Spielebeurteilung

The Whispered World

12.08.2010
Wenn eine märchenhafte Geschichte auf eine kunstvolle Grafik und einen leichten Hauch Ironie und Schwermut trifft, ist ein emotionales Spielerlebnis garantiert. The Whispered World ist eine Erzählung für Jugendliche und Erwachsene. Die Rätsel bereiten aber teilweise echtes Kopfzerbrechen.
The Whispered World erzählt die Geschichte von Sadwick, einem jungen Clown, der sich aufmacht um die Welt zu retten. Vorerst reist er jedoch mit dem Wanderzirkus seiner Familie durch das Land. Doch wohl fühlt er sich dabei nicht. Seine Kleidung, die Witze und vor allem die fragwürdigen Artistennummern widerstreben ihm. Er hat das Zirkusleben satt und betrachtet seine Situation mit einer gehörigen Portion Galgenhumor.

Auch in der Nacht kommt Sadwick nicht zur Ruhe. Ein Alptraum raubt ihm den Schlaf. Die Welt zerfällt in Stücke und ein seltsames, wolkenartiges Wesen ruft seinen Namen. Dann wacht Sadwick auf. Er ahnt, dass dies ein böses Omen ist und auch die Vorgänge im Land verheißen nichts Gutes. Das Schicksal der Welt steht auf dem Spiel und ein kleiner, wenig wehr- und heldenhafter Zeitgenosse will das drohende Unheil abwenden. Doch ganz allein ist Sadwick nicht. Die Raupe Spot, sein Freund und Haustier, ist mit von der Partie und erweist sich als nützliche Hilfe. Schließlich ist Spot ein Verwandlungskünstler und kann sich beispielsweise in eine gewichtige Kugel verwandeln oder selbst entzünden.
Protagonist des Spiels ist der Clown Sadwick.

Die Spielenden untersuchen in typischer Point&Click-Manier die Umgebung mit der Maus. Man kann Dinge anschauen und Informationen über diese abrufen, Objekte manipulieren oder aufnehmen sowie Gespräche mit anderen Wesen starten. Sadwick und Spot werden im Laufe des Spieles mit unzähligen Rätseln konfrontiert, die es zumeist mithilfe von einzelnen oder kombinierten Gegenständen zu lösen gilt. Zudem müssen Unterhaltungen mit Bedacht geführt und Minispiele absolviert werden. Hierbei handelt es sich vorwiegend um Schiebe-, Schalter- und Puzzlerätsel.

Gemeinsam mit einer Raupe lernt er andere Wesen kennen...

The Whispered World ist bewusst zweidimensional gestaltet. Alle Figuren, Hintergründe und Objekte wurden von Hand gezeichnet. Als Kopierschutz fungieren drei verschiedenfarbige und mit runenartigen Zeichen versehene Würfel. Nach dem Starten des Spieles erscheinen Abbilder dieser auf dem Monitor. Jedes zeigt ein anders Symbol und ein Fragezeichen. Die Spielenden müssen die Würfel nun in die richtige Position bringen und herausfinden welches Zeichen sich an der Stelle des Fragezeichens befindet.
...und muss Rätsel lösen.

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Dieses Spiel wurde getestet von:
Torsten Bachem

Pädagogische Beurteilung:

The Whispered World ist ein spielbares Märchen und zieht die Spielenden auf Anhieb in seinen Bann. Man taucht ein in eine zauberhafte und zugleich zerbrechliche Welt. Dabei trifft man auf atemberaubende Kulissen und seltsame Wesen, wie beispielsweise sprechende Steine, drachenartige Zugtiere oder ein Orakel. Die detailreiche, handgezeichnete Grafik unterstreicht den märchenhaften Charakter zusätzlich. Zu Beginn des Spieles ergreift ein Erzähler das Wort. Er teilt den Spielenden mit, dass seine letzte Geschichte keine fröhliche ist. Er spricht von einem fernen und bedrohten Land sowie von Sadwick, der in wenigen Tagen die Welt zerstören wird. Man wird neugierig und möchte wissen wie es weiter geht? Wieso ist ausgerechnet ein kleiner Clown Schuld an solch einer Misere?

Die schwermütige Stimmung ist charakteristisch für das Spiel. Der Alptraum des Helden schwebt wie ein Damoklesschwert über der scheinbaren Idylle und droht jeden Moment die heile Welt zu zerreißen. Das erzeugt anhaltende Spannung und verleiht der Geschichte einen speziellen Charme. Die Handlung ist hier kein Selbstzweck um diverse Rätsel aneinander zu reihen, sondern eindeutig das Fundament des Spieles. Neben der melancholischen Grundstimmung verkörpert The Whispered World auch Aufbruch und Wandel. Sadwick hasst seinen Alltag und flüchtet sich in ironische Distanz. Mutlosigkeit und fehlendes Selbstvertrauen sind die logische Konsequenz. Erst der drohende Weltuntergang vermag ihn aus seiner Ohnmacht zu befreien. Der offensichtliche Verlierer wird zum Helden. Zugegeben, dieses Schema ist ebenso abgedroschen wie das Bild des traurigen Clowns. The Whispered World weiß diese Muster jedoch gut zu inszenieren.

