Spielebeurteilung

Fallout 4

18.11.2015
Das endzeitliche Setting von Fallout begeistert bereits seit 1997 Fans der Reihe. Nun ist das beliebte Open-World-Rollenspiel mit einem vierten Teil zurück, einige Neuerungen inklusive. Fallout 4 bietet viel Abwechslung und langfristigen Spielspaß. In Kinderhänden hat das Spiel allerdings nichts zu suchen.

Fallout 4 führt zu Beginn in eine skurrile Version des Jahres 2077. Man befindet sich in der Bostoner Vorstadt, die von der Mode her in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts stehen geblieben scheint. Gleichzeitig schweben Roboter durch die Straßen und kümmern sich um den Haushalt. Gleicht diese retrofuturistische Welt zunächst noch einem Vorstadtmärchen, wird ziemlich schnell klar: Die Idylle währt nicht lange. Ein Atomkrieg bricht aus, die Familie der Hauptfigur kann sich gerade noch so in den Bunker retten. Nach 200 Jahre Kälteschlaf erwacht die Hauptfigur und sieht mit an, wie ihr Ehepartner erschossen und der gemeinsame Sohn entführt wird. Der eigenen Kältekammer entkommen macht man sich nun auf die Suche nach dem Sohn – und findet sich in einer Welt wieder, die nicht nur zerstört, sondern auch verstrahlt ist.

Noch scheint die Welt friedlich. Cadworth, der eigene Hausroboter, bereitet in der an die sechziger Jahre erinnernden Küche einen Kaffee zu.
Bei Fallout 4 handelt es sich um ein actionorientiertes Rollenspiel mit einer offenen Spielwelt, das in der Ego-Perspektive dargestellt wird. Typisch für Rollenspiele kann man sich zuerst selbst seinen Charakter zusammenstellen und ein Geschlecht aussuchen. Aufgabe der Spielenden ist es, die Welt zu erkunden, Missionen zu erledigen und die eigene Figur aufzuleveln. Letzteres macht man zum einen durch Erfahrungspunkte, die man in verschiedene Fähigkeiten wie Beweglichkeit, Charisma oder Stärke investieren kann. Zum anderen sind in der Spielwelt Werkbänke verteilt, auf denen man durch gefundene Gegenstände sein Equipment und seine Waffen aufbessert.

Um zu überleben schließen sich die Menschen zu verschiedene Gruppen zusammen, wie zum Beispiel den Minutemen. Wie man diesen Gruppen begegnet, kann man mittels Dialogoptionen selbst entscheiden.
Prägnant für die Fallout-Reihe ist außerdem das Kampfsystem. Da alle politischen Regeln außer Kraft gesetzt sind und zusätzlich durch die Strahlung mutierte Monster ihr Unwesen treiben, spielen kämpferische Auseinandersetzungen eine große Rolle in der Welt von Fallout 4. Man hat die Möglichkeit, wie in anderen Shootern in Echtzeit auf die Gegner zu zielen oder man benutzt das V.A.T.S.-System, mit dessen Hilfe man in Zeitlupe einzelne Körperteile anvisieren kann.

Im Verlauf des Spiels findet man die sogenannte Power Armor. Dieser Kampfanzug schützt nicht nur vor größeren Schäden, sondern auch vor Strahlung.
Neben den Hauptmissionen, die die Geschichte des Spiels vorantreiben, gibt es in Fallout 4 zahlreiche Nebenmissionen und versteckte Orte zu entdecken. Zudem hat man die Möglichkeit an verschiedenen Stellen eine eigene Siedlung zu errichten. Das Ganze funktioniert über einen Editor , mit dem man einzelne Elemente platzieren kann. Einen Mehrspielermodus gibt es in Fallout 4 nicht.

Bildnachweis

[1]Screenshot Fallout 4[2]Screenshot Fallout 4[3]Bethesda

Pädagogische Beurteilung:

Für die Fallout-Serie geht Fallout 4 einen ungewöhnlichen Weg. Die Welt, die sonst nur als bereits bestehendes Ödland bekannt ist, wird in der Anfangssequenz als Vorstadtidylle vorgestellt. Und ist auch als solche spielbar. Man bewegt sich durch das Haus, interagiert mit den ersten Gegenständen und führt die ersten Dialoge. Dann bricht plötzlich das Chaos aus, den Weg zum Bunker müssen die Spielenden ebenfalls selbst bewältigen. Die Eingangssequenz dient so als Tutorial, um sich langsam an die Steuerung, aber auch an das Setting zu gewöhnen. Fallout 4 eignet sich daher auch für Neulinge der Reihe und setzt an keiner Stelle voraus, dass man die Vorgänger bereits kennt.

