Spielebeurteilung

Virginia

30.11.2016
Im ungewöhnlichen Adventure -Spiel Virginia wird eine rätselhafte Kriminalgeschichte um einen vermissten Jugendlichen nachgestellt. Die Spielenden schlüpfen in die Rolle der jungen FBI Agentin Anna Tarver und ermitteln in dem Fall. Dabei stehen ihnen einige unerwartete Ereignisse bevor.
In Virginia übernehmen Spielende die Rolle der unerfahrenen FBI-Agentin Anna Tarver und werden zusammen mit ihr durch eine Kriminalgeschichte geführt. Ein Elternpaar vermisst ihren Sohn. Umgehend nehmen Anna und ihre routinierte Kollegin Maria Halperin die Beweisführung auf. Die Handlung steht im Mittelpunkt von Virginia. Diese ist vorgeschrieben, kann nicht verändert werden und beginnt unmittelbar.

Spielenden kommt die Aufgabe zu, an Orten bestimmte Objekte zu suchen, damit die Geschichte voranschreiten kann. In jeder Szene sind das andere Objekte, beispielsweise eine Tür oder eine Akte. Wird das gemacht, werden die Spielenden mithilfe einer Zwischensequenz in eine neue Szene überführt. Alle Szenen ergeben in ihrer Abfolge eine Geschichte, wie in einem Film. Die Herausforderung in Virginia besteht darin, die vorgeführte Handlung nachzuverfolgen und zu verstehen. Rätsel gibt es dagegen nicht zu lösen.
Die Gaststätte ist ein Ort, den Anna und Maria gerne aufsuchen, um ihre Gedanken zu ordnen und Spielende können das hier auch tun.
Die Steuerung ist einfach gehalten. Spielende steuern Anna Tarver aus der Ego-Perspektive. Während der Beweisführung begegnen den Spielenden an verschiedenen Orten wiederkehrende Symbole. Handlungen beginnen sich zu wiederholen oder wirken unreal. Somit wird eine Kleinstadt in Virginia nach und nach zu einer mysteriösen Spielwelt.
Die Spielwelt erscheint zunehmend dunkler und mysteriöser. Annas Chef aber sitzt nach wie vor ruhig an seinem Schreibtisch.
Virginia verwendet viele Bilder und setzt Musik ein. Dialoge dagegen finden zwischen den Charakteren nicht statt. Was diese fühlen und denken, wird durch Gestik und Mimik dargestellt. Zwar gibt es keine Dialoge, aber die Texte im Spiel sind auf Englisch. Ein deutscher Untertitel ist im Menü verfügbar. Virginia kann nur alleine gespielt werden, weitere Spielmodi sind nicht vorhanden.
Virginia erzeugt emotionale Momente durch große Bilder.

David Koch
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Bildnachweis

[1]Screenshot von Virginia[2]Screenshot von Virginia[3]Screenshot von Virginia

Pädagogische Beurteilung:

Virginia ist kein klassisches Computerspiel und bezeichnet sich selbst als interaktives Drama. Das Intro erinnert weniger an ein Spiel, als an einen Film. Anstatt Aufgaben zu erfüllen, sollen Spielende in die fortlaufende Handlung eintauchen. Dafür schafft Virginia viele Bilder, die mächtig, aber auch unterschwellig sein können und emotional geladen sind. Da keine Dialoge stattfinden, unterstützt die Musik besonders stark die Handlung.

Mithilfe der Eindrücke müssen Spielende interpretieren, was sie zu sehen bekommen. Das ist in Virginia selten einfach. Das Spiel startet unvermittelt in einer Damentoilette und daraufhin wechseln sich die Spielorte im Schlagabtausch ab. Es ist schwer, in die Handlung einzutauchen, da nicht gesprochen wird. Hier wird Geduld verlangt.

Im Folgenden jedoch nimmt das Spiel durch die Symbole und die merkwürdige Handlung Fahrt auf. Die Spannung wird immer weiter aufgebaut und Gefühle werden auch immer stärker angesprochen. Häufig stellt man sich die Frage, was gerade vor sich geht. Über die Moral nach dem Ende müssen Spielende selbst nachdenken. Diese ist keineswegs einfach und klar. Die Erlebnisse müssen von Spielenden mit einer Distanz zum Geschehen verarbeitet werden. Um die Symbole zu deuten ist abstraktes Denken erforderlich. Darin liegt der Anspruch im Spiel. Aus dem Grund eignet sich Virginia erst ab einem Alter von 14 Jahren. Des Weiteren muss das Interesse bestehen, die vorgeführte Handlung verstehen zu wollen, anstatt nur zu spielen. Sonst kann schnell Langeweile entstehen.

Das Menü ist einfach gehalten und übersichtlich. Zum Spielen benötigt Virginia kein Internet und es gibt auch keinen Onlinemodus. Gewaltsame Szenen sind grafisch verharmlost dargestellt.

Fazit:

Virginia lässt Spielende die ganze Zeit im Dunkeln. Deshalb müssen sie aktiv über das Spielgeschehen nachdenken. Somit ist es ein sehr ungewöhnliches Adventure-Spiel, das dennoch auf Grund der Spannung und der Emotionen fesselnde Wirkung entfaltet. Durch die bereits genannten hohen Anforderungen an die Spielenden eignet sich Virginia erst ab 14 Jahren.
David Koch
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