Die Hauptfigur Sadwick bietet viel Raum zur Identifikation. Sein Leben entspricht zwar nicht der Alltagsrealität eines Teenagers, doch trotz oder gerade wegen seiner inneren Konflikte und seiner intelligenten ironischen Art ist er äußerst liebenswert. Er fühlt sich nicht wohl in seiner Haut, weiß aber nicht wie er es ändern soll. Seine Wünsche und Gedanken werden von seiner Umwelt als Flausen abgetan. Er fühlt sich weder ernst genommen noch respektiert und träumt von großen Taten. Welcher Jugendliche kennt das nicht? Dass sein bester und einziger Freund eine knuddelige Raupe ist, macht ihn noch sympathischer.

Fazit:

Die trickfilmhafte Grafik und die spannenden Charaktere von The Whispered World sprechen vor allem jüngere Spielende an. Der unterschwellige Schwermut und der zynische Unterton können aber Kinder unter 12 Jahren überfordern und verunsichern. Zudem sind einige Rätsel sehr anspruchsvoll und das Spiel liefert mitunter zu wenige Hinweise. Ohne eine gewisse Hartnäckigkeit kommt schnell Frustration auf. Dass die Kopierschutzwürfel bei jedem Spielstart verwendet werden müssen, nervt mit der Zeit.
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Dieses Spiel wurde beurteilt von:
Torsten Bachem

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Bildnachweise

[1]Spielbar.de[2]The Whispered World / Daedalic / gog.com[3]The Whispered World / Daedalic / gog.com[4]The Whispered World / Daedalic / gog.com[5]The Book of Unwritten Tales / HMH Interactive / mobygames.com[6]Deponia / Daedalic / spielbar.de[7]Full Pipe / Daedalic / igdb.com

1 Kommentar

Torsten Bachem (Redaktion spielbar.de) schreibt:

The Whispered World ist ein spielbares Märchen und zieht die Spielenden auf Anhieb in seinen Bann. Man taucht ein in eine zauberhafte und zugleich zerbrechliche Welt. Dabei trifft man auf atemberaubende Kulissen und seltsame Wesen, wie beispielsweise sprechende Steine, drachenartige Zugtiere oder ein Orakel. Die detailreiche, handgezeichnete Grafik unterstreicht den märchenhaften Charakter zusätzlich. Zu Beginn des Spieles ergreift ein Erzähler das Wort. Er teilt den Spielenden mit, dass seine letzte Geschichte keine fröhliche ist. Er spricht von einem fernen und bedrohten Land sowie von Sadwick, der in wenigen Tagen die Welt zerstören wird. Man wird neugierig und möchte wissen wie es weiter geht? Wieso ist ausgerechnet ein kleiner Clown Schuld an solch einer Misere?

Die schwermütige Stimmung ist charakteristisch für das Spiel. Der Alptraum des Helden schwebt wie ein Damoklesschwert über der scheinbaren Idylle und droht jeden Moment die heile Welt zu zerreißen. Das erzeugt anhaltende Spannung und verleiht der Geschichte einen speziellen Charme. Die Handlung ist hier kein Selbstzweck um diverse Rätsel aneinander zu reihen, sondern eindeutig das Fundament des Spieles. Neben der melancholischen Grundstimmung verkörpert The Whispered World auch Aufbruch und Wandel. Sadwick hasst seinen Alltag und flüchtet sich in ironische Distanz. Mutlosigkeit und fehlendes Selbstvertrauen sind die logische Konsequenz. Erst der drohende Weltuntergang vermag ihn aus seiner Ohnmacht zu befreien. Der offensichtliche Verlierer wird zum Helden. Zugegeben, dieses Schema ist ebenso abgedroschen wie das Bild des traurigen Clowns. The Whispered World weiß diese Muster jedoch gut zu inszenieren.

Die Hauptfigur Sadwick bietet viel Raum zur Identifikation. Sein Leben entspricht zwar nicht der Alltagsrealität eines Teenagers, doch trotz oder gerade wegen seiner inneren Konflikte und seiner intelligenten ironischen Art ist er äußerst liebenswert. Er fühlt sich nicht wohl in seiner Haut, weiß aber nicht wie er es ändern soll. Seine Wünsche und Gedanken werden von seiner Umwelt als Flausen abgetan. Er fühlt sich weder ernst genommen noch respektiert und träumt von großen Taten. Welcher Jugendliche kennt das nicht? Dass sein bester und einziger Freund eine knuddelige Raupe ist, macht ihn noch sympathischer.

Die trickfilmhafte Grafik und die spannenden Charaktere von The Whispered World sprechen vor allem jüngere Spielende an. Der unterschwellige Schwermut und der zynische Unterton können aber Kinder unter 12 Jahren überfordern und verunsichern. Zudem sind einige Rätsel sehr anspruchsvoll und das Spiel liefert mitunter zu wenige Hinweise. Ohne eine gewisse Hartnäckigkeit kommt schnell Frustration auf. Dass die Kopierschutzwürfel bei jedem Spielstart verwendet werden müssen, nervt mit der Zeit.

04.09.2009 um 10:47


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