Spielebeurteilung

Q.U.B.E.

23.02.2012
Schnelle Auffassungsgabe und eine Vorliebe für futuristische Umgebungen. Wer das mitbringt, dürfte an Q.U.B.E. seine Freude haben. Das von einer Gruppe von Studierenden entwickelte Denkspiel adaptiert gekonnt Elemente der Spielreihe Portal. Dass es in Q.U.B.E. eigentlich um Physik geht, merkt man kaum.


„Quick Understanding of Block Extrusion“, abgekürzt Q.U.B.E., ist ein Denkspiel in einer 3D-Spielumgebung, in der sich alles um farbige Würfel und Quader sowie physikalische Zusammenhänge dreht. Die Spielenden finden sich – aus der Ego-Perspektive – in geschlossenen Räumen wieder, deren Böden, Decken und Wände aus gräulich-sterilen Blöcken aufgebaut sind. Das Ziel ist, sich einen Weg durch die labyrinthartige Umgebung zu bahnen. In jedem Raum warten Aufgaben, die gelöst werden müssen, um den folgenden Raum zu betreten. Dazu nutzen die Spielenden die farbigen Blöcke, anfangs etwa um sich schlicht eine Treppe zu bauen, später um komplizierte Kettenreaktionen auszulösen.

Jede Aufgabe hat Rätselcharakter, wobei der Schwierigkeitsgrad steigt. Das Spiel beginnt im „Sektor 1“ mit roten Klötzen, die per Mausklick mit Spezialhandschuhen aus der Wand gezogen beziehungsweise zurück geschoben werden können. Die Steuerung erfolgt ausschließlich mit der Maus, WASD und der Leertaste.

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Mit jedem neuen Sektor kommen neue Spielelemente hinzu. Es folgen blaue Klötze, die als Katapult genutzt werden, gelbe Klötze, die in unterschiedlichen Dreierformationen aus der Wand ragen können oder grüne Klötze und Kugeln, die mobil sind und an bestimmte Orte bewegt werden müssen. Komplexer werde die Aufgaben durch drehbare Wände, Dunkelheit oder Lichtstrahlen, die es abzulenken gilt. Insgesamt umfasst Q.U.B.E. sieben Sektoren mit jeweils mehreren Rätselaufgaben. Am Ende bahnen sich die Spielenden einen Ausweg aus dem geheimnisvollen Labyrinth.

Q.U.B.E., ursprünglich ein Projekt von Studierenden, war die erste Spielveröffentlichung, die über den „Indie Fund“ finanziert wurde. Der Indie Fund ist eine Art Nachwuchsförderung erfolgreicher unabhängiger Spieleentwickler. Erhältlich ist Q.U.B.E. in Deutschland bisher ausschließlich als Download über die Online-Distribution der Plattform Steam. Q.U.B.E. trägt daher kein gesetzliches Alterskennzeichen.

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Portal 2
Tobias Miller
Dieses Spiel wurde getestet von:

Pädagogische Beurteilung:

Q.U.B.E. ist eine Knobelwelt, die sowohl optisch als auch durch das Spielprinzip stark an die Portal-Reihe erinnert. Da wäre zum einen die sterile und durchaus beklemmende Laborumgebung, über die die Spielenden anfangs noch im Ungewissen sind. Diese wird linear von Kammer zu Kammer abgearbeitet. Zum anderen wären da die kurzweiligen physikalischen Rätsel (z.B. Mechanik, Farbenlehre, Optik), die in wohl dosierten Schritten schwieriger werden und die Spielenden damit geschickt vor dem Bildschirm „fesseln“. Q.U.B.E. ist damit nicht unbedingt innovativ, jedoch wurde hier eine gute Spielidee gekonnt adaptiert.

