Spielebeurteilung

1954: Alcatraz

25.08.2014
Nach Harveys neue Augen aus und Goodbye Deponia geht ein neuer Point-n-Click Adventure Daedalic-Titel an den Start. Doch statt süßen Charakteren und witzigen Rätseln beherrschen obszöne Dialoge und brutale Entscheidungsmöglichkeiten das Spiel. 1954: Alcatraz gleicht einem alten Gangster-Krimi.

Der Mechaniker Joe hat einen Überfall begangen, die Beute versteckt – und sitzt jetzt im Knast. Derweil setzt seine Frau Christine alle Hebel in Bewegung um ihm zur Freilassung zu verhelfen und die Beute wieder zu finden. Die Spielenden schlüpfen nun abwechselnd in die Rolle von Joe und Christine und sammeln Gegenstände, wenden sie an oder kombinieren sie und sprechen mit Bekannten um Informationen zu bekommen.

Die Schauplätze sind detailreich und liebevoll gestaltet.
Ein typisches Rätsel ist z.B. das öffnen von Türen, für das man entweder eine Haarnadel oder einen Nagel braucht. Diese findet man an vielen Stellen. Die Adventure Inventarunlogik kommt in Alcatraz voll zum Tragen. Joe bewegt sich frei durch das Gefängnis, sammelt unterwegs zehn Meter Tau, trägt sie mit sich rum und keine Wache stört sich daran.

Die Spielenden bekommen die Wahl zwischen verschiedenen Antworten. Die Sprache ist dabei oft rau.
Die ersten Aufgaben des Spiels bilden das Tutorial und erklären die Funktionen, die zur Verfügung stehen. Gespielt wird ausschließlich mit der Maus. Zwischen Joe und Christine muss hin und her gewechselt werden, um bestimmte Aufgaben zu lösen. Das Point-n-Click Adventure ist gegliedert in die Gefängnisinsel Alcatraz und die Stadt North Beach, in denen Schauplätze freigespielt- und betreten werden können. Der Hintergrund ist dabei in gezeichneter 2D Optik in mehreren Ebenen gehalten während die Figuren sich in 3D durch das Bild bewegen. Im Menu besteht die Wahl des 50er Jahre-Look Modus.

Im Gefängnis Showdown muss der Schläger Gas-Pipe mit einem Messer aus der Ego-Perspektive erstochen werden.


Anmerkung der spielbar Redaktion: 1945: Alcatraz wurde am 05.12.2013 von der USK als Freigegeben ab 12 Jahren gemäß § 14 JuSchG eingestuft. Des Weiteren gibt es aber Quellen anderen Datums mit einer Angabe ab 16 Jahren.

Bildnachweis

[1]Daedalic[2]Daedalic[3]Daedalic

Pädagogische Beurteilung:

1954: Alcatraz hat einen coolen Story Ansatz, hochwertige, stimmungsvolle Musik und einen liebevoll gestalteten Hintergrund. Die Entwickler haben echte historische Charaktere wie zB. den Alcatraz-Häftling Robert Stroud alias ‚Birdman‘ sowie Verweise auf bekannte Charaktere aus anderen Adventures eingebracht.

Auch die Idee, zwischen zwei Charakteren zu wechseln ist gut gemeint.Die Umsetzung überzeugt jedoch nicht. Das 3D Design der Figuren wirkt eckig, einige Bewegungen sind hölzern und wie auf Schienen. Mit keinem der Charaktere kann man sich so recht identifizieren und es ist einem bei solch blassen, leblosen Gestalten schlichtweg egal, wenn ihnen im Verlauf der faden Handlung etwas zustoßen sollte. Es kommt keine richtige Spannung auf.

Weder Adventure Profis noch Anfänger werden in dem Spiel wirklich gefordert. Komplexe Rätsel gibt es nicht, stattdessen wird stupide nach Gegenständen gesucht und diese können gefühlt nur auf gut Glück kombiniert werden. Im Kontrast dazu werden gegen Ende die Schauplätze weniger und die Spielenden sind gezwungen Personen wiederholt anzusprechen um festzustellen, dass sie auf einmal einen Satz mehr sagen. Dies bringt den Spielfluss zum Erliegen und Frustration stellt sich ein. Gleiches gilt für die linearen Rätsel. Gibt man beispielsweise ein Buch zu früh in Zahlung, kann es später nicht mehr gegen einen entscheidenden Gegenstand getauscht werden und das Spiel lässt sich nicht beenden. Das Spiel speichert übrigens nicht automatisch ab, bei einem Absturz (ist uns passiert) geht also der komplette Spielstand verloren, hat man nicht selbst gespeichert. Das frustriert noch mehr.

Die Spielenden sind dazu Aufgefordert für sich moralisch korrekte Entscheidungen zu treffen, doch in vielen Fällen ist dies gar nicht möglich. Geht Christine beispielsweise fremd, erhält man wichtige Hintergrundinformationen zur Story. Das Spiel versucht zudem gesellschaftliche Probleme anzusprechen. Homophobie, korrupte Beamte und Billiglöhne sind nur einige Beispiele. Doch durch die schiere Anzahl an Anspielungen wirkt es eher aufgesetzt denn die halbe Spielwelt besteht aus Schwulen, Lesben und Transvestiten.

Fazit:

Insgesamt ist die Atmosphäre in 1954: Alcatraz nicht stimmig und die Geschichte langweilig. Obszöne Sprache und der Zwang auf brutale Weise zu interagieren bestimmen das eher monotone Gameplay. Im Spiel hat man die Möglichkeit, von Angesicht zu