spielbar-Jugendredaktion

Hectarium – das Strategiespiel zum ökologischen Anbau

03.11.2018
Die Speaker's Corner des PLAY18-Festivals bot dieses Jahr die Möglichkeit für alle interessante Projekte vorzustellen und über Themen rund ums Spielen zu diskutieren.
Hier stellte Anke Petersen ihr Projekt namens Hectarium vor, welches sie in Zusammenarbeit mit Diego Briceño konzipierte. Dabei handelt es sich zunächst um eine Webserie, die Petersen im Rahmen ihrer Arbeit als Filmproduzentin mitgestaltete. In dem Trailer zu der Videoreihe, den sie in ihrem Talk auch zeigte, wird als Ausgangspunkt ein Gedankenexperiment vorgestellt: Wenn wir alle momentan benutzten Hektar an Land, die für Landwirtschaft oder Fleischproduktion herhalten müssen, gerecht unter den Menschen aufteilen würden, wie würde man selbst damit umgehen? Dieser Acker hätte dann etwa die Größe eines Fußballfeldes.

Hectarium fragt: Wie würde man die landwirtschaftliche Fläche verwenden, wenn diese gleichmäßig unter den Menschen aufgeteilt würde?

In den sieben Videos, die bereits auf dem Kanal veröffentlicht wurden, werden Farmer aus verschiedensten Regionen vorgestellt, die versuchen, aus solch einer kleinen Fläche das meiste herauszuholen. Zum Beispiel wird eine Initiative in Kanada gezeigt, bei der auf einer gerade mal 1,5 Hektar großen Fläche ca. 60 unterschiedliche Pflanzen angebaut werden, die ganze 50 Menschen mit Essen versorgt. Basierend auf diesen realen Farmen entstand die Idee, hieraus ein „serious game“ zu entwickeln. Dazu hat sich Anke Petersen mit einem Artwork Team in Kanada sowie den Berliner Honig Studios zusammengetan, um den Spielern mit Hectarium ihre entscheidende Rolle als Verbraucher aufzuzeigen und wie diese den Markt beeinflusst. Im Spiel, das momentan noch in der Entwicklung steckt, muss man als SpielerIn das kleine Stück Land richtig ökologisch nutzen und dabei immer auf Faktoren wie den Wasserhaushalt der Farm oder die Gesundheit des Farmers achten. Auch der Zustand des Bodens soll beim Anbau von Pflanzen eine wichtige Rolle einnehmen. Die Daten, die hierzu verwendet werden und auf welche Weise diese einzelnen Faktoren sich untereinander beeinflussen, sind auch realen Statistiken entnommen. Im späteren Spielverlauf sollen dann bestimmte Events stattfinden, die den Farmalltag erschweren, so wie große Mückenplagen oder Naturkatastrophen. „Oder wenn Trump mal wieder was sagt und Zölle erhebt“, meint Petersen. Weiterhin soll der Spieler auch mit der exponentiell wachsenden Weltbevölkerung umgehen müssen.

In ferner Zukunft wird das Spiel auch einen Multiplayer erhalten, in dem die Spieler untereinander zum Beispiel Handel betreiben können und kooperieren müssen, um gemeinsam das Ziel einer ökologischen Lebensweise zu erreichen. Hectarium erscheint dabei wie ein sehr lösungsorientiertes Strategiespiel, bei dem es nicht darum gehen soll gegen irgendetwas anzukämpfen, sondern stattdessen Lösungswege sowie -ansätze zu finden, um ein ökologisches Gleichgewicht zu erreichen. Somit wird demjenigen oder derjenigen vor dem Bildschirm spielerisch ein nachhaltiges Denken beigebracht.

Hectarium hat noch kein Erscheinungsdatum, jedoch soll wohl in nächster Zeit eine Kickstarter Kampagne zur weiteren Finanzierung des Projekts an den Start gehen. Für weitere Informationen sollte man die Website im Auge behalten.
Platzhalter
Dieser Artikel wurde verfasst von:
Amon Oberhofer (19)

Bildnachweise

[1]CC, wobogre[2]Hectarium / hectarium.de

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