Sobald man den Bunker wieder verlässt, beginnt das eigentliche Spiel. Die Welt von Fallout 4 ist riesig und bietet für verschiedene Spieltypen Spaß. Man kann die endzeitliche Welt erkunden, sich Gegnern im Kampf stellen, die Geschichte in den Missionen vorantreiben oder sich auf seine Siedlungen konzentrieren. Auch die Spielweise passt sich dem eigenen Geschmack an. Es gibt die Möglichkeit, sich schleichend an Gegnern vorbei zu bewegen, zu kämpfen, sich mit einem Partner (zum Beispiel einem Schäferhund namens Dogmeat) durchzuschlagen oder Einzelgänger zu bleiben. Die Antwortoptionen innerhalb der Dialoge unterstützen die Gestaltung des eigenen Charakters, indem man auf andere Gruppen distanziert und ruppig oder freundlich und offen reagieren kann. Das Spielprinzip hinter Fallout 4 erlaubt daher eine vielfältige, individuelle Spielweise.

Typisch für ein Endzeitszenario ist die Welt von Fallout bedrohlich: Leichen und Skelette liegen auf den Wegen, die Häuser sind zerstört und mutierte Monster lauern hinter Ecken. Schießt man auf einen Gegner, ist Blut zu sehen und Körperteile werden abgetrennt. Aufgelockert wird das düstere Setting durch den sechziger Jahre Charme, der mit seinen pastelligen Farben und naiven Botschaften – so zum Beispiel in Form von Info-Videos mit Fallout-Maskottchen Vault Boy – ironisch das Setting durchbricht und Distanzierungsmöglichkeiten schafft.

Fazit:

In der offenen Spielwelt von Fallout 4 gibt es jede Menge zu entdecken, Langeweile kommt da selten auf. Auch nach Beenden der Hauptmission kann das Spiel weitergespielt werden, die Spielzeit sollte daher im Auge behalten werden. Aufgrund der gezeigten Gewalt und den durchaus angsteinflößenden Gegnern eignet sich Fallout 4 nur für Erwachsene.
Sarah Pützer
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1 Kommentar

Lisa Schulze schreibt:

Mit Fallout 4 hat es Bethesda mal wieder geschafft, Fallout-Fans zu begeistern, mich inbegriffen.
Die Sorge um Fallout 4 stieg, denn das überarbeitete Skill-system war ja erstmal der Kritik ausgesetzt, aber hat dann doch gut funktioniert. Mir gefällt die Echtzeit bei Gesprächen mit NPC's, das führt teilweise zu sehr skurrilen Situationen, die es so in Fallout 3 noch nicht gab. Allerdings wird dadurch auch einiges erschwert, denn die Gegner können nicht gestoppt werden.
Was mir etwas missfällt, ist die Recourcen-knappheit. Dieses Element ist in einer Endzeit zu erwarten, aber wenn man wirklich eine Siedlung bauen will, muss man sehr lange suchen, da verleitet es einen schon oft, sich den Godmode reinzuwerfen, damit man das Zeug nach Hause tragen kann. Durch den Schrott, der nun Sinnvoll ist (Im Gegensatz zu Fallout 3) hat man wesentlich mehr Gewicht zu tragen und da ist es für einen richtigen Sammler fast unmöglich, auf einen hohen Specialwert zu verzichten, dieser ist im übrigen auch sehr niedrig angesetzt, denn zu Beginn des Spiels ist man entweder halbwegs gut in etwas oder einfach nur schlecht. Dass das Skillen Teil der Verbesserung ist, erscheint mir logisch, aber dafür sind es einfach zu viele Dinge, die man Skillen muss. Ohne Charisma und Stärke fühlt man sich beim Siedlungsbau wie eine Ameise ohne Ameisenvolk. Alles trägt man selber ran.
Die neuen Spielelemente sind da, aber eben neu und nicht so gut ausgereift, wie Elemente, die mehrere Titel des Release hinter sich haben. Dennoch ist Fallout 4 individueller den je. Definitiv Spielbar!

10.08.2016 um 22:31


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