spielbar-Jugendredaktion

Spiele sind für alle da

07.11.2018
Auf dem PLAY18-Festival war viel los. Ich war überrascht, wie viel und vor allem, wie divers doch die Menge der Anwesenden war! Denn von Kindern bis Senioren war alles dabei! Also habe ich mich mal ein bisschen umgehört.
Studio Zukunft Iglu


Die ersten paar Gespräche erschienen mir noch mühselig: Oft hörte man von Eltern und Großeltern, sie seien doch nur als Begleitung oder sogar als Begleitung der Begleitung hier und würde sich gar nicht für Videospiele interessieren. Von den Kleinen hörte man, die Spiele seien nicht ganz so aufregend, wie zum Beispiel Fortnite.

Doch auf der diesjährigen Ausstellung wurde ich dann doch fündig: Ein Vater mit seinen drei Söhnen sticht mir ins Auge: Sie sitzen gemeinsam um das Spiel Segelbootpusten (nominiert für den Most Innovative Newcomer Award) und ich muss kurz stören. 
Wir kommen gut ins Gespräch: Der Vater ist Medienpädagoge und begeistert von der Messe. Besonders gut gefällt ihm, dass es sich nicht um Mainstream-Spiele handelt – etwas, das noch von mehreren Menschen positiv hervorgehoben wird – und er sich viel Inspiration für seinen eigenen Job holen kann. Auch seine Jungs sind voll dabei und können sich kaum vom Spiel losreißen. Sie erklären mir dann - außer Atem und zwischen Leveln – dass sie momentan selber ein Spiel programmieren. Mit Scratch, eine 2007 veröffentlichten Programmiersprache für Kinder und Jugendliche. Ein Anfang von vielleicht mehr.

Außerdem treffe ich ein älteres Pärchen: Beide sind wieder als Begleitung von mehreren Kindern hier, öffnen sich jedoch langsam auch dem Thema: 
Er erzählt mir – fast schon stolz – dass er bereits mehrere Spiele angespielt hat. Es überrasche ihn, wie viel Tiefgrund und Sozialkritik doch hinter den ausgestellten Projekten steht. Besonders das Spiel Get Bad News – ein Spiel über Fake News – sei unerwartet erfrischend gewesen. 
Beide betonen, dass der Spieltrieb nicht an ein gewisses Alter gekoppelt ist. Wir hören nicht mit 35 auf zu spielen. Es sei etwas schade, dass der Markt dies nur wenig berücksichtigt: Viele der heutigen Computerspiele seien zu kompliziert aufgebaut, um älteren Menschen einen angenehmen Einstieg zu ermöglichen. Dies sei durchaus etwas schade.

Gut, dass die PLAY auch an die Entwickler der Zukunft denkt: Im Studio Zukunft sehe ich viele Kinder sitzen und auch Leute, die sonst nichts mit Games zu tun haben, scheinen nicht zu kurz zu kommen. Die angebotenen Workshops stellen auch Tools vor, mit denen man auch als Novize relativ schnell volle Projekte entwickeln kann. 
Eines dieser Programme ist Bitsy: Eine Browseranwendung, bei der man kleine 8-Bit-Spiele relativ schnell selber und ohne Vorkenntnisse selbst entwickeln kann. 
Sabine Harrer, ihres Zeichens Autorin und Jurorin des diesjährigen Creative Gaming Awards, gab den Leuten in ihrem Workshop die Möglichkeit, die Grundlagen des Programmes zu erlernen. Sie betonte auch, wie wichtig es ist, Spiele und Spieleentwicklung für Menschen aller Lebenswege zu öffnen.

Beim Bitsy-Workshop treffe ich auch auf eine ältere Dame: Über 65 und immer noch am Zocken. Ich bin überrascht und begeistert. So könnte meine Zukunft aussehen! 
Wir kommen schnell und gut ins Gespräch: Sie erklärt mir, wie sie damals als Redakteurin eines Filmmagazins zum ersten Mal mit einem Computer schreiben musste. Sie kannte ja nur ihre Schreibmaschine! Doch sie entwickelte schnell eine Affinität und auch der Umstieg auf Windows schien sie kaum zu stören. Bald schon kaufte sie sich einen eigenen Laptop und ihr erstes Spiel. 
Von da an war es um sie geschehen: Eine lange und bis heute ungebrochene Liebe zu Videospielen war das Ergebnis. 
Viele der Spiele, die sie heute noch wertschätzt, waren Empfehlungen: Von Fachmarkt-Mitarbeitern, Jüngeren, Kollegen… Und auch sie selber empfiehlt gerne weiter: Ihrer 87-jährigen Mutter kaufte sie damals einen Computer mit einem kleinen Drei-Gewinnt-Spiel. Ihrer Nachbarin empfiehlt sie regelmäßig mobile Games. Die machen auch Spaß. 
Es sei egal, was jemand spielt, Hauptsache es passe zu ihm oder ihr. Das Angebot sei so groß, dass es für jeden möglich sei etwas zu finden. 
Eines sei allerdings wichtig: Man muss eine gewisse Bereitschaft mitbringen. Anders, als der Herr, mit dem ich mich unterhalten hatte, sei sie nicht der Meinung, dass Videospiel zu kompliziert aufgebaut seien. Viele Menschen erwarten nur das Falsche: Es bringe nichts, sich einfach nur berieseln zu lassen. Wer ein neues Hobby annimmt, wird immer Zeit und Aufwand hineinstecken müssen. 
Natürlich gibt es Spiele, die nicht für Einsteiger geeignet sind, man könne sich aber hocharbeiten.



Offenheit ist also wichtig: Nicht nur von Spieleinteressierten, sondern auch von bereits Spielenden. Denn auch wir als Gamer könnten hin und wieder etwas offener auftreten. 
Videospiele sind ein junges Medium und haben viel Luft nach oben in ihrer Entwicklung. Ganz im Sinne des diesjährigen PLAY-Mottos – Ready, Game, Change! - können wir alle gemeinsam dazu beitragen, dieses Potential auszuschöpfen!
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Dieser Artikel wurde verfasst von:
Lilly Geissler (20)

Bildnachweise

[1]Lilly Geissler

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