Spielebeurteilung

80 Days

05.03.2015
Hinter der App 80 Days verbirgt sich ein innovatives Textabenteuer, das dem Jules-Verne-Roman Reise um die Erde in 80 Tagen ein modernes Update verpasst. Die Spielenden können ihre Reise nun selbst planen und nehmen als Passepartout die Dinge in die eigene Hand. Dabei stehen sie immer wieder vor Entscheidungen.

In 80 Tagen einmal um die Welt reisen – diese Wette geht der englische Gentleman Phileas Fogg in Jules Vernes Reise um die Erde in 80 Tagen ein. Ein Stoff, der weltberühmt und mehrfach verfilmt wurde. Und auch in 80 Days die Geschichte vorantreibt.

Wie wird Passepartout auf den Heiratsantrag reagieren? Die Entscheidung liegt ganz bei den Spielenden.
Als interaktive Umsetzung des Klassikers von 1873 erfindet 80 Days die Geschichte um Phileas Fogg neu. Die Spielenden schlüpfen in die Rolle von Foggs Diener Passepartout, der ihn auf seiner Reise begleitet. Die Geschichte selbst wird dabei in Textform dargestellt, zwischendurch ist man jedoch immer wieder aufgefordert, sich in Passepartouts Namen für eine Dialog- oder Handlungsoption zu entscheiden. Je nach Entscheidung wird der Verlauf der Handlung verändert: man entdeckt neue Routen, lernt neue Figuren kennen oder löst ganz andere, unerwartete Konsequenzen aus.

Mit der Kutsche geht es nach Istanbul. Der Schriftzug des Gewehrs ist gelb eingefärbt – ein Zeichen dafür, dass man es hier für viel Geld verkaufen kann.
Aufgabe der Spielenden ist es auch, die Route der Weltreise zu planen. Je nachdem, welchen Zielort man sich auf der Weltkarte als nächsten aussucht, warten andere Handlungsstränge auf einen. Zusätzlich muss man auch Zeit und Budget managen. Züge, Autos, Schiffe und Zeppeline besitzen bestimmte Abfahrtszeiten, brauchen unterschiedlich lang und kosten unterschiedlich viel. Um das Budget aufzustocken, kann man auf dem Markt Items kaufen und in anderen Städten für mehr Geld wieder verkaufen. Im Koffer ist allerdings nur begrenzt Platz. Ziel von 80 Days ist es, ganz selbsterklärend, in weniger als 80 Tagen einmal den Erdball zu umrunden.

Auf der Weltkartenansicht werden die Routen und Städte angezeigt. Mit Klick auf den jeweiligen Ort sucht man sich die nächste Strecke aus.
Auf der Weltkarte sind zeitgleich andere Spielende von 80 Days markiert. Mit einer Berührung kann man sehen, wie weit sie in wie vielen Tagen gereist sind.

Bildnachweis

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Pädagogische Beurteilung:

80 Days balanciert gekonnt an der Linie zwischen E-Book und Spiele-App entlang. Als interaktiver Roman ist die App hauptsächlich textbasiert, die unterstützenden Illustrationen simpel und minimalistisch gehalten. Der spielerische Charakter zeigt sich in den Momenten, in denen die Spielenden vor die Wahl gestellt werden. Was soll Passepartout sagen, wie soll er reagieren? Wo soll die Reise als nächstes hingehen? Jede Entscheidung bringt Konsequenzen mit sich. Entscheidet man sich zum Beispiel spontan für einen nächtlichen Spaziergang in einer fremden Stadt, ist es gut möglich, auf neue Charaktere zu treffen, die plötzlich im weiteren Verlauf der Geschichte eine Rolle spielen. Auch die Beziehung zu Phileas Fogg wird durch verschiedene Antworten beeinflusst.

Da es eine Vielzahl an Routen gibt und alle Spielende ihre eigene wählen können, erlebt jeder seine persönliche Variante des Jules-Verne-Klassikers. Dabei wird vor allem der Entdeckergeist angesprochen. In 80 Days verstecken sich nämlich besondere Ereignisse, auf die man nur nach einer bestimmten Reihenfolge von Entscheidungen trifft. Viele davon bieten eine Hommage an die Romane von Jules Verne. Zum Beispiel ist es gut möglich, dass Passepartout auf Kapitän Nemo trifft oder plötzlich zum Mittelpunkt der Erde reist. Auch die Entdeckung der verschiedenen Orte an sich weckt die Abenteuerlust, da in den Texten die einzelnen Städte sehr lebhaft beschrieben sind und mit Geräuschen untermalt werden.

Damit aus der Reise aber kein Desaster wird, sollte man einen gewissen Grad an Organisationsgeschick beweisen. Die Spielenden sind nämlich zeitlich unter Druck gesetzt. Während man auf dem Markt Gegenstände verkauft oder die besten Routen durchgeht, vergeht im Spiel Zeit. Dabei passiert es leicht, dass man nur um wenige Minuten einen Zug verpasst. Dann heißt es einen Tag warten, bis die Reise weitergehen kann.

Fazit:

80 Days ist ein innovatives, interaktives Textabenteuer, das die Lesenden zum Mitdenken auffordert. Dabei ist jedes Erlebnis anders. Die App ist ansprechend und stimmungsvoll gestaltet, der minimalistische Grafikstil spricht aber eher eine ältere Zielgruppe an. Zudem ist die App sehr textlastig und nicht ins Deutsche übersetzt. Daher eignet sich 80 Days ab einem Alter von 14 Jahren.
Sarah Pützer
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