Spielebeurteilung

Duelyst

30.08.2016
Das als Kickstarter-Projekt gestartete Onlinespiel Duelyst erfindet das Prinzip der Sammelkartenspiele neu. Statt Karten auf den digitalen Tisch zu legen, werden Figuren auf einem Spielbrett positioniert. Der neue Twist sorgt für viel Spannung bei jeder Partie. Vorsicht aber vor Micropayment -Angeboten.

Ein Spielbrett, zwei Generäle, die sich gegenüberstehen. So beginnt jede Partie im rundenbasierten Strategiespiel Duelyst. Aufgebaut ist das Spiel wie ein typisches Sammelkartenspiel á la Hearthstone oder Magic. Zwei Spielende duellieren sich, indem sie jede Runde neue Karten erhalten und diese ausspielen. Dabei gilt es taktisch klug vorzugehen.

Zwei Faktionen stehen sich zum Duell gegenüber. Am unteren Bildschirmrand werden die Karten angezeigt, die die Spielenden momentan auf der Hand haben.
Bevor eine Partie startet, wählt man eine der sechs sogenannten Faktionen aus. Jede Faktion besitzt ein eigenes Kartendeck und spielt sich daher anders. Zu Beginn erhält man fünf Karten, von denen man, falls gewünscht, zwei austauschen kann. Dann beginnt das Spiel. Als Aktionsmöglichkeit kann man zum einen die Karten auf der Hand ausspielen, zum anderen kann man aber auch die Figuren, die sich auf dem Feld befinden, bewegen. Hier liegt der größte Unterschied zu anderen Sammelkartenspielen: Während man bei Hearthstone tatsächlich statische Karten aufs Spielbrett legt, werden diese in Duelyst als bewegliche Figuren dargestellt.

Durch die Minion-Karten beschwört man weitere Kämpfer/innen auf das Spielfeld. Diese können sich nur innerhalb eines bestimmten Radius bewegen, hier markiert durch die leuchtenden Felder.
Die unterstützenden Kämpfer/innen, Minions genannt, können sich immer eine bestimmte Anzahl von Feldern pro Runde fortbewegen, ebenso der eigene General. Um einen Gegner anzugreifen, muss sich die entsprechende Figur auf einem der benachbarten Felder befinden. Wie viele Lebenspunkte eine Figur verliert, entscheidet der Angriffswert. Sinken die Lebenspunkte auf null, scheidet die Figur aus der Partie aus. Das Duell ist gewonnen, wenn man den gegnerischen General besiegt hat. Neben den Minions gibt es Karten, die die Werte der Figuren verbessern, einen Zauber ausführen oder andere Effekte auf die Partie haben. Wie viele Karten man pro Runde ausspielen kann, ist von deren Mana-Kosten abhängig. Die Manapunkte werden zu Beginn einer Runde wieder zum Teil aufgefüllt, Ereignisfelder auf dem Spielbrett geben zusätzliche Manapunkte.

Um Gegner anzugreifen, muss man in der Regel auf einem benachbarten Feld stehen. Es gibt aber auch Ausnahmen: Einige Minions können Fernangriffe ausführen.
Gesteuert wird Duelyst hauptsächlich mit der Maus. Mit gedrückter Maustaste zieht man die Karten oder Figuren auf die gewünschte Position. Man kann entweder gegen einen Computergegner oder über den Onlinemodus gegen reale Personen spielen. Duelyst funktioniert nach dem Free2Play -Modell. Das heißt, es steht kostenlos zur Verfügung, zusätzliche Inhalte können aber gegen Echtgeld gekauft werden. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es derzeit nicht, alle Texte sind nur auf Englisch verfügbar.

Bildnachweis

[1]CounterPlay Games[2]CounterPlay Games[3]CounterPlay Games

Pädagogische Beurteilung:

Duelyst geht als Sammelkartenspiel ungewöhnliche Wege. Die Art, wie die Figuren auf dem Spielbrett bewegt werden, erinnert an strategische Rollenspiele wie Fire Emblem. Allerdings mit einer Zufallskomponente. Das Glück entscheidet in Duelyst darüber, welche Karte (und damit welchen Minion, Zauberspruch oder Boost) man an welcher Stelle der Partie auf die Hand bekommt. Das sorgt für Spannung. Denn auch potentiell übermächtige Gegner können bezwungen werden – hat man nur das gewisse Quäntchen Glück.

Zu Beginn hilft ein Tutorial dabei, sich in den Grundprinzipien von Duelyst zu Recht zu finden. Dieses ist in drei Partien mit drei unterschiedlichen Gegnern aufgebaut. Jede Partie folgt dabei demselben Aufbau. Zunächst werden die wichtigsten Schritte für die Lektion erklärt: Wie beschwört man Minions? Wie wendet man Zaubersprüche an? Danach folgt eine „Challenge“ (deutsch: Herausforderung), in der man aufgefordert wird, das Erlernte anzuwenden. Neulinge des Genres werden so nicht überfordert und haben genügend Zeit, das Spielprinzip zu verinnerlichen. Für bereits erfahrende Spielende bietet Duelyst dagegen genügend taktische Möglichkeiten, sich an verschiedenen Spielstilen auszuprobieren und die eigene Strategie zu perfektionieren. Dabei muss nicht nur bedacht werden, welche Karte man wann spielt, sondern auch welche Positionen die einzelnen Figuren einnehmen. Schützt man den eigenen General nicht ausreichend, ist das Duell schnell verloren.

Die Kampfhandlungen in Duelyst werden sehr abstrakt dargestellt. Besiegte Figuren fallen um und lösen sich in Luft auf. Die Mischung aus Comicoptik in den Artworks und Pixeloptik auf dem Spielbrett gibt weitere Distanzierungsmöglichkeiten an die Hand. Problematischer zu bewerten ist das generelle Konzept hinter Free2Play-Spielen, zu denen Duelyst gehört. Diese finanzieren sich hauptsächlich über den Verkauf von digitalen Gütern zu Kleinstbeträgen. Es gibt zwar die Möglichkeit, alle erwerbbaren Karten freizuspielen. Allerdings lockt die Versuchung, diesen langwierigen Weg abzukürzen, indem man Beträge ab 2.99 Euro ausgibt.

Fazit:

Duelyst fördert auf spannende, amüsante Weise das taktische Denken. Jede Entscheidung zählt. Auch Neulinge finden schnell in das Spiel und können sich ohne Vorkenntnisse an den Duellen versuchen. Aufgrund der Möglichkeit zu Kleinbetragszahlungen, dem kampfbetonten Inhalt und den vorausgesetzten Englischkenntnissen, eignet sich Duelyst erst ab einem Alter von 12 Jahren.
Sarah Pützer
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Siehe auch

Spielebeurteilung

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