Spielebeurteilung

Never Alone

03.08.2015
Never Alone widmet sich der Folklore der Ureinwohner Alaskas und begleitet das Iñupiat-Mädchen Nuna und den weißen Fuchs auf ihrer gefährlichen Reise durch eisige Schneewelten. Das Serious Game verbindet dafür ein Jump’n’Run-Spiel mit einer Dokumentation der Iñupiat-Kultur.

Das Dorf des kleinen Iñupiat-Mädchens Nuna wird von einem tobenden Schneesturm heimgesucht. Um herauszufinden, was die Ursache dafür ist, bricht Nuna auf eine Reise durch den eisigen Norden Alaskas auf. Als sie von einem Eisbären bedroht wird, rettet ihr ein kleiner Polarfuchs das Leben und begleitet sie von da an auf ihrem Weg. Dabei treffen sie auf fremde Wesen, helfende Geister und bedrohliche Kreaturen.

Zusammen mit dem weißen Polarfuchs macht sich Nuna auf den Weg. Dabei begegnen ihr immer wieder eisige Winde, in denen sie sich nur schwerlich fortbewegen kann.
Aufgebaut ist Never Alone wie ein typisches Jump’n’Run. Nuna und der weiße Fuchs hüpfen durch die von Eisschollen und Schnee dominierte 2D-Spielwelt, laufen vor Bären und Schurken davon und müssen kleinere Rätsel lösen. Dafür ist es notwendig, an den richtigen Stellen zwischen den beiden Figuren zu wechseln, da sie jeweils eigene Spezialfähigkeiten besitzen. Während Nuna mit einer Iñupiat-Waffe namens Bola Eis zerspringen lässt, ist der Polarfuchs in der Lage, höher zu klettern. Außerdem kann er Geister herbeirufen, die Nuna und den Fuchs beim Überwinden der Hindernisse helfen. Spielt man Never Alone im Koop-Modus übernimmt jeweils eine Person die Rolle von Nuna beziehungsweise vom Polarfuchs.

Während die meisten Geister Nuna und dem Fuchs weiterhelfen, hindern die grünen Nordlichter die beiden am Weiterkommen. Hier heißt es, den richtigen Moment zum Springen abpassen.
Mit jedem Spielfortschritt schaltet man filmische Dokumentationen zur Kultur der Iñupiat frei. Diese bringen den Spielenden einerseits Mythen der Ureinwohner Alaskas näher, andererseits geben die Videos Hintergrundinformationen zu bestimmten kulturellen Gegenständen, wie beispielsweise der Bola. Die Geschichte wird von einem Sprecher erzählt, der dafür Iñupiaq, die Sprache der Iñupiat, benutzt. Die Untertitel und Texte wurden alle ins Deutsche übersetzt.

In einigen Sequenzen werden Nuna und der Fuchs verfolgt. Hier müssen sie vor einem hungrigen Eisbären davonlaufen.

Bildnachweis

[1]Never Alone, Presse-Material, E-Line Media[2]E-Line Media[3]E-Line Media[4]E-Line Media

Pädagogische Beurteilung:

In Never Alone findet man leicht hinein. Muss man zunächst nur Nuna nach links oder rechts bewegen, kommen erst nach und nach weitere Fähigkeiten hinzu. Diese lernt man dank kurzen Tutorial-Anweisungen und kleinen Übungspassagen sehr schnell. Der Schwierigkeitsgrad steigt nur allmählich, sodass Never Alone die Spielenden langsam an die Steuerung heranführt.

Die Rätsel in Never Alone folgen in den meisten Fällen dem Muster „wie komme ich von A nach B?“. Hier ist logisches Denken gefragt, indem man Kisten an die richtige Stelle verschiebt, Geister zum Leben erweckt und Gegner überlistet. So kommt man seinem Ziel Stück für Stück näher. Damit man die oftmals kniffligen Sprungpassagen in Never Alone besteht, braucht man viel Geschick und vor allem das richtige Timing. An manchen Stellen gelingt ein Sprung nur, wenn er genau im richtigen Moment ausgeführt wird. Scheitert man dennoch und Nuna oder der Fuchs fallen in die Tiefe, startet man direkt vor der Sprungpassage erneut. Speicherpunkte sind in Never Alone sehr großzügig verteilt, sodass sich hier bei den Spielenden auch nach mehrfachen Scheitern selten Frust einstellt. Eine begrenzte Anzahl an Leben oder ähnliches gibt es in dem Spiel nicht.

Als Serious Game möchte Never Alone auch gleichzeitig die Spielenden informieren. Das Spiel verbindet daher eine Dokumentation der Iñupiat-Kultur mit einem fordernden Jump’n’Run. Nicht nur die Spielwelt ist von den zahlreichen Mythen und Sagen inspiriert, es gibt auch zusätzlich zahlreiche Videos, die über die Ureinwohner Alaskas informieren. Es handelt sich dabei größtenteils um persönliche Berichte der heutigen Iñupiat, die von Kindheitserinnerungen, ihrem Alltag und ihrer Lebenswelt handeln. Qualitativ sind die Videos sehr hochwertig und geben dem Volk selbst eine Stimme, statt Anthropologen und Forscher über sie sprechen zu lassen. Allerdings wirken die Videosequenzen von dem Spiel losgelöst und sind in das Geschehen nicht integriert.

Die Geschichte von Never Alone wird in Inupiaq erzählt und auf Deutsch untertitelt. Um der Geschichte zu folgen, sind daher Lesekenntnisse erforderlich. Zudem enthält Never Alone einige Verfolgungssequenzen, die jüngere Kinder unter Anspannung setzen können. Der Koop-Modus bietet hier die Möglichkeit, dass Eltern gemeinsam mit ihrem Kind spielen und so über Verständnisprobleme oder spannende Passagen hinweghelfen können.

Fazit:

Never Alone ist ein kurzes, dafür aber faszinierendes Jump’n’Run-Spiel, das Neugierde für die Iñupiat-Kultur weckt. Informationen zu den Iñupiat werden leider nicht interaktiv im Spiel, sondern in Videoform abgedeckt. Spielen Kinder mit Unterstützung ihrer Eltern eignet sich Never Alone ab einem Alter von 8 Jahren.
Sarah Pützer
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