Spielebeurteilung

Jazzpunk

23.05.2014
Hinter dem Indie-Titel Jazzpunk verbirgt sich ein wahres Gag-Feuerwerk im Gewand eines bunten 3D-Spionageabenteuers. Im rasanten Tempo zieht das Spiel sämtliche Klischees des Agentenfilm-Genres durch den Kakao und sorgt dafür, dass sich die Spielenden einmal wie Leslie Nielson fühlen dürfen.

Angesiedelt ist Jazzpunk in den späten fünfziger Jahren einer alternativen Welt, in der die Japaner den zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Die Spielenden schlüpfen in die Rolle von Polyblank, einem stillen Protagonisten, der für eine geheime Spionageeinheit arbeiten soll. Vom Leiter der Organisation werden ihm Missionen aufgetragen, die ihn zu verschiedenen Schauplätzen, von Japan bis zur Osterinsel, führen. Jazzpunk legt seinen Fokus auf merkwürdige Hilfsgeräte, exotische Orte und eine offenen Spielwelt, die es zu entdecken gilt und zieht dabei zahlreiche Referenzen zu klassischen Vertretern der Agentenkomödien, wie Hot Shots oder Die Nackte Kanone.

Ausgangspunkt aller Missionen ist das geheime Büro des Leiters, versteckt irgendwo in einer japanischen U-Bahnstation. Hier erhalten die Spielenden ihre Missionen und werden zum nächsten Auftragsort geschickt.
Jazzpunk ist wie ein typisches 3D-Adventure aus der Ego-Perspektive aufgebaut. Gesteuert wird mit den WASD -Tasten, den Blickwinkel verändert man mit der Maus. Mit ihr lassen sich auch per Klick Gegenstände einsammeln oder einsetzen. Das Spiel ist in verschiedene Level beziehungsweise Missionen mit wechselnden Schauplätzen unterteilt, in denen es eine Hauptaufgabe und zahlreiche Minispiele und Nebenquestszu entdecken gibt. Die Spielenden müssen Rätsel lösen und Aufgaben erledigen, um so dem Hauptziel einer Mission ein Schritt näher zu kommen. Eine Mission besteht beispielsweise darin, das russische Konsulat zu infiltrieren. Damit dies gelingt muss man sich jedoch zuerst überlegen, wie man die Wachen und andere Sicherheitsvorkehrungen austricksen kann. Jazzpunk besitzt dabei einen sehr eigenen, bunten Grafikstil, der durch seine vereinfachten, geometrischen Formen auffällt.

Die offene Spielwelt in den einzelnen Missionen steckt voller Details und lädt zum Entdecken ein. Mit fast jedem der kleinen Polygon-Figürchen ist eine Interaktion möglich, die in 99% der Fälle zu einem Witz führen.
Weitere Spielmodi, wie ein Mehrspielermodus, besitzt Jazzpunk nicht. Allerdings wird eine Kapitelauswahl angeboten, mit denen man alle Missionen noch einmal unabhängig voneinander nachspielen kann.

Jedes Mal nachdem eine Mission beendet wurde, landet der Protagonist in einem Zen-Garten. In diesem kann man Koi-Karpfen mit Brotkrümeln füttern, um sich von der verrückten Mission zu erholen.

Bildnachweis

[1]Adult Swim[2]Adult Swim[3]Adult Swim

Pädagogische Beurteilung:

Kopierte Hinterteile, imaginäre Treppen-Witze, Tauben, die mittels Strahlengerät betäubt und zu Pie verarbeitet werden, Jazzpunk will in erster Linie eins: die Spielenden zum Lachen bringen. Egal, in welcher Mission man sich gerade befindet, jeder Mausklick ist mit einem Gag verbunden, die vor allem klassische Agenten- und Spionagefilme durch den Kakao ziehen. Dabei sind die Spielenden oft genauso ahnungslos wie die Helden und Heldinnen diverser Agentenkomödien und kommen eher durch Zufall auf die richtige Lösung der bizarren Rätsel.

Jazzpunk besitzt eine überschaubare Anzahl von Befehlen und ist schnell erlernbar. Die wichtigsten Eingabebefehle werden im Laufe des Spiels in Form von großen Blockschriftzügen erklärt, wenn sie das erste Mal angewendet werden müssen. Im Menü gibt eine Auflistung der Missionsziele die nötige Übersicht, die man in einer bunten, verrückten Welt, wie der von Jazzpunk, auch gut gebrauchen kann. Für ausreichend Spielspaß sorgen nicht nur die zahlreichen Witze, sondern auch die offene Spielwelt, in der man innerhalb einer Mission auch kleine Minispiele entdecken kann. In Frogger-Manier hilft man beispielsweise einem Frosch über die Straße, bei einem Blick durch ein Mikroskop startet plötzlich ein Space-Invaders-Klon.

Zum Witz in Jazzpunk gehören jegliche Klischees, auch in Bezug auf Nationalitäten. Russen sprechen gebrochenes Englisch und wirken bedrohlich, japanische Figuren rollen das R und entschuldigen sich mit vielen übertriebenen Verbeugungen. Durch die überzeichnete Darstellung sind die bedienten Stereotype jedoch als ironische Überspitzung erkennbar, die einfache Optik bietet genügend Distanzierungsmöglichkeit.

Fazit:

Jazzpunk ist ein liebevoll gestaltetes Indie-Game voller Details und mit einer eigenwilligen Art von Humor, die sich an Ältere richtet. Hinzu kommt, dass das Spiel nur auf Englisch erhältlich ist und keine Untertitel enthält. Da die Stimmen absichtlich verzerrt wurden, kann dies zu Verständnisschwierigkeiten führen, wenn man keine ausreichenden Englischkenntnisse besitzt. Daher entfaltet sich der volle Inhalt von Jazzpunk - wenn auch optisch wie inhaltlich harmlos - eher ab einem Alter von 14 Jahren.
Sarah Pützer
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Siehe auch

Independent Games

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