Spielebeurteilung

First Strike

22.09.2014
Das abstrakte Strategiespiel First Strike zeigt das erschreckende Szenario eines globalen Atomkriegs ohne Auswegmöglichkeiten. Gewalt ist einziges Konfliktlösungsmittel. Nicht zuletzt die nüchterne Darstellung der Opferzahlen bei Bombeneinschlägen sorgt für Diskussionsstoff.

Die Welt steht am Rande eines Atomkrieges. Das Wettrüsten beginnt. In der Rolle einer von zehn Supermächten gilt es nun, die alleinige Herrschaft über die Erde zu erlangen. Wer als letztes übrig bleibt, „gewinnt“.

Den Spielenden stehen dabei verschiedene Aktionsmöglichkeiten zur Verfügung: Jedes Gebiet innerhalb der kontrollierenden Supermacht kann Waffen bauen. Es gibt insgesamt drei unterschiedliche Waffentypen, mit unterschiedlichen Funktionen, Reichweiten und Bauzeiten. Sobald man im Besitz einer Waffe ist, kann man in deren Reichweite liegende, gegnerische Gebiete angreifen. Wird man im Gegenzug von einer anderen Nation angegriffen, gibt das Frühwarnsystem Bescheid. Ist man dann in dem Besitz einer Abwehrrakete, kann diese zur Verteidigung eingesetzt werden. Durch vorantreiben der Forschung können kraftvollere Waffen erschaffen oder die Effizienz beim Bau von Waffen erhöht werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sein eigenes Territorium durch Einnahme benachbarter Nationen auszudehnen. Dazu müssen benachbarten Nationen allerdings neutral oder besiegt worden sein. Sobald man über mindestens neun Raketen verfügt, kann man das Kommando zum „First Strike“ geben und das gesamte atomare Arsenal auf einen Gegner zu lenken.

Klickt man auf ein Gebiet im eigenen Gebiet, kann man unterschiedliche Aktionen ausführen: U.a. Angriffswaffen bauen, Forschung starten, Angreifen
Jede Aktion, die man ausführt (egal ob Bau, Forschung oder Ausdehnung) benötigt Zeit. Pro Gebiet kann nur eine Aktion gleichzeitig ausgeführt werden. Sind gerade alle Gebiete mit dem Bau einer Waffe oder der Erforschung neuer Verbesserungen beschäftigt, sind sie bei einem gegnerischen Angriff ungeschützt.

Bei einem Angriff werden die Flugbahnen der jeweiligen Raketen angezeigt. Treffen sie ihr Ziel, leuchtet eine Einschlagstelle kurz auf.


YOU WIN? Mit dem Fragezeichen hinter „You Won“ stellt das Spiel im Auswertungsscreen den Sieg der Spielenden in Frage.
Das Spiel verfügt lediglich über einen Einzelspielermodus. Der Schwierigkeitsgrad hängt von der gewählten Nation ab und kann „einfach“, „normal“ oder „unmöglich“ sein. Anfangs stehen lediglich zwei Nationen zur Verfügung. Weitere werden durch Spielerfolge freigeschaltet. Das Spiel ist derzeit nur in Englisch verfügbar.

Bildnachweis

[1]Blindflug Studios[2]Blindflug Studios[3]Blindflug Studios

Pädagogische Beurteilung:

First Strike ist ein kurzweiliges und provokatives Strategiespiel für mobile Plattformen. Der Einstieg erfolgt problemlos. Die Steuerung ist intuitiv. Ein „How to Play“ erklärt zudem die wichtigsten Aktionsmöglichkeiten im Spiel – wenn auch nur auf Englisch.
Um zu gewinnen, ist taktisches Vorgehen unverzichtbar. Es müssen eigene Streitkräfte aufgebaut, gleichzeitig aber gegnerische Angriffe abgewehrt werden. Das Spiel läuft in Echtzeit ab, das heißt Reaktionsgeschwindigkeit wird von den Spielenden ebenso gefordert.

Die musikalische Untermalung ist im Startscreen noch beruhigend schön, leicht abenteuerlich angehaucht. Die Ruhe vor dem Sturm sozusagen. Im Spiel selbst ist die Zeit, in Form einer deutlich tickenden Uhr im Hintergrund, ein ständiger Begleiter der Spielenden. Sobald der erste First Strike angeordnet wurde, wird die Musik deutlich düsterer.

Die Grafik in First Strike ist visuell ansprechend, die Darstellung einfach gehalten. Der Einschlag einer Bombe ist kurz als heller Punkt auf der Erdkugel sichtbar, anschließend folgt eine Auswertung des Angriffs in nüchterner Form: „ISTANBUL WAS HIT. 13576000 PEOPLE DIED.“ Doch auch die vereinfachte Darstellung täuscht nicht über das Ziel des Spiels hinweg. Hier gilt es, ganze Nationen auszulöschen. Alternative Handlungsmöglichkeiten wie diplomatische Streitschlichtungsversuche oder ähnliches gibt es in First Strike nicht. Spannend ist in dem Zusammenhang jedoch der Auswertungsscreen nach Ende des Spiels. Das Fragezeichen hinter „YOU WIN“ wirft eine klare Frage auf: Kann man in dem Spiel überhaupt gewinnen? Kann der Sieg als solcher gefeiert werden, wenn Millionen Menschen ihr Leben lassen mussten? Was soll man zudem auf einem Planeten, der komplett zerstört ist?

Ganz neu ist die Spielidee von First Strike übrigens nicht. Bereits in Defcongriff man das Szenario eines atomaren Weltkrieges auf. Auch hier sorgte der Inhalt trotz abstrakter Darstellung der im Spiel enthaltenen Gewalt für Diskussionsstoff. Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ging seinerzeit auf Nummer sicher und gab Defcon eine Altersfreigabe ab 16 Jahren. Prinzipiell lässt sich diese Einschätzung auch auf das Mobile Game First Strike übertragen.

Fazit:

First Strike bildet ein erschreckendes Szenario ab, in dem Gewalt einziges Konfliktlösungsmittel ist. Trotz abstrakter Darstellung der Gewalt ist hier die Reflektionsfähigkeit der Spielenden gefragt. Es eignet sich daher erst ab einem Alter von 16 Jahren.
Anne Sauer
Dieses Spiel wurde beurteilt von:

Siehe auch

Spielebeurteilung

Defcon

„Defcon" ist ein Independent Game, das für Diskussionsstoff sorgt. Das Strategiespiel erinnert an die Zeiten des Kalten Krieges. Schon die Grafik ist im Stil der 80er Jahre gehalten. Und das Szenario des Spiels ist ein erschreckendes: Globaler thermonuklearer Krieg.

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