Spielebeurteilung

On Rusty Trails

06.07.2016
Metallische Pyramidenfiguren gegen haarige Monster – das Jump’n’Run-Spiel On Rusty Trails zeigt eine 2D-Welt, die vom Konflikt zwischen deren Bewohnern geprägt ist. Dazwischen findet sich der zu den roten Pyramiden gehörige Elvis wieder, der auf der Suche nach einem Haus mitten in die Streitigkeiten hineingerät.

Das Jump’n’Run-Spiel On Rusty Trails nimmt seinen Titel wörtlich – und führt in eine von rostigen Metallen dominierte 2D-Welt. Zu Beginn hat die kleine rote pyramidenförmige Figur Elvis durch einen Meteoritenschauer ihr Haus verloren. Aber Elvis verzagt nicht, sondern fasst einen Plan: Er macht sich auf die beschwerliche Reise in eine neue Heimat, um dort ein neues Haus zu finden. Auf seiner Reise trifft er nicht nur andere rote Pyramidenfigürchen sondern auch blaugrüne, haarige Wesen, die mit den Figuren seiner Art verfeindet sind.

Während die roten Metallfiguren mit Wasser nicht in Berührung kommen dürfen, stellt Regen mit dem blaugrünen Anzug kein Problem dar. Das Plakat im Hintergrund deutet bereits den Konflikt der beiden Bewohner von On Rusty Trails an.
In typischer Jump’n’Run-Manier muss man in On Rusty Trails über verschiedene Plattformen hüpfen, um vom Anfang bis zum Ende eines Levels zu gelangen. Dabei weicht man verschiedenen Gefahren, wie zum Beispiel düsteren Regenwolken oder Laserstrahlen, aus und versucht den richtigen Weg zu finden. Denn: Elvis ist magnetisch, das heißt, er kann nicht nur über, sondern auch unterhalb oder seitlich der Plattformen laufen. Hinzukommt, dass er im Verlauf des Spiels einen Anzug findet, mit dem er sich als blaugrünes Monster verkleidet. Auf diese Weise reagieren bestimmte Plattformen oder Fallen anders auf ihn. Daher müssen die Spielenden zusätzlich in den richtigen Momenten den Anzug an- beziehungsweise ausziehen.

Hier gilt es besonders vorsichtig zu sein: Nicht nur mit dem Laserstrahl darf Elvis nicht in Berührung kommen. Auch wenn er die giftgrünen Plattformen berührt, muss er wieder beim letzten Speicherpunkt anfangen.
In jedem Level sind mehrere Speicherpunkte verteilt. Um diese zu aktivieren, benötigt man kleine, weiße Dreiecke, die wie eine Art Schlüsselkarte funktionieren. Fällt man hinunter oder wird Elvis von einer Falle zerstört, beginnt man beim letzten Speicherpunkt. Eine bestimmte Anzahl an Leben gibt es in On Rusty Trails nicht. Gesteuert wird mit den WASD -Tasten, der Leertaste zum Springen und der Tab-Taste, um den Anzug an- und auszuziehen. Alternativ kann man auch einen Controller an den PC anschließen.


Offizieller Teaser zu On Rusty Trails (YouTube-Video)

Bildnachweis

[1]Black Pants Studio[2]Black Pants Studio

Pädagogische Beurteilung:

Das Indie Game On Rusty Trails beeindruckt mit einem ansprechenden, liebevollen Design, das die Figuren und die Umwelt in all seinen Details animiert, ohne dabei die simpel gehaltene Comic-Optik des Spiels aus den Augen zu verlieren. Daher kommt On Rusty Trails auch ohne große Erklärungen und Texte aus. Im Hintergrund integrierte Infotafeln dienen als visuelles Tutorial – und selbst wenn trotzdem nicht klar sein sollte, was genau die Bilder bedeuten, hilft ein einfaches Learning-by-doing. Die Steuerung ist nämlich minimalistisch gehalten und funktioniert sehr intuitiv.

Ungewohnt ist dagegen die Möglichkeit, nicht nur am Boden sondern auch an Wänden und Decken entlang zu laufen. Steht man zum Beispiel auf der rechten Wand einer Plattform, drückt man sich mit der Sprungtaste nach rechts ab – und nicht nach oben, wie in anderen Jump’n‘Runs. Damit man die Orientierung in On Rusty Trails nicht verliert, ist etwas Eingewöhnungszeit nötig. Die ersten Level sind noch relativ simpel gestrickt, neue Spielelemente werden erst nach und nach eingeführt.

Um im späteren Verlauf des Spiels die Level erfolgreich abzuschließen, erfordert On Rusty Trails allerdings viel Konzentration. Wann muss ich den blauen Anzug an-, wann wieder ausziehen? Wie komme ich an einem bestimmten Hindernis vorbei? Daneben ist auch motorisches Feingefühl gefragt. Häufig gilt es im richtigen Moment den Anzug zu wechseln oder von einer Plattform abzuspringen. Das abwechslungsreiche Leveldesign sorgt dabei für viel Spielspaß. Mal muss ein Level auf Zeit gelöst werden, mal schwebt die Figur durch einen Windzug von links nach rechts und muss auf den richtigen Plattformen landen. Einige Passagen sind gerade für Neulinge des Jump’n’Run-Genres knifflig. Da aber die Speicherpunkte sehr großzügig verteilt und die Anzahl der Versuche nicht begrenzt sind, kommt nur selten Frust auf.

Besonders hervorzuheben ist eine weitere Bedeutungsebene, die das Spiel anbietet. Denn der blaugrüne Anzug von Elvis ist nicht nur ein nützliches Spielelement. Die Verkleidung wird auch in der Geschichte des Spiels aufgegriffen. Trägt er den Anzug, wird er von den blaugrünen Figuren freundlich begrüßt. Trägt er ihn nicht, beschimpfen sie ihn. Der Konflikt zwischen beiden Bewohnern der Welt von On Rusty Trails führt damit auf spielerische Weise vor, wie schnell Äußerlichkeiten zu Vorurteilen führen. Erst wenn sich Elvis als einer der blaugrünen Bewohner verkleidet, wird er von diesen akzeptiert.

Fazit:

Bei On Rusty Trails handelt es sich um ein kniffliges Jump’n’Run-Spiel, das mit abwechslungsreichen Leveln und liebevollem Design für viel Spielspaß sorgt. Zwar werden Lesekenntnisse zum Spielen nicht vorausgesetzt, das Gameplay erfordert allerdings viel Konzentration. On Rusty Trails eignet sich damit für Jump’n’Run-Fans ab 8 Jahren.
Sarah Pützer
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