zu machen. Während der Stunden selbst fällt dabei auf, dass viele der gestellten Fragen größtenteils nicht im Unterricht behandelt wurden. Das Beantworten der Fragen kann eigentlich nur durch Vorwissen zur Franchise erfolgreich sein, weil viele Antworten nicht aus dem Spielverlauf erschlossen werden können.

Wir treffen auf bereits bekannte Figuren des “Harry-Potter”-Franchise. Das können Lehrerinnen, Mitschüler oder die magischen Wesen der Zauberschule sein.

In diesen einfachen Aktionen erschöpft sich das Gameplay . Ergänzend dazu gibt es ein einfaches System, in dem man Levelweise aufsteigen kann. Trotz der Anlehnung an das Rollenspiel -Genre fehlen hier das klassische Fähigkeiten-System und der sogenannte “Skillbaum”, bei denen selbst entschieden werden kann, wie die erworbenen Fähigkeitspunkte verteilt werden und wo Schwerpunkte gesetzt werden sollen.

Stattdessen gibt es für das Abschließen der Unterrichtsstunden bestimmte Punkte in den drei verschiedenen Attributen Mut, Wissen und Empathie. Sammelt man genug Punkte für eine Kategorie, beispielsweise durch das Besuchen bestimmter Unterrichtsstunden, kann man eine Stufe aufsteigen. Die Fähigkeiten, die in den verschiedenen Attributen aufgebaut werden, können genutzt werden, um bestimmte Dialogmöglichkeiten anzuwählen oder in einem Duell einen Vorteil zu erzielen.
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Dieses Spiel wurde getestet von:
Josephine Hohberg

Bildnachweise

[1]Harry Potter: Hogwarts Mystery / Jam City, Inc.[2]Harry Potter: Hogwarts Mystery / Jam City, Inc.

Pädagogische Beurteilung:

Das Spiel bietet entgegen der Erwartungen ein sehr eintöniges Spielerlebnis mit sehr einfachen und wenig abwechslungsreichen Möglichkeiten in der Steuerung. Dieselben Tätigkeiten und vor allem das ständige Tippen auf den Bildschirm, um eine Fortschrittsanzeige zu füllen, zeigen keinerlei Verbindung zum eigentlichen Thema oder der Geschichte des Spiels. Es ist nur rein äußerlich an das “Harry Potter”- Franchise angepasst, um Fans anzulocken. Die Geschichte, die eigentlich im Mittelpunkt des Spiels stehen soll, wird durch die vielen Missionen und die langen Wartezeiten stark in die Länge gezogen und kann daher nur schwer nachvollzogen werden.

Mikrotransaktionen
Obwohl das Spiel kostenlos heruntergeladen werden kann, wird bereits durch die grundlegende Bedienung des Spiels schnell klar, dass ohne das Bezahlen von Geld das Spielerlebnis stark eingeschränkt wird.

Der größte Kritikpunkt am Spiel ist das unübersichtliche System von In-Game-Währung. Die Währungen werden benötigt, um die einzelnen Aufgaben zu absolvieren oder um kosmetische Accessoires und Zubehör zu kaufen. Nicht nur, dass bewusst auf die Frustration der Spielerinnen und Spieler gesetzt wird, damit Energie nachgekauft wird. Es wird darüber hinaus durch drei verschiedene Währungen aufwendig verschleiert, wie viel Geld einer bestimmten Energiemenge überhaupt entspricht. Münzen und Edelsteine können mit Geld gekauft werden. Dabei gibt es keinen festen Wechselkurs, sondern die Währungen werden in sogenannten Ressourcenpaketen angeboten, bei denen die Ressource günstiger ist, umso mehr davon gekauft wird. Komplizierter wird es, wenn die Energie dann mit einer bestimmten Menge Edelsteinen gekauft werden kann und so innerhalb der In-Game Währung nochmals umgerechnet werden muss. So lässt sich nur schwer ermitteln, wie viel Geld das Spiel die Spielerinnen und Spieler wirklich kostet. Je nach erworbener Paketgröße können 25 Energieeinheiten nämlich zwischen 1,46 und 2,18 Euro kosten.

Push-Benachrichtigungen
Ergänzt wird der systematische Einsatz der Mikrotransaktionen von verschiedenen Push-Benachrichtigungen, welche auf dem Smartphone angezeigt werden, wenn das Spiel gerade nicht gespielt wird. Anfänglich gibt es nur eine Nachricht, wenn die Energie wieder voll regeneriert ist und weitergespielt werden kann. Damit wird bereits die Aufmerksamkeit im Laufe des Alltags immer wieder auf das Spiel gelenkt, was zu ständig wiederkehrenden Spielphasen führen kann. Das Zeitsystem des Spiels kann so auch Einfluss auf den eigenen Tagesablauf nehmen.

Abgesehen davon schickt das Spiel auch eine Benachrichtigung, wenn eine zeitlich begrenzte Mission kurz davor ist abzulaufen oder wenn das Spiel lange Zeit nicht mehr gespielt wurde. Dabei werden in den Kurznachrichten Formulierungen gewählt, die eng an die Lebenswelt der Kinder anknüpfen und hohen Druck aufbauen, damit weitergespielt wird. “McGonagall erwartet eine lückenlose Teilnahme am Unterricht” ist dabei nur ein Beispiel, bei dem an die Vorstellung appelliert wird, dass Kinder den Unterricht nicht verpassen dürfen, um als fleißig zu gelten. Hier sollten Kinder durch Erwachsene im Umgang mit dem Spiel begleitet werden und die Benachrichtigungen bestenfalls ausgeschaltet werden.

Fazit:

Harry Potter: Hogwarts Mystery ist ein simpel gestaltetes Adventure-Spiel, welches zunächst eher unscheinbar und simpel erscheint. Angesichts der Kaufanreize innerhalb des Spiels und der ständigen Push-Benachrichtigungen ist ein reflektierter Umgang nötig, um Werbung und Spielgeschehen trennen zu können. Daher sollten sich an dieses Spiel nur “Harry Potter”-Fans ab 12 Jahren wagen, die den intransparenten Kaufangeboten im Spiel widerstehen können.
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Dieses Spiel wurde beurteilt von:
Josephine Hohberg

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