Spielebeurteilung

Device 6

25.06.2014
Mit Device 6 ist dem Indie-Game-Entwickler Simogo eine Innovation in Punkto Storytelling gelungen. Das Textabenteuer nimmt die Spielenden mit auf eine Reise durch ein altes Herrenhaus und lässt sie die Räumlichkeiten mittels interaktiven Wortbildern erkunden.

Protagonistin Anna wacht in einem alten Herrenhaus auf. Sie kann sich weder daran erinnern, wie sie dorthin gelangt ist, noch was die Puppe in ihrer Hand zu bedeuten hat. Während sie durch die Korridore wandert, findet sie merkwürdige Apparaturen, Bilder und Gegenstände, hinter denen sich zahlreiche Rätsel verbergen. Dabei scheint ihr alles merkwürdig bekannt vorzukommen.

Der Text veranschaulicht durch seine Form die Geschichte. Geht Anna die Treppe hinab, bilden auch die Worte eine Treppe.
Device 6 entfaltet sich als interaktive Geschichte, in der die Welt mit Worten geformt wird. Ähnlich einem E-Book müssen die Spielenden sich per Touchscreen durch Textpassagen scrollen und haben durch kleine Fenster Einblick in Annas Perspektive. Dazu begleitet auch Ton die Geschichte, entweder in Form von Musik, aber auch in Form von Schrittgeräuschen und Gelächter. Diese setzen an bestimmten Stellen in der Geschichte automatisch ein.

Die Geschichte verläuft nicht nur in geradlinigen Bahnen. Wie auf einer Karte gibt es verschiedene Abzweigungen.
Insgesamt ist Device 6 in sechs Kapitel unterteilt. An einigen Stellen gibt es in den Bildausschnitten Interaktionsmöglichkeiten, bei denen man entweder genau hinsehen oder –hören muss, um so versteckte Rätsel zu lösen. Jedes Kapitel schließt mit einer Befragung der Spielenden ab, die von Wissensabfragen bis zu persönlichen Einschätzungen reichen.

An vielen Stellen gibt es Einblicke in die erzählte Welt. Durch die Schaukasten ähnlichen Fenster müssen Hinweise entdeckt werden - hier ist beispielsweise eine Zahl für einen Code gesucht.
Device 6 beginnt unmittelbar nach Starten der App, es gibt weder eine Menüführung noch weitere Spielmodi oder Schwierigkeitsgrade. Text und Audioausgabe sind nur auf Englisch vorhanden.

Bildnachweis

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Pädagogische Beurteilung:

Fühlt sich Device 6 zunächst mehr nach Prosawerk als Spiel an und beginnt als vermeintlich normaler Roman, verlässt es schnell die Pfade traditioneller Lesemuster. Worte biegen sich um Ecken, bilden Treppen oder lange Korridore und untermalen den Text auch visuell. Im Verlauf der Geschichte muss das iPad gedreht und auf den Kopf gestellt werden. Der Text dient dabei als roter Faden, der auch in Sackgassen führt oder drei mögliche Richtungen aufzeigt. In vielen Räumen des Anwesens erinnern Bildausschnitte an Schaukästen, mit denen man kleine Einblicke in die Romanwelt erhaschen kann. Oft bemerkt man erst im Nachhinein, dass sich hier der Hinweis zu einem Rätsel verbirgt und „blättert“ in der Geschichte zurück.

Die Geschichte von Device 6 ist zwar eher simpel geschrieben, das Erkunden und Entdecken der Räume durch Text und Bildausschnitte macht dennoch Spaß und wird auch durch die Untermalung mit Bild und Ton spannend inszeniert. Bei vielen Rätseln müssen Codes eingegeben werden, die entsprechend herausgefunden werden müssen. Der Schwierigkeitsgrad unterscheidet sich dabei sehr. Sind manche Lösungen schnell gefunden, entpuppen sich andere Rätsel als mühsam. Abrufbare Hilfestellungen gibt es bei Device 6 nicht.

Im Bereich innovatives Storytelling punktet Device 6 nicht nur mit integrierten Rätseln. Es durchbricht die Grenze zwischen Erzählung und Rezipient, indem es diesen als Teil der Geschichte mit einbezieht. Dies beginnt in den ersten Minuten, wenn der oder die Spielende von dem Spielgerät „gescannt“ und als Player 249 identifiziert wird, und nimmt im Verlauf der Geschichte immer klarere Züge an. Denn Protagonistin Anna und die Spielenden verbindet mehr, als sich anfangs erahnen lässt.

Für Device 6 ist bisher keine deutsche Sprachausgabe erschienen. Die Texte und Audiodateien sind alle auf Englisch, sodass ohne gute Sprachkenntnisse Verständnisschwierigkeiten auftreten können. Zudem besitzt die Geschichte, wenn auch subtil inszeniert, gruselige Elemente, sodass Device 6 erst ab einem Alter von 14 Jahren geeignet ist.
Sarah Pützer
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Siehe auch

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