spielbar-Jugendredaktion

Ein Colossus trällert nicht

02.12.2019
Zwischen Monstern und Menschen bewegte sich die Ausstellung bei der PLAY19. Die ausgestellten Spiele zeigen die Funktionen der Monster in Games. Sie sind eine offene Projektionsfläche und können alle möglichen Gefühle auslösen.
Das PLAY!-Festival 2019 stand unter dem Motto Of Monsters and Games. Monster, Menschen und für Awards nominierten Spiele – in diese drei Bereiche war die Ausstellung gegliedert. Auf der Monster-Seite konnten Spielerinnen und Spieler Monster wie die Kolosse in Shadow of the Colossus vermöbeln. Sie konnten durch die Chaos verbreitende Gans aus Untitled Goose Game selbst in die Rolle eines Monsters schlüpfen. Auf der Menschen-Seite befassten sich Spielerinnen und Spieler mit den Problemen und Abgründen der Menschheit.

Auf der PLAY19 wurde Shadow of the Colossus ausgestellt.


Als Schlepper Menschen über das Mittelmeer schicken


Beim Spielen auf der Menschen-Seite wird klar: Wir Menschen bleiben beim Spielen immer auch ein Stück weit unserer eigenen Lebensrealität verhaftet. So gehen wir beim Spielen von Passengers, in dem wir als Schlepper Menschen über das Mittelmeer schicken, mit einer bestimmten Vorerwartung ins Spiel. Entsprechend unserer Einstellung erleben wir das Spiel auf unterschiedliche Weise. Wir entscheiden, welches Boot wir kaufen, ob wir nur Menschen mit hohem Bildungsgrad mitnehmen oder wir nur daran interessiert sind, ob sie unsere Kosten decken. Das Spiel gibt uns keine Auskunft darüber, ob wir etwas richtig oder falsch gemacht haben. Manche werden es als Erfolg empfinden, alle Menschen lebend an ihr Ziel zu bringen, andere es zu schaffen, die Menschen mit dem meisten Geld oder den aus ihrer Sicht richtigen Zielen hinüber zu bringen.

Passengers zeigt, dass wir mit den Vorstellungen der Menschen buchstäblich spielen können. Die Spiele auf der Menschen-Seite der PLAY19-Ausstellung können dadurch Probleme in der Realität direkt kritisieren, von einen anderen Standpunkt betrachten oder eine Diskussion auslösen.

Gänse und Kolosse sind verschiedene Monster


Bei Monstern gibt es keine Grenzen für das, was sie sind oder können. Sie müssen nur in das Setting des Spiels passen und in sich schlüssig sein. So kann ein Monster für uns alles von der Gans aus Untitled Goose Game bis zum Koloss aus Shadow of the Colossus sein. Die Gans kann aber nicht willkürlich anfangen Superkräfte zu entwickeln und der Colossus nicht plötzlich fröhlich Liedchen trällern. Das Gleiche trifft auf die Spielmechaniken zu: Da wir die Kolosse besiegen müssen, brauchen sie Stärken und Schwächen. Sie müssen eine Gefahr für uns darstellen. Wir müssen aber auch eine Chance haben, sie besiegen zu können. Damit die Gans unter den Dorfbewohnern Chaos verbreiten kann, muss das Spiel uns beibringen, wie wir Gegenstände aufnehmen können, um Streiche zu spielen, aber auch, dass die Gans erwischt werden kann.

Die Gans im Untitled Goose Game mopst dem Gärtner das Radio.


Ein Beispiel dafür, dass auch Spiele mit Monstern Denkanstöße geben können, ist Sea of Solitude. Die Protagonistin Kay muss sich ihren inneren Konflikten in Form von Monstern stellen. Während wir wie in einem klassischen Adventure gegen Monster kämpfen und Hindernisse überwinden, geht es vor allem darum, auf die Einsamkeit vieler junger Menschen aufmerksam zu machen.

Monster können bedrohlich sein und uns zum lachen bringen


Es ist nicht verwunderlich, dass wir Monster benutzen, um Gegner, Hindernisse oder Probleme zu personifizieren. Gut so: Erst wenn wir wissen, was genau unser Problem ist und was es kennzeichnet, können wir anfangen, daran zu arbeiten. Monster können offene Projektionsflächen für uns sein. Sie können uns Emotionen vermitteln. Monster können bedrohlich sein – oder uns helfen und uns zum Lachen bringen. Digitale Spiele bieten im Vergleich zu anderen Medien die Möglichkeit, nicht nur Bilder von Monstern zu vermitteln, sondern mit Monstern in eine Beziehung zu treten.
Platzhalter
Dieser Artikel wurde verfasst von:
Pauline Hohberg (Jugendredaktion)

Siehe auch

spielbar-Jugendredaktion

Wer ist hier eigentlich das Monster?

Wie würden Sie es finden, wenn jemand zu Ihnen nach Hause kommen würde und alles so umbaut wie es ihm gefällt? In dem Workshop „Let’s tell their Story“ beim PLAY19-Festival haben wir uns mit den „Monstern“ in Subnautica auseinandergesetzt.

spielbar-Jugendredaktion

Wie ist es wohl ein Zombie zu sein? - Ein Zombie-Selbsttest

Ein schlaffer Gang, trüber Blick, ein nicht zu stillender Hunger und der Jagdinstinkt als einziger Antrieb. Jugendredakteurin Isabella Kalz schlüpft auf der PLAY19 in die Rolle eines Zombies.

Spielebeurteilung

Shadow of the Colossus

Das filmähnliche Action-Adventure „Shadow of the Colossus" gilt aufgrund seiner ungewöhnlich entschleunigten Spielatmosphäre als Meisterwerk für die PlayStation 2. Auf der langen Reise durch weitläufige Landschaften stellt man die Richtigkeit des eigenen Handelns in Frage.

Bildnachweise

[1]Spielbar.de[2]Josephine Hohberg[3]Untitled Goose Game / House House / Pressematerial[4]PLAY19 / https://playfestival.de/2019/08/11/lets-tell-their-story/[5]Foto: Maria Manneck