Spielebeurteilung

Assassin‘s Creed Origins

08.05.2018
Assassin‘s Creed Origins ist der neuste Teil der Spielreihe und führt in das Alte Ägypten zur Zeit von Kleopatra und Cäsar. Dort wartet ein spannendes und emotional aufwühlendes Abenteuer, jedoch gibt es auch etwas über das Leben in der Antike zu lernen.
Assassin‘s Creed Origins spielt rund 50 vor Christus und nimmt den Spieler mit nach Ägypten. Die glorreiche Zeit der Pharaonen ist längst vorbei. Seit mittlerweile 300 Jahren regieren die Griechen das Königreich am Nil. Doch ihre Vormachtstellung beginnt unter dem wachsenden Einfluss der Römer zu schrumpfen. Der herrschende Pharao Ptolemaios XIII ist noch ein Kind und das Reich wird von dem geheimnisvollen Orden der Ältesten gelenkt. Ptolemaios‘ Schwester, die berühmte Kleopatra, versucht selbst die Macht zu erlangen, indem sie sich mit den Römern, in Gestalt von Gaius Julius Cäsar, verbündet.

Mitten in diesen politischen Wirrwarr schlittern nun die beiden Hauptcharaktere. Die meiste Zeit übernimmt man die Rolle von Bayek, einem Medjai. Medjai sind ein Überbleibsel aus dem klassischen Alten Ägypten und vereinen die Aufgaben von Polizisten, Söldnern und Kopfgeldjägern in einem Beruf. Während einiger Missionen spielt man auch seine Frau, Aya.

Bayek und Aya (Bildmitte) versuchen den Orden der Ältesten zu stürzen.

Auch Bayeks Adlerdame Senu spielt eine Rolle. Mit ihr lassen sich neue Gegenden erkunden oder einfach nur die Aussicht genießen. Obwohl es zu dieser Zeit weder den Assassinen-, noch einen Templer-Orden gibt, läuft trotzdem vieles nach dem klassischen Assassin’s-Creed-Schema ab: Die Hauptfigur befindet sich auf einem Rachefeldzug gegen einen geheimen Orden und muss auf dem Weg mehrere Zielpersonen eliminieren. In Assassin’s Creed Origins versucht der Orden der Ältesten die Macht über Ägypten zu erlangen und geht dafür auch über Leichen. Eine davon ist Bayeks und Ayas Sohn. Diese versuchen daraufhin den Orden – auf unterschiedliche Weise – zu zerstören und so ihren Sohn zu rächen. Während Bayek von seinem Wunsch nach Rache und seinen Medjai-Pflichten angetrieben wird, kämpft Aya an Kleopatras Seite für ein vereintes Ägypten. Die Hauptmissionen drehen sich meist darum ein wichtiges Mitglied des Ordens zu eliminieren. In den Nebenmissionen wird oft an Bayeks Pflichtbewusstsein appelliert und so muss der Spieler verlorene Gegenstände finden, eine entführte Ehefrau befreien oder ein Römerlager überfallen. Auch einige Minispiele, wie Wagenrennen und Gladiatorenkämpfe, wurden integriert. Trotz der sich wiederholenden Schemata kann man Stunden in der virtuellen Welt verbringen.

Das Entwicklungsteam, das auch schon an Assassin‘s Creed IV: Black Flag (Black Flag Artikel verlinken) beteiligt war, hat in dem neusten Teil der Spiele-Reihe einiges verändert. Das Spiel kann nach wie vor nur im Singleplayer-Modus gespielt werden. Man kann zu Beginn aber inzwischen aus drei Schwierigkeitsgraden (Einfach, Mittel, Schwer) wählen. Spieler, die schon andere Teile der Reihe gespielt haben, können sich ruhig direkt an den schweren Modus trauen. Die Schwierigkeit kann auch im Spiel noch umgestellt werden.

Weite Strecken kann man mit dem Pferd oder auf dem Kamel zurücklegen.

Die größten Neuerungen sind wohl das Kampfsystem und die Rollenspielaspekte. Das Kampfsystem wurde erheblich verbessert. Im Konflikt beschränken sich die Aktionen nicht mehr nur auf simples Angreifen und Kontern, sondern dem Spieler wird vor allem bei höherer Schwierigkeit oder stärkeren Gegnern einiges an Geschick und Taktik abverlangt. Leichte und schwere Angriffe können geschickt kombiniert werden. Fernkampfwaffen wie Pfeil und Bogen ergeben vor allem im Kampf gegen stärkere Gegner Sinn. Zum ersten Mal in der Spielreihe hat man gegen Feinde höheren Levels wirklich keine Chance. Auch die unterschiedlichen Waffentypen unterscheiden sich erstmals in Handhabung und Auswirkung erkennbar voneinander.

Bayek kann zum Beispiel lernen, länger zu tauchen oder brennende Pfeile zu benutzen.