Der Start ins Spiel ist ungewöhnlich. Es gibt kein Tutorial, keine Erklärungen, keine Hinweise. Die Spielenden müssen sich Spielaufgaben und Handlungsmöglichkeiten durch Ausprobieren selbst erschließen. Das ist nicht einsteigerfreundlich, baut aber eine Spannung auf, die zum Weiterspielen anspornt und maßgeblich zum Unterhaltungswert des Spiels beiträgt.
Die konkreten Spielaufgaben in Q.U.B.E. fordern von den Spielenden logisches Denken, Kombinationsgabe sowie räumliches Vorstellungvermögen und Orientierung – auch bei Dunkelheit. Geschicklichkeit und Vertrautheit mit der WASD-Steuerung sind ebenfalls Voraussetzung. Zeitdruck besteht aber keiner. Die Rätsel können in Ruhe gelöst werden, Kammern mit komplexeren Aufgaben können durch einen Rückgängig-Button an der Kammerwand in ihren Ursprungszustand zurück versetzt werden. Auch lässt sich das Spiel gut in „Häppchen“ konsumieren. Nach jeder gelösten Aufgabe wird der Spielstand gespeichert. Nach durchschnittlich 20 bis 30 Minuten hat man einen Sektor durchlaufen.
Die Spielanforderungen können dadurch grundsätzlich auch schon von Kindern bewältigt werden. Da die Spielumgebung auf jüngere Kinder aber bedrohlich wirkt, eignet sich Q.U.B.E. erst ab einem Alter von 12 Jahren.

Insgesamt dürfte Q.U.B.E. all diejenigen ansprechen, die sich in Science-Fiction-Umgebungen wohl fühlen und Spaß am Knobeln haben. Auch aus pädagogischer Sicht kann Q.U.B.E. überzeugen, da hier weder logisches Denken noch Unterhaltung zu kurz kommen. Ein Wermutstropfen bleibt die kurze Spieldauer von wenigen Stunden, die aber durch einen vergleichsweise geringen Kaufpreis ausgeglichen wird. Auf eine mögliche Fortsetzung darf man jedenfalls gespannt sein.
Tobias Miller
Dieses Spiel wurde beurteilt von:

2 Kommentare

Stephan, Infocafe Neu-Isenburg schreibt:

Über den Artikel und dem daraus folgenden abgeleiteten Empfehlung von Tobias hab ich mir das Spiel auch angeschaut.
In der Kurzform besteht mein Resümee des Spieles aus "Zustimmung" von Tobias Text(en).
Ergänzend möchte ich zwei Faktoren festhalten.
Zum einen ist die "kurze" Gesamtspielzeit mit Q.U.B.E. sehr angenehm - es passt durch Segmentierung der einzelnen Levels wunderbar auch in einen Zeitplan und das Verhältnis von Zeitaufwand zu Erfolgserlebnis ist sehr ausgewogen. Zum anderen ist die gesamte Spieldauer nicht wirklich stark abweichend von dem was uns heute viele Tripple-A Tittel, also „Blockbuster-Games“ mit großen Budget, bieten deren Gesamtspielzeit auch sehr kurz wirkt. So gesehen bietet Q.U.B.E. für seinen Preis eine ganze Menge. Und das auch noch in einer nicht „ausgelutschten“ Form.
Der Andere Punkt den ich Ansprechen wollte ist der, naheliegende, Vergleich zu Portal, den Tobias ebenfalls ansprach. Hier finde ich dass der Vergleich beim Spielen immer mehr und mehr abnimmt. Q.U.B.E. hat und braucht keine GLaDOS oder Wheatley und selbst die grafischen Stilelemente in Q.U.B.E. unterscheiden sich bei näherer Betrachtung drastisch von der Portal Serie. Q.U.B.E. erschafft durch den Kontrast der leuchtenden Farben in der sterilen Umgebung eine kubistische Landschaft die nichts mit dem Aperture Science Enrichment Center zu tun hat – außer dass ein Besuch in beiden „Einrichtungen“ lohnt. Wobei der Besuch bei Q.U.B.E. sicherlich deutlich ungefährlicher ist.

27.02.2012 um 10:34
Mini Let's Play-Video (entstanden auf play12) schreibt:



11.12.2012 um 16:34


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