Spielebeurteilung

Valorant

26.10.2020
Im neuen Universum des Shooters verschwimmen Gut und Böse. Trotz der Cartoon-Optik ist die Gewalt das zentrale Spielelement, um das gegnerische Team zu besiegen.
Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: In einer fiktiven Zukunft der Erde gab es ein Ereignis, das „The First Light“ genannt wird. Die Erde und seine Bewohner wurden dadurch nachhaltig verändert und viele Menschen wurden zu sogenannten Radianten. Durch die neue Ressource „Radianit“ wurden neue Formen und Technologien von Waffen möglich gemacht. Nun will eine Organisation, genannt „Kingdom“, sich das Radianit zunutze machen und monopolisieren. Dem gegenüber steht das „Valorant Protokoll“, eine Gruppe die als Widerstand gilt. Welche Seite in dieser Geschichte nun gut und welche böse ist, ist nicht eindeutig. Eindeutig ist nur der Kampf und der Antrieb von Valorant, Kingdom zu bekämpfen. Dies passiert im Spiel über das Platzieren von sogenannten Spikes. Diese Bomben müssen an bestimmten Orten platziert und bis zu einer Licht-Explosion verteidigt werden.

Das Spiel ist in Matches aufgeteilt, die jeweils in mehreren Runden stattfinden. Fünf Spielerinnen und Spieler auf jeder Seite wählen vorher ihre Helden aus. Dabei muss man im Team schon bei der Heldenauswahl durchaus ein wenig taktisch vorgehen: Bestimmte Helden spielen sich gegenseitig mit ihren individuellen Fähigkeiten aus, ähnlich wie bei „Schere, Stein, Papier“. Aber natürlich spielen hier noch mehr Faktoren eine Rolle: Wer gewinnt, das entscheiden die individuelle Taktik, das spielerische Können und die Absprachen untereinander.

In der Charakterübersicht sehen wir alle Helden, die wir bereits freigespielt haben, mitsamt ihren individuellen Fähigkeiten.

Zu Beginn jeder Runde müssen wir Waffen und Ausrüstung kaufen. Auch das kann als taktisches Element verstanden werden, da man nicht über unendlich Geld verfügt. Um in der nächsten Runde mehr Geld zur Verfügung zu haben, muss man haushalten und Runden bisweilen nur mit der Grundwaffe bestreiten, einer Pistole.

Valorant hat ein eingebautes Ligasystem. Spielerinnen und Spieler bestreiten zu Beginn ein paar Matches, damit das Spiel sie einordnen kann. Auf der Basis dieser Matches wird dann ausgewählt, in welcher Liga man startet.

Klassische Shooter-Steuerung


Die Steuerung ist die klassische Shooter-Steuerung auf dem Computer. Mit der Maus steuern wir die Bewegung des Blickwinkels und können schießen. Mit der Tastatur wird die Bewegung der Spielfigur gesteuert. Für Anfänger kann es durchaus kompliziert werden und gerade für unerfahrene Spielende sind Maus und Tastatur parallel nicht der leichteste Einstieg in die Gamingwelt.

Wir spielen in der sogenannten First-Person-Perspektive. Oben links sehen wir die Karte, auf der wir spielen, aus der Vogelperspektive. Unten sehen wir unsere Lebenspunkte, Fähigkeiten und Munition.

Multiplayer mit Freund*innen


Wie mittlerweile üblich bei Online-Games, gibt es auch hier eine sogenannte Freundes-Liste, in die wir unsere Freundinnen und Freunde einladen und aufnehmen können. Dazu wird ein eigener Account von Riot Games benötigt. Mit diesen Freunden können wir dann gemeinsam Matches bestreiten und sogar einen Clan gründen. Das Spiel kann nicht lokal gespielt werden. Allerdings können sich bis zu fünf Personen über das Internet zusammentun und gemeinsam spielen.

Spielumfang überschaubar


Der Umfang von Valorant ist überschaubar. Es gibt den klassischen Modus, also 5 gegen 5. Darin müssen jeweils abwechselnd „Spikes“-Bomben gelegt oder verhindert werden. Die wenigen anderen Modi sind zu vernachlässigen, denn sie werden nur sehr selten gespielt. Das Hauptspiel konzentriert sich auf den taktisch kompetitiven Teil und das Spielen in Ligen. Ein Match geht über mehrere Runden und kann bis zu einer Dreiviertelstunde dauern.

Am Ende einer jeden Runde gibt es eine Art kurzen Kampfbericht aus dem hervorgeht, was wer in der vorangegangenen Runde geleistet hat.

Wie in vielen anderen Spielen aktuell auch, gibt es in Valorant eine Art Belohnungssystem, das sich hier „Kampfpass“ nennt. Mit diesem Kampfpass können sich Spielerinnen und Spieler mit der Zeit neue Helden oder neues kosmetisches Equipment erspielen. Durch abgeschlossene Matches oder auch kleine Aufgaben im Spiel bekommen sie Punkte, die sie nach und nach aufsteigen lassen. Diese Prozedur kostet viel Spielzeit. Schneller geht mit dem Einsatz von Echtgeld. Dafür gibt es eine eigene Spielwährung, Valorant-Punkte, die es für reales Geld über verschiedene Bezahloptionen zu kaufen gibt. Auch Radianit, eine weitere Spielwährung im Spiel, die wir uns jedoch auch erspielen können, können wir mit Valorant-Punkten kaufen.

