Spielebeurteilung

Human Resource Machine

05.11.2015
Als kleine Arbeiterin oder kleiner Arbeiter muss man in Human Resource Machine knifflige Puzzle lösen und schreibt mit realen Befehlen ein Programm für den Arbeitsablauf. Das funktioniert dank Baukasten ganz ohne Nullen und Einsen – ein optimaler Einstieg für Hobbyprogrammierer!

Als kleiner Neuling beginnt man in Human Resource Machine seinen ersten Tag in einer großen Fabrik. Die Aufgabe ist zunächst einfach: Bringe Boxen von der linken auf die rechte Seite. Allerdings nicht durch einfache Bewegungseingaben. In dem Indie Game müssen alle Abläufe programmiert werden.

Zunächst beginnt Human Resource Machine noch ganz leicht. Mit nur drei Befehlen kann man nicht viel falsch machen.
Das Programmieren in Human Resource Machine funktioniert mittels eines Befehlsbaukastens auf der rechten Seite des Bildschirms. Durch den Befehl „Inbox“ nimmt man eine Box auf, durch den Befehl „Outbox“ lädt man sie auf der rechten Seite ab. Soll dieser Ablauf endlos weiterlaufen, setzt man einen „Jump“-Befehl ans Ende und lässt die Kette wieder von vorne beginnen. Ist das „Programm“ fertig geschrieben, klickt man auf den Play-Button und schaut sich das Ergebnis an. Bei einem Fehler kann man so lange an dem geschriebenen Programm herumtüfteln, bis man eine Lösung gefunden hat. Eine bestimmte Versuchsanzahl oder ähnliches gibt es in Human Resource Machine nicht.

Danach werden die Aufgaben kniffliger. Die Zahlen auf den Boxen müssen beispielsweise addiert oder subtrahiert werden.
Nach und nach kommen seitens des Chefs neue Bedingungen dazu, welche Boxen in welcher Reihenfolge auf das rechte Förderband abgelegt werden sollen. Dafür erhält man weitere Befehle. Man muss beispielsweise Zahlen, die auf den Boxen stehen, miteinander addieren, subtrahieren oder kopieren. Nach jedem erfolgreich beendeten Level , steigt der eigene Charakter eine Etage in der Fabrik auf. Zwischendurch gibt es kleine „Kaffeepausen“, in denen die Hintergrundgeschichte von Human Resource Machine weitererzählt wird.

In den Kaffeepausen wird die Geschichte vorangetrieben.
In dem Spiel sind drei Speicherstände vorhanden, weitere Spielmodi gibt es keine. Für geübte Programmiererinnen und Programmierer gibt es außerdem besondere Herausforderungen in jedem Level, wie zum Beispiel möglichst wenig Befehle für die Lösung zu benutzen.

Bildnachweis

[1]Human Resource Machine[2]Human Resource Machine[3]Human Resource Machine

Pädagogische Beurteilung:

Spielend leicht programmieren lernen – so das Versprechen des Entwicklerstudios hinter Human Resource Machine. Die ersten Level gehen auch leicht von der Hand und geben so Zeit, sich an das Spielprinzip zu gewöhnen. Danach wird es knifflig. Zwar gibt es Hilfestellung vom Abteilungsleiter beziehungsweise von der Abteilungsleiterin – steht man aber komplett auf dem Schlauch, hilft diese nur bedingt weiter.

Um in den höheren Leveln Erfolg zu haben, muss man sich stark konzentrieren und den Überblick über die eigene Befehlskette behalten. Hier hilft ein Kommentiersystem innerhalb des Spiels weiter, mit dem man bestimmten Abschnitten einen Namen geben kann. An dieser Stelle besitzt Human Resource Machine das Potential, Informatik- und Programmierbeginnern spielerisch Praxiserfahrung näherzubringen. Man hat weder eine Platz- noch eine Zeitbeschränkung und kann in Ruhe seine Ideen ausprobieren. Falls man zwischendurch von vorne beginnen möchte, ohne seinen alten Ansatz zu verlieren, kann man im Baukasten zwischen drei verschiedenen Registern wechseln. Tüftelt man lange an einem Programm und findet schließlich eine Lösung, ist das Erfolgserlebnis groß. Wer sich dagegen für Logikaufgaben nicht begeistern kann, wird mit Human Resource Machine nicht viel anfangen können – dafür bieten die Aufgaben zu wenig Abwechslung.

Eingebettet in eine liebevoll inszenierte Geschichte überzeugt Human Resource Machine wie bereits die Vorgänger Little Inferno und World of Goo durch seinen schwarzen Humor. Da gibt es einerseits die drei Kolleginnen, die sich in ihrer Kaffeepause über oberflächliches Geplänkel unterhalten, während um sie herum die Welt untergeht. Andererseits wird die Sinnlosigkeit des eigenen Tuns unterstrichen. Immerhin trägt man 40 Jahre lang (jedes Level entspricht einem Jahr) Boxen von links nach rechts, ohne zu wissen warum. Der düstere, trotzdem kindlich wirkende Comicstil trägt sein Übriges zum sarkastischen Unterton bei. Schade nur, dass die Story insgesamt etwas zu kurz kommt. Im gesamten Spiel sind nur sechs der Plot voranbringenden „Kaffeepausen“ verteilt.

Fazit:

Wer vor kniffligen Denkaufgaben nicht zurückschreckt, wird mit dem dunklen Humor hinter Human Resource Machine viel Spaß haben und nebenbei die Grundlagen des Programmierens kennenlernen. Dafür muss allerdings ein prinzipielles Interesse am Fach vorhanden sein. Die düsteren Untertöne und der hohe Schwierigkeitsgrad eignen sich erst für Hobbyprogrammierer ab 12 Jahren.
Sarah Pützer
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Siehe auch

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Little Inferno

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