Spielebeurteilung

Stronghold Crusader 2

19.12.2014
Burgen belagern und pestverseuchte Kühe über die gegnerische Burgmauer katapultieren? Das geht in Stronghold Crusader 2. Im mittelalterlichen Echtzeit-Strategiespiel kann man seine Gegner mit allerlei Unrat malträtieren und gleichzeitig Zeuge absurder Spielmacken werden.

Die 2001 gestartete Stronghold-Reihe versetzt die Spielenden in die Rolle eines mittelalterlichen Burgherren, der eine Wirtschaft aufbauen, gegen äußere Angriffe verteidigen und seine Gegner besiegen muss. Im Gegensatz zur Genre -Konkurrenz Age of Empiresliegt der Fokus auf dem Burgenbau und komplexen Waren-Kreisläufen.

Innerhalb der Mauern verwalten wir vielfältige Wirtschaftsbetriebe wie Getreidemühlen, Kerzengießer und Bogenmacher.
Der aktuelle Teil Stronghold Crusader 2 spielt im Heiligen Land zur Zeit der Kreuzzüge. In der 35 Missionen umfassenden Einzelspieler-Kampagne spielt man jedoch keine historischen Konflikte nach, sondern lose zusammenhängende, fiktive Einzel-Herausforderungen gegen einen oder mehrere Computergegner. Während die insgesamt elf Missionen der "Übungskampagnen" von sehr knappen Missionsbeschreibungen eingeleitet werden, fehlt den übrigen 24 "Scharmützel-Zügen" eine solche Rahmenhandlung.

In den meisten dieser Missionen startet man mit einem Bergfried mit einigen Start-Rohstoffen, einer Hand voll Truppen und dem schwer gerüsteten Burgherren, welcher den Spieler oder die Spielerin personifiziert. Das Ziel ist es, den gegnerischen Burgherren zu besiegen, indem man in dessen Burg eindringt und ihn überwältigt. Dazu baut man zunächst eine Wirtschaft auf, die aus Produktionsbetrieben, wie dem Steinbruch oder der Getreidefarm, und aus weiterverarbeitenden Betrieben, wie der Bäckerstube oder den vielfältigen Waffenschmieden, besteht. Land- und viehwirtschaftliche Gebäude können nicht in der Wüste, sondern nur auf den Grünflächen der rar gesäten Oasen platziert werden. Man muss sich also entscheiden, für welche Produkte dieser kostbare Platz genutzt werden soll.

Stronghold Crusader 2 im Mehrspieler-Modus: Ein solches Bollwerk ist nahezu uneinnehmbar.
Die Bevölkerung geht dabei eigenständig ihrem Tagwerk nach. Sie hat vielfältige Bedürfnisse wie Nahrung, Bier und Kerzen, welche ständig im Blick gehalten werden müssen. Je besser die Versorgung ist, desto höher kann man die Steuerschraube drehen. Ist die Bevölkerung unzufrieden, wandert sie nach und nach ab und es fehlt an Arbeitskräften und Rekruten. Sobald man Zivilisten zu Kriegern macht, kann man sie direkt steuern und muss sie merkwürdigerweise auch nicht mehr ernähren. Für jede Rekrutierung benötigt man neben untätigen Bauern auch die passende Ausrüstung und etwas Gold. Laufenden Sold verlangt das Heer nicht.

Zur Auswahl stehen verschiedene Arten von Nahkämpfern und Bogen- und Armbrustschützen. Zusätzlich gibt es den Söldnerposten, wo ganz ähnliche, arabisch statt europäisch gestaltete Einheiten zur Verfügung stehen, die jedoch keinerlei Ausrüstung benötigen und stattdessen mehr Gold kosten. Außerdem gibt es eine Vielzahl an Katapulten, außerdem Ballisten und Rammböcke, welche im Belagerungscamp produziert werden können. Diese Belagerungsgeräte sind meist notwendig, um die gegnerische Burg zu knacken.

Keine Kollision: Bei größeren Heeren lässt sich nur erahnen, wie viele Einheiten hier übereinandergestapelt sind.
Die Burgen liegen nicht als fertige Bausätze vor, die Mauern und Türme werden stattdessen individuell von den Spielenden gestaltet. Jeder hat dafür einen kleinen Bereich um seinen Startplatz zur Verfügung.
Matthias Uzunoff (bpb)
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Bildnachweis

[1]Firefly Studios[2]Stronghold Crusader 2[3]Stronghold Crusader 2[4]Stronghold Crusader 2

Pädagogische Beurteilung:

Wer mit Stronghold Crusader 2 ein Spiel erwartet, mit dem man spielend Geschichte lernen kann, wird enttäuscht sein. Geschichtliches Wissen wird wenn überhaupt nur am Rande vermittelt. Stattdessen stehen fiktive kriegerische Auseinandersetzungen im Mittelpunkt. Ein pädagogischer Einsatz im Geschichtsunterricht kommt daher kaum infrage.

Weil alles in Echtzeit abläuft, muss man gleichzeitig die eigene Wirtschaft aufbauen und die Bevölkerung versorgen, und parallel dazu eine Burg errichten und das Militär steuern. Je nach Spielsituation kann das sehr hektisch werden und Einsteiger überfordern. Insbesondere im Mehrspieler-Modus entwickeln sich dagegen auch sehr festgefahrene Situationen, in denen sich fast uneinnehmbare Burgen gegenüberstehen.

Leider krankt das Spiel an zahlreichen Ecken an einer mangelhaften Umsetzung. Beispielsweise gibt es keine Einheiten-Kollision, weshalb auf ein und demselben Fleck eine ganze Armee von Kriegern oder gar Katapulten stehen kann. Weitere Beispiele: Einfachste Keulenkämpfer reißen zivile Gebäude binnen Sekunden ein, Ärzte können Katapulte „heilen“, und Brandstifter laufen in das von ihnen selbst gelegte Feuer. Noch schwerwiegender ist, dass der Mehrspielermodus kaum spielbar ist, weil es zahlreiche Abstürze gibt und nur sehr wenige Spieler online sind. Die Einzelspieler-Missionen, welche einen Umfang von etwa 30 Stunden haben, kranken zudem an der künstlichen Intelligenz. Die Computergegner stellen sich sehr ungeschickt an und sind nur deshalb eine Gefahr, weil sie teils immense Startvorteile erhalten.

In Stronghold Crusader 2 schicken Burgherren ihre Kämpfer gegeneinander in den Krieg; Gewalt ist also durchaus ein zentrales Spielelement. Jedoch verzichtet das Spiel auf übertriebene Gewaltdarstellungen. Gestorbene Krieger fallen physikalisch korrekt zu Boden, aber es fließt kein sichtbares Blut und die Leichen versinken nach wenigen Sekunden im Boden. Die Darstellung bleibt also als Fiktion erkennbar, zumindest für Spielerinnen und Spieler ab 12 Jahren.

Fazit:

„Durchwachsene Burgen-Belagerung ohne Bildungsanteile“
Matthias Uzunoff (bpb)
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Siehe auch

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Lutz Schröder (2012):

Computerspiele als ein neuer Zugang zu Geschichtsthemen? Das Beispiel Empire: Total War

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