Spielebeurteilung

Babel Rising

15.01.2013
Als zürnender Gott gebietet man in Babel Rising über die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die Neuauflage des gleichnamigen Tower-Defense-Spiels überzeugt mit aktueller 3D-Grafik. Schwächen zeigt das Spiel in puncto Langzeitmotivation und der Bewegungssteuerung.


 

Im Tower-Defense-Genre gilt es, anstürmende Wellen von Gegnern mit verschiedenen Mitteln davon abzuhalten, die eigene Basis zu erreichen. Babel Rising nimmt dieses Prinzip leicht verändert auf. Statt die Gegenspieler jedoch davon abzuhalten, etwas zu zerstören, versucht man hier sie davon abzuhalten, etwas zu erbauen. Angelehnt an die biblische Geschichte des Turmbaus zu Babel versuchen die Menschen auch in Babel Rising einen Turm zu errichten, der bis in den Himmel reichen soll – ein Unterfangen, das den Zorn Gottes herausfordert. Die Spielenden schlüpfen in die Rolle des Allmächtigen und versuchen den Bau zu verhindern. Hier endet die Verbindung zum Alten Testament aber auch schon.

Unermüdlich erklimmen mit Baumaterialien bepackte Charaktere in Babel Rising die Turmbaustelle. Erreichen sie deren Ende, wächst der Turm. Als zürnender Gott gebietet man über je zwei unterschiedliche Kräfte aus den Bereichen Feuer, Wasser, Luft und Erde. Im göttlichen Arsenal finden sich verlangsamender Regen, tödliche Blitze, Sturm oder auch Erdbeben, um die kleinen, comichaften Figuren hinweg zu fegen.

Screenshots

Babel Rising wird auf der PlayStation 3 entweder per Bewegungssteuerung (PS Move) oder mit dem normalen Gamepad gesteuert. Neben dem Auslösen der verschiedenen Effekte kann man auch die Kamera in der 3D-Umgebung um den Turm rotieren. Die Steuerung für die unterschiedlichen Controller sowie die Nutzung der acht verschiedenen Fähigkeiten werden in einem Tutorial erklärt.

Im Einzelspielermodus gilt es, in jedem der 15 Level eine Aufgabe zu erfüllen – sei es das Durchhalten über eine bestimmte Zeit hinweg oder das Ausschalten besonderer Figuren. Zusätzlich bietet Babel Rising noch einen Endlos- sowie einen Mehrspielermodus, in dem man offline zu zweit mit- oder gegeneinander antreten kann. Es gibt nur einen Schwierigkeitsgrad.

Anmerkung Redaktion spielbar.de: Babel Rising (2012) ist die Neuauflage in 3D des gleichnamigen Titels von 2009. Auf mobilen Plattformen wird das aktuelle Spiel unter dem Titel „Babel Rising 3D“ vertrieben.

Pädagogische Beurteilung:

Babel Rising verbindet als eines der ersten Spiele strategische Elemente von Tower-Defense-Games in 3D mit einer Bewegungssteuerung. Das grundlegende Spielprinzip ist dabei für jeden leicht verständlich: Verhindere, dass zu viele der Bauarbeiter die Spitze des Turms erreichen! Doch kann dieses Experiment gelingen?

Der biblische Hintergrund ist zunächst das Einzige in Babel Rising, was etwas mit einer Geschichte zu tun hat. Die Spielaufgaben sind klar und verändern sich im Laufe des Spiels praktisch nicht. Fast jede Mission des Einzelspielermodus läuft darauf hinaus, die zahlreich heranwuselnden Menschen für eine bestimmte Zeit abzuhalten und (manchmal) auf besondere Personen zu achten. Darunter fallen Priester, die durch einen Schutzschild gegen bestimmte Elementarangriffe immun sind, sowie Urnenträger, die, wenn man sie tötet, den Einsatz bestimmter Fähigkeiten kurzzeitig blockieren. Strategisch komplexer wird Babel Rising kaum. Gamer, die eine große strategische Tiefe erwarten, werden hier enttäuscht. Der nicht veränderliche Schwierigkeitsgrad ist auch für unerfahrene Spielerinnen und Spieler zu bewältigen. Insbesondere das erste Drittel des Spiels zwingt kaum dazu, die Kameraeinstellung zu verändern. Hat der Turm im späteren Spielverlauf zwei Aufgänge, muss die Kamera öfter rotiert werden. Das macht das Spiel zwar hektischer, aber nur unwesentlich komplizierter. Der Wiederspielwert und die Langzeitmotivation sind schlussendlich auch aufgrund des geringen Spielumfangs von unter vier Stunden eher gering.

Die grafische Aufmachung des Remakes hingegen ist gut gelungen. Die Umgebung und die Figuren sind ansprechend animiert und die Effekte der göttlichen Kräfte überzeugen. Die comichafte Umsetzung schafft zugleich Distanz zum gewalttätigen Inhalt. Mit zunehmendem Spielverlauf macht sich hier allerdings durch die geringe Abwechslung eine gewisse Eintönigkeit breit. Gleiches gilt auch für die Soundeffekte, wie die leisen Schreie der Getöteten und die sich oft wiederholende Hintergrundmusik.

Die Steuerung mit dem Gamepad geht gut von der Hand, während man bei der Bewegungssteuerung oftmals das Gefühl hat, ungenau zu sein. Dies gilt vor allem für die Flächeneffekte, bei denen der Cursor auf dem gekrümmten Weg zur Turmspitze entlang bewegt werden muss. Wer nicht so viel Erfahrung mit dem Move-Controller hat, sollte daher eine gewisse Übungszeit einplanen oder gleich das klassische Gamepad wählen, um Frust zu vermeiden.

Letztendlich bleibt die Tatsache, dass man in Babel Rising die Rolle Gottes einnimmt und als solcher seinen „Zorn auf die fleißigen Arbeiter niederfahren“ lässt (was bedeutet sie in Scharen zu töten). Die Gewaltdarstellung ist zwar comichaft, nicht blutig und fiktional, aber dennoch direkt und offensichtlich. Babel Rising eignet sich damit erst für Spielende ab zwölf Jahren. Im pädagogischen Zusammenhang kann das schnell zu erlernende Spiel auch als Diskussionsgrundlage für biblische Geschichte und die damit verbundene Götterdarstellung genutzt werden.
Christian Knop
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