Spielebeurteilung

Little Inferno

22.12.2014
Feuer ist gefährlich und faszinierend zugleich. Das hat auch das Entwicklerstudio hinter dem Indie Game Little Inferno erkannt. Aufgabe im Spiel: Verbrenne alle möglichen Gegenstände. Das Denkspiel überzeugt mit düsterem Humor und einer spannenden Story, die eher für Jugendliche und Erwachsene geeignet ist.

Die Welt wird immer kälter, die Rauchschwaden über der Stadt immer dichter. In der Welt von „Little Inferno“ gibt es nur einen Weg, um sich warm zu halten: Alles verbrennen, was man besitzt.

Dafür nutzt die namenlose Hauptfigur den sogenannten „Little Inferno Entertainment Fireplace“. Das Gameplay basiert hauptsächlich auf dem Verbrennen von Gegenständen. Briefe von anderen Spielfiguren, wie von der Erfinderin des Kamins Miss Nancy oder der Nachbarin Sugar Plumps, treiben die Geschichte in Little Inferno voran. Indem man die ersten Briefe verbrennt, erhält man die ersten Münzen. Mit diesen kann man verschiedene Gegenstände in Katalogen bestellen. Indem man diese verbrennt erhält man erneut Münzen – jedes Mal mehr, als der gekaufte Gegenstand gekostet hat, sodass man Münzen dazuverdient. Die Bandbreite reicht dabei von einfachen Bauklötzen bis zu Planeten und Sonnen im Miniaturformat.

Im Kamin kann man alle möglichen Gegenstände verbrennen – auch Briefe und Fotos.
Jeder dieser Gegenstände verhält sich im Feuer anders: Glühbirnen zerspringen beispielsweise, eine Fackel intensiviert die Flammen im Kamin. Verbrennt man zwei oder drei gleichzeitig, kann man so bestimmte Kombinationen hervorrufen. Zum Beispiel müssen für die „Bauklotz-Kombination“ ein Ziegelstein und Holzbauklötzchen zusammen verbrannt werden. Hat man eine bestimmte Anzahl an Kombinationen geschafft, kann man den nächsten Katalog mit neuen Gegenständen freischalten.

Nachbarin Sugar Plumps schreibt der Hauptfigur fleißig Briefe. Manchmal möchte sie kleine Geschenke haben.
Gesteuert wird „Little Inferno“ mit der Maus. Mit der linken Maustaste entzündet man das Feuer im Kamin. Per Drag’n‘ Drop kann man anschließend die Gegenstände aus dem Inventar ins Feuer ziehen und im Kamin selbst hin und her bewegen. In dem Spiel sind drei Speicherstände vorhanden, weitere Spielmodi gibt es keine. Wurde die Geschichte selbst beendet, können die Spielenden weiterhin Gegenstände verbrennen und die restlichen der insgesamt einhundert Kombinationen freispielen.

In verschiedenen Katalogen findet man thematisch sortiert zahlreiche Spielzeuge, Kuscheltiere und Puppen zum Verbrennen.

Bildnachweis

[1]Little Inferno[2]Little Inferno[3]Little Inferno

Pädagogische Beurteilung:

Das Spielprinzip in Little Inferno ist simpel. Man verbrennt verschiedene Gegenstände, experimentiert mit den Fähigkeiten dieser und versucht die verschiedenen Kombinationen zu finden. Der Einstieg fällt ebenfalls leicht. Ein kurzes Tutorial führt die Spielenden bildhaft in die Steuerung ein: Ein Schild aus Holz steht im Kamin und erklärt die wichtigsten Befehle. Erst wenn es verbrannt wurde, geht das Spiel weiter. Auch die Briefe von Miss Nancy und Sugar Plumps helfen beim Einstieg, indem sie weitere Details zum Kamin erläutern.

Ein Erfolgserlebnis im Spiel entsteht, wenn die Spielenden neue Kombinationen herausfinden. Auf einer Liste sind nur die Namen der einzelnen Kombinationen genannt. Welche Gegenstände sich zum Beispiel hinter der „Fernsehabend“-Kombination verstecken, muss man selbst herausfinden. Hier ist Ausprobieren und logisches Denken gefragt. So findet man heraus, dass zum Beispiel aus einem Maiskolben im Feuer Popkorn wird – eine der Zutaten für einen Fernsehabend. Dank fehlendem Zeitlimit oder Highscores sind die Spielenden dabei keinem Druck ausgesetzt.

Little Inferno spielt genau mit dem, was einem als Kind verboten wird: Mit Feuer. Das Spiel durchzieht dabei ein dunkler Humor. An mehreren Stellen wird der Kamin mit dem bezeichnenden Namen Little Inferno Entertainment Fireplace als „sicheres“ Spielzeug betitelt. Stöbert man im Katalog nach neuen Gegenständen zum Verbrennen, wird dies von glücklicher Kaufhausmusik untermalt. Schaltet man einen neuen Katalog frei, hört man Kinderjubel im Hintergrund. Indem man Neues kauft, nur um es zu verbrennen, wird auch ein Bogen zur modernen „Wegwerfgesellschaft“ geschlagen und ein Hauch von Gesellschaftskritik deutlich.

Der Plot selbst ist stimmungsvoll inszeniert. Die Briefe stecken voller düsterer Vorausdeutungen und werden von orchestraler Musik begleitet. Farben existieren nur in den Katalogen und im Schein des Feuers, außerhalb davon wird alles in Grautönen dargestellt und erinnert an die Ästhetik eines Tim-Burton-Films. Leider schöpft Little Inferno sein Potenzial nicht voll aus. Viele Fragen, die für Spannung innerhalb der Geschichte sorgen, bleiben ungelöst, und nehmen so der Spielwelt an Tiefe.

Fazit:

Little Inferno bietet einen Einblick in ein spannend inszeniertes Szenario, von dem man gerne etwas mehr gesehen hätte. Das Gameplay an sich überzeugt mit einer simplen, aber innovativen Idee. Die Texte sind alle auf Deutsch, Englischkenntnisse werden nicht benötigt. Der dunkle Humor ist für Kinder jedoch schwer verständlich, sodass sich Little Inferno erst ab einem Alter von 14 Jahren eignet.
Sarah Pützer
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