Spielebeurteilung

The Witcher 3: Wild Hunt

13.08.2015
The Witcher 3: Wild Hunt führt die Geschichte um den Hexer Geralt von Rivia weiter und bringt die Trilogie zu einem Ende. Dabei geht es ein letztes Mal blutig zu - Gewalt ist in der Welt der Witcher-Reihe allgegenwärtig. Das Rollenspiel ist fordernd und detailliert ausgearbeitet – eignet sich aber nur für Erwachsene.

Ein Land, von Krieg gebeutelt und in Hunger und Armut versinkend, reiche Fürsten und Könige, die mit allen Mitteln ihre Macht und Stellung verteidigen und ein Held, der sich auf der Suche nach seiner Ziehtochter durch die Irrungen und Wirrungen einer mittelalterlichen Welt kämpfen muss. Zunächst klingt diese Beschreibung nach einer typischen Fantasygeschichte, die aus Romanen bekannt zu sein scheint. Beim vorerst letzten Teil der Hexer-Spielereihe trifft diese Beschreibung auch zu, da die polnische Originalvorlage von Andréj Sapkowski eine Reihe von Kurzgeschichten und Romanen über die Heldengeschichten und Monsterjagden des Hexers Geralt von Rivia enthält.

Der Hexer Geralt betritt ein neues Dorf, in dem Prostitution, Elend und Armut an der Tagesordnung liegen. (Bild: Bandai Namco)


Die verfügbaren Aufträge innerhalb eines Dorfes werden an ein Schwarzes Brett angeschlagen. An dieser Stelle kann Geralt verschiedene Quests annehmen.


"The Witcher 3: Wild Hunt" inszeniert die aus den Romanen bekannten Geschichten als Rollenspiel mit einer spannenden Haupthandlung und nicht minder interessanten Nebenhandlungen. Charaktere wie der Blutigen Baron, der Bettlerkönig und die verfeindeten Parteien der nördlichen Königreiche und dem Kaiserreich Nilfgaard sowie die Rahmenhandlung, dass ein Heer von Geisterreitern die Ziehtochter des Protagonisten jagen, schaffen eine fesselnde Atmosphäre und bleiben in Erinnerung. Grafisch opulent dargestellte Landschaften mit wehenden Gräsern und wankenden Bäumen bringen viele Computer und auch die aktuellen Konsolen an ihre hardwareseitigen Grenzen. Jedoch verhilft die detailreiche Darstellung eine glaubwürdige Spielwelt zu erschaffen.

Zu den Aufträgen gehört auch das Erlegen bedrohlicher Monster. Die Quests sind immer in eine aufwendige Nebengeschichte eingebunden und bieten Abwechslung. 

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Bildnachweis

[1]Bandai Namco[2]Bandai Namco

Pädagogische Beurteilung:

[…] Viele Nebenaufgaben und schwierige Entscheidungen

"The Witcher 3: Wild Hunt" ist geprägt durch seine offene Spielwelt. Wenn der/ die Spielende einer Aufgabe nachgeht, warten auf dem Weg gleichzeitig viele neue Aufgaben. Die Aufträge holt sich Geralt an Anschlagbrettern in nahezu jedem Dorf. Hier können die Bewohner oder auch Soldaten Monsterjagden, Schatzsuchen oder kleinere Nebenaufgaben in Form von Zetteln angepinnt haben. Diese Aufgaben sind fast durchweg mit durchdachten Geschichten verbunden und verweisen andere Genre-Vertreter, die die Nebenaufgaben als eintönige Sammelaktion von Wolfspelzen usw. konstruieren, auf die Ersatzbank.

Zudem werden den Spielenden immer wieder Entscheidungen abverlangt, die zwar nicht immer eine direkte, aber im weiteren Verlauf eine deutliche Auswirkung auf den Spielverlauf haben. […] Solche Entscheidungsmöglichkeiten, die zunächst nicht offensichtlich ihre Auswirkungen für den späteren Spielverlauf offenlegen, bieten eine besondere Spannung. Die Spielenden befinden sich immer im Konflikt zwischen eher gutmütigen oder harten Entscheidungen. Der Ausgang für die Handlung bleibt ungewiss. So kann es vorkommen, dass ganze Questreihen durch eine einzige Entscheidung wegfallen können. […]

Monsterjagden sind nichts für Kinder...

