Spielebeurteilung

One Button Travel

19.04.2016
Spiele-App oder Erzählung? Beides! Im interaktiven Text-Adventure One Button Travel erhält man Chatnachrichten von einer unbekannten Person. Diese meldet sich aus der Zukunft – und versucht die Spielenden nun davon abzuhalten, selbst in diese zu reisen.

One Button Travel beginnt mit einem kleinen roten Knopf, auf dem „Drück mich“ steht. Danach erhält man plötzlich Nachrichten von einer unbekannten Person. Diese erzählt, sie sei über besagten Knopf in die Zukunft gereist und meldet sich nun aus dieser. In der Zukunft sehe es allerdings nicht besonders rosig aus – die Zeitreisenden seien in einem stillgelegten Freizeitpark gefangen. Um zu verhindern, dass man selbst nun ebenfalls dort landet, stehen der/die Unbekannte und die Spielenden über Chatnachrichten in stetem Kontakt.

Einmal den Knopf gedrückt, schon steht die Reise in die Zukunft kurz bevor.
Bei One Button Travel handelt es sich um eine interaktive Geschichte, die sich in Form von Textnachrichten entfaltet. In den Dialogen mit dem Zeitreisenden kann man sich immer wieder zwischen mehrere Antwortmöglichkeiten entscheiden. Je nachdem, welche Dialogoption man auswählt, verändert sich der Lauf der Story. Das Spiel entwickelt sich in Echtzeit. Das heißt, dass man manchmal auch auf eine Antwort von der unbekannten Person warten muss, beispielweise wenn diese schläft oder etwas herausfinden möchte. Wer lieber das Text-Adventure am Stück erleben will, hat in den Einstellungen die Option, die Wartezeiten zu deaktivieren.

„Keine neuen Nachrichten“ – zum Spielkonzept von One Button Travel gehört es dazu, auch mal eine Zeit lang zu warten, bis es weitergeht.
Laut dem Entwicklerstudio TheCodingMonkeys besteht One Button Travel aus 55.000 Wörtern und bietet inklusive Wartezeiten genügend Stoff über mehrere Tage verteilt. Die Texte der App sind auf Deutsch, eine englische Übersetzung ist ebenfalls vorhanden.

Verstecken? Oder einfach schlafend stellen? Welchen Rat sollte man dem Unbekannten geben? Je nach Dialogoption entwickelt sich die One Button Travel in unterschiedliche Richtungen weiter.

Bildnachweis

[1]One Button Travel[2]One Button Travel[3]One Button Travel

Pädagogische Beurteilung:

Wäre One Button Travel tatsächlich eine Messenger-App, wäre es mit Sicherheit die bis dato am schönsten gestaltete. Mit seinem grafischen, minimalistischen Look und genau aufeinander abgestimmten Farben und Mustern überzeugt das Text-Adventure mit seiner Inszenierung. Die eingehenden Töne bei neuen Nachrichten und die abgestimmten Wartezeiten lassen die Spiele-App wie eine Messenger-App der Zukunft wirken.

Auch die Story von One Button Travel überzeugt. Beginnt diese zunächst noch eher seicht, werden mit der Zeit mehr und mehr sozialkritische Themen angesprochen. Als interaktive Geschichte ist die Spiele-App hauptsächlich textbasiert. Die Handlung wird von dem unbekannten Absender in Form von Chatnachrichten in Echtzeit geschildert, dadurch entsteht auch ohne eine bildliche Darstellung der Geschehnisse Spannung. Meldet er sich dann plötzlich nicht mehr, werden die Spielenden auf die Folter gespannt. Durch die Nähe zu realen Messenger-Apps und dem Echtzeitverlauf wirkt One Button Travel äußerst immersiv, das heißt, man fühlt sich schnell als Teil seiner Spielwelt. Die Wartezeiten gehören zum Spielprinzip dazu – auch wenn man in der Zwischenzeit nicht weiterspielen kann, bleibt so der Eindruck bewahrt, das Spiel entwickle sich in Echtzeit. Daher ist es empfehlenswert, diese nicht zu deaktivieren.

Der spielerische Charakter der App zeigt sich in den Momenten, in denen man vor die Wahl zwischen verschiedenen Dialogoptionen gestellt wird. Meist fragt der unbekannte Kontakt nach einem Rat – was soll er als nächstes tun, wie soll er reagieren? Je nachdem, für welchen Ratschlag man sich entscheidet, lenkt man die Geschehnisse des Spiels in eine bestimmte Richtung. Damit bewegt sich One Button Travel auf der Grenze zwischen Erzählung und Spiele-App. Das ist nicht jedermanns Sache: Wer nicht gerne liest oder sich auf das ruhigere Spielprinzip nicht einlassen möchte, wird wahrscheinlich keinen Spaß daran haben. Für alle anderen eröffnet sich aber ein spannendes Spielerlebnis, das vor allem auf die eigene Vorstellungskraft baut. Dafür gab es zu Recht den Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie „Bestes Jugendspiel“. Aber nicht nur Jugendliche spricht One Button Travel an, das Spiel richtet sich mit seinem grafischen, reduzierten Design auch an Erwachsene.

Fazit:

One Button Travel überzeugt als interaktive Geschichte, die vor allem mit ihrer Inszenierung und dem Echtzeitsystem punktet. Aufgrund der vielen Texte und wenigen, minimalistischen Bildern eignet sich One Button Travel für Jugendliche ab 14 Jahren, die genügend Geduld mitbringen, sich auf das ungewöhnliche Spielkonzept einzulassen.
Sarah Pützer
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