Durch Abschließen von Missionen oder siegreiche Kämpfe steigt der Charakter Level auf und bekommt Fähigkeitspunkte. Während des Spielens sammelt der Charakter Fähigkeitspunkte, die man dann einsetzen kann um bestimmte Skills auszubilden. Der Fähigkeitsbaum teilt sich in drei verschiedene Zweige (Krieger, Seher, Jäger), die aber alle ausgebildet werden können, denn auch nach Erreichen des höchsten Levels bekommt man noch weiter Fähigkeitspunkte. Zusätzlich können Ausrüstungsgegenstände hergestellt und aufgerüstet werden. Dazu werden verschiedene Materialien und Rohstoffe benötigt, die man durch Jagen und Überfälle sammelt. Wer stattdessen eine gewaltfreie Methode bevorzugt, kann die Rohstoffe auch beim Händler einkaufen.

Zu dem Hauptspiel gibt es zwei DLCs zu kaufen, die die fiktive Spielhandlung erweitern und sich um die Entstehung eines Assassinenordens und das berühmte Tal der Könige drehen. Seit Februar 2018 ist außerdem ein frei verfügbarer, neuer Modus erhältlich: Im Entdeckermodus kann man frei von Zeitdruck und Konflikten mehr über das Alte Ägypten erfahren. 75 verschiedene Touren führen den Spieler durch Alexandria, in die Wüste oder in den damaligen Alltag der Menschen. Der Modus wurde von Historikern und Ägyptologen mitentwickelt und soll auch in der Schulbildung Einsatz finden können.
Ann-Kristin Gaumann
Dieses Spiel wurde getestet von:

Bildnachweise

[1]Assassin's Creed Origins / Ubisoft / Screenshot by spielbar.de[2]Assassin's Creed Origins / Ubisoft / ubisoft.com[3]Assassin's Creed Origins / Ubisoft / Screenshot by spielbar.de[4]Assassin's Creed Origins / Ubisoft / Screenshot by spielbar.de

Pädagogische Beurteilung:

Gewalt
Assassin’s Creed Origins schreckt nicht davor zurück, Gewalt drastisch darzustellen. Mithilfe von Pfeil und Bogen lassen sich, wie mit einem Scharfschützengewehr, präzise Kopfschüsse abgeben. Die Kamera folgt sogar dem Pfeil und man kann aus nächster Nähe den Tod des Gegners sehen. Wenn der Spielheld sich im Kampf gegen mehrere Gegner befindet, wird der Tod des letzten Feindes äußerst ausführlich gezeigt. Mit aufgefüllter Energieanzeige lässt sich außerdem eine Spezialkraft aktivieren und besonders brutal töten. Die Anzeige von Blut lässt sich in den Einstellungen zwar abschalten, die Gewaltdarstellung mindert das aber nur minimal. Denn die visuellen Effekte werden auditiv begleitet. Man hört Knochen brechen, Schwerter aufeinander schlagen und Gegner stöhnen vor dem Tod noch einmal auf.

Sex
Bayek und Aya lieben sich und das beschränkt sich nicht nur auf unschuldiges Händchenhalten. In Zwischensequenzen wird immer wieder das aktive Sexleben der beiden thematisiert. Dies wird zwar nicht explizit gezeigt, jedoch sehr eindeutig angedeutet. Außerdem ist der Charakter der Kleopatra, wie in vielen Filmen und Spielen zuvor, übersexualisiert. Macht und Sex gehen im Spiel Hand in Hand. So läuft die berühmte Herrscherin immer in freizügiger Kleidung umher und auch Bemerkungen, dass sie mit hundert Männern schlafen würde, wenn diese sich danach hinrichten lassen, fallen des Öfteren. Die Sexualisierung des Charakters ist weder für die Story notwendig, noch historisch korrekt.

Moral
Aya und vor allem Bayek folgen ihren eigenen moralischen Vorstellungen, wenn es darum geht ihren Sohn zu rächen. Einerseits ist ihr Motiv nachvollziehbar, andererseits sollte Selbstjustiz nicht positiv dargestellt werden. Manche Missionen regen jedoch zur Reflexion an, zum Beispiel als Bayek zu dem Ort seines ersten Mords zurückkehrt und dort auf die Familie des Opfers trifft.
Auch die Bedeutung des Verlusts des eigenen Kindes wird in einer optionalen Nebenmission thematisiert. Man sympathisiert und identifiziert sich mit Bayek, der im Laufe des Spiels mehrere zweifelhafte Entscheidungen trifft. Gerade das emotional sehr belastende Thema des Todes des eigenen Kindes erschwert es, das Geschehen distanziert zu reflektieren.

Mikrotransaktionen
Das Spiel hat einen Ingame-Shop, in dem für reales Geld Waffen, Rüstungen und andere Objekte erworben werden können. Die Preise variieren hier von 4,99€ bis 49,99€. Diese Echtgeldeinsätze verschaffen aber kaum Spielvorteile. Die meisten Ausrüstungsgegenstände bekommt man so oder so ähnlich auch im Spielverlauf und alles andere sind oft nur kosmetische Veränderungen, wie etwa ein Einhorn als Reittier.

Fazit:

Aufgrund der Gewaltdarstellungen und den zweifelhaften moralischen Entscheidungen der Charaktere ist das Spiel nur für Erwachsene geeignet. Jugendliche können sich zwar von dem allgemeinen Spielgeschehen – vor allem wegen des historischen Settings – ausreichend distanzieren. Die Gewaltdarstellungen sind jedoch stellenweise so explizit, dass sie nicht für Jugendliche geeignet sind.
Ann-Kristin Gaumann
Dieses Spiel wurde beurteilt von:

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