Wie schon angedeutet ist der Titel ausschließlich als Erwachsenenunterhaltung zu bezeichnen. Die Charaktere und die Kommunikation untereinander sind durchweg von einem rauen Ton gezeichnet. So wird man als Mutant betitelt, der sich je nach Landstrich “verpissen” soll und hier nichts zu suchen hat. […]

Da als Monsterjäger nicht wenig gekämpft wird, ist der Gewaltgrad des Spiels besonders hoch. Die Gewalt ist in den Kontext der Spielwelt eingebettet, jedoch tauchen in der Darstellung der sogenannten “Finishing-Moves” Enthauptungen oder Spaltungen der Gegner in Zeitlupe mit viel spritzendem Blut auf. Einige Hexer-Aufträge, die sich häufig um verschwundene NPCs (nicht spielbare Charaktere) drehen, sind geprägt durch Spurensuchen, auf welchen man nicht selten auf zerfledderte Leichen trifft. Die Darstellung von Tod und Mord ist in "The Witcher 3" allgegenwärtig. Erhängte Deserteure oder ehemalige Kriegsgefangene baumeln grausam, aber stimmungsvoll von Bäumen oder stecken auf Pfählen entlang des Weges und auch die einsamen Schauplätze verschiedener Schlachten zeugen von der Grausamkeit des Kriegs. Die bedrückende Stimmung kann durch viele Beispiele verdeutlicht werden: Hexenverbrennungen werden in einer Zwischensequenz vollständig dargestellt, hungernde Bauern und Kriegsflüchtlinge scharen sich an den Toren der Hauptstadt Novigrad und die vordergründig räuberischen Banditen sichern mit ihren Raubzügen das Überleben ihrer Familien. Die Darstellung von Gegnern, wie Monstern, Geistern oder Dämonen, muss sich nicht hinter Horrorspielen verstecken. Selbst kleinere Gegner, wie Ertrunkene oder Nekker, werden mit angsteinflößenden Geräuschen untermalt, so dass auch hier kurze Schreckensmomente aufkommen können.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt…

[…] Ein Kritikpunkt ist die, auch in der Fachpresse seit einigen Monaten diskutierte, Darstellung von Frauen im Videospiel. Die Videospielreihe um den Hexer ist seit dem ersten Spiel geprägt von einer expliziten Darstellung sexueller Handlungen. Auch der letzte Teil ändert daran wenig. Die Protagonistin Ciri wird durchweg mit offener Bluse dargestellt, viele der weiblichen Charaktere der Haupthandlung bieten je nach vorherigen Entscheidungen die Möglichkeit zumindest einmal einem Tête-á-Tête nachzugehen und auch die grundsätzliche Entscheidung, Frauen offenherzig und wenig different darzustellen, ist keine zeitgemäße Darstellung. So finden sich weniger alte Frauen als alte Männer in der Spielwelt und auch die Differenz der Körperformen ist bei den männlichen Spielfiguren deutlich variabler als bei den weiblichen Spielfiguren.

» Die ganze pädagogische Beurteilung beim Spieleratgeber NRW lesen

Fazit:

Das Rollenspiel schafft ein nahezu glaubwürdiges Spielerlebnis. Da die Vorlage und das grundsätzlich gedankliche Vorbild des mitteleuropäischen Mittelalters von Gewalt, Krieg, Verfolgung von Minderheiten, Prostitution und ominösen Sekten geprägt ist, finden sich viele dieser Themen auch im Videospiel wieder. Die Darstellung ist selten kritisch und als Unterhaltung für Erwachsene anzusehen.

Trotz Kontextualisierung von Sex und Gewalt sind die gezeigten Bilder nicht für Minderjährige geeignet. Die sehr expliziten Darstellungen von Blut, Zerstückelung, Folter und Ähnlichem sind nicht nur Teil passiver Zwischensequenzen, sondern ein Kernelement des Gameplays. Weiterhin herrscht ein sehr rauer sprachlicher Umgang zwischen den Charakteren. Dieser ist geprägt von (Fantasy)Rassismus und vulgärer Sprache. Einprägsame Hexenverbrennungen sowie durchaus deviante Sexpraktiken könnten verstörend wirken.

Insgesamt ist der "The Witcher 3: Wild Hunt" ein sehr detailiert ausgearbeiteter Titel, der teilweise sehr fordernd ist. Die schönen Grafiken und die spannende Geschichten bieten kurzweilige Unterhaltung, jedoch nur für Erwachsene.
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