Im Shop können wir uns sogenannte „Skins“ für unsere Waffen kaufen. Damit können wir uns im Spiel selbst noch weiter individualisieren. Das Prinzip ist auch bereits von beliebten Spielen wie Counter-Strike oder Call of Duty bekannt.

Andreas Langer
Dieses Spiel wurde getestet von:

Pädagogische Beurteilung:

Das Spielgeschehen selbst bietet pädagogisch wenig Spielraum. Man könnte das Spiel und dessen Inhalte aber durchaus als Anlass für Gespräche über Konflikte, das Shooter-Genre allgemein oder auch das Thema "Gut und Böse" nutzen. Zudem kann der Team-Aspekt genutzt werden, um den Umgang miteinander zu reflektieren und zu schulen. Da die technischen Hardware-Anforderungen von Valorant relativ gering sind, kann man sich als Elternteil auch ohne Gaming-Computer auf ein paar Runden mit den eigenen Kindern einlassen, wenn zum Beispiel ein aktueller Laptop vorhanden ist. In der Jugendarbeit besteht, bei entsprechendem Alter und entsprechenden Geräten, die Möglichkeit regelmäßige Teams zum Spielen einzuladen und vielleicht auch gemeinsam Turniere anzusehen.

Wie auch viele andere Free2Play-Spiele auf dem Markt, setzt Valorant auf den menschlichen Drang nach Individualisierung. Wir können uns verschiedene Aussehen für Waffen, Helden und meinen Account kaufen, aber auch erspielen, was natürlich verhältnismäßig viel Zeit in Anspruch nimmt. Daher ist es verlockend, etwas Geld für das Spiel auszugeben. Häufig bleibt es dabei aber nicht bei einmaligen Käufen. Wir bekommen immer mal wieder im Spiel zeitlich begrenzte Angebote vorgelegt, die uns einmalige Gelegenheiten suggerieren sollen. Das kann Kinder und Jugendliche durchaus dazu verleiten, ihr Taschengeld in das Spiel zu investieren.

Weil sich Valorant um einen bewaffneten Konflikt dreht und man nur mit Waffengewalt gewinnen kann, hat die USK eine Altersfreigabe von 16 Jahren vergeben. Die Gewaltdarstellung hält sich hierbei jedoch in Grenzen. Problematisch ist, dass das Spiel ohne wirksame Alterskontrolle frei heruntergeladen werden kann. Kinder müssen einfach nur einen falschen Geburtstag eingeben.

Wenn Riot Games das Ligensystem, Marketing, Artwork, usw. wie bei ihrem Top-Titel League of Legends ausbaut, dann bekäme Valorant durchaus Potential und weitere Relevanz. Denn die Weltmeisterschaften in League of Legends sind mittlerweile fester Bestandteil in der E-Sport-Welt und gerade für junge Spielende sehr anziehend. Der Wunsch, E-Sportlerin oder -Sportler zu werden, ist längst keine Seltenheit mehr – ganz ähnlich wie der Wunsch Fussballprofi zu werden. Auch hier sollten Eltern mit Kindern und Jugendlichen darüber sprechen, dass die Wahrscheinlichkeit, mit dem Spielen seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sehr gering ist.

Fazit:

Mit Valorant hat Riot Games das Rad nicht neu erfunden. Dennoch: Die Kombination aus Free2Play-Modell und geringen Hardwareanforderungen kann durchaus dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche das Spiel für sich entdecken. Die Schwelle zum Download des Spiels ist gering.
Andreas Langer
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Siehe auch

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Counter-Strike: Global Offensive

Der aktuelle Ableger der beliebten Shooter-Reihe bietet vereinzelte Neuerungen, am Spielprinzip hat sich aber nichts groß verändert. Das Spiel eignet sich insbesondere für E-Sport-Wettkämpfe, birgt jedoch auch Frustrationspotenzial.

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Fortnite: Battle Royale

Das kostenlose Online-Spiel ist seit der Erst-Veröffentlichung im September 2017 zu einem regelrechten Massen-Phänomen geworden. Bei Kindern und Jugendlichen hat es sich in kürzester Zeit als Favorit durchgesetzt. Ab welchem Alter eignet es sich aus pädagogischer Sicht?

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League of Legends

Mit einer Hand voll Helden gilt es die eigene Basis zu verteidigen und die feindliche zu zerstören. Das simpel klingende Spielprinzip von League of Legends benötigt taktische Finesse und eine gute Teamkoordination. Unsere Spieletester konnte das Online-Game überzeugen.

Bildnachweise

[1]Valorant / Riot Games / Screenshot by spielbar.de[2]Valorant / Riot Games / Screenshot by spielbar.de[3]Valorant / Riot Games / Screenshot by spielbar.de[4]Valorant / Riot Games / Screenshot by spielbar.de[5]Valorant / Riot Games / Screenshot by spielbar.de[6]Counter-Strike: Global Offensive[7]Fortnite: Battle Royale / Epic Games[8]League of Legends / Riot Games / leagueoflegends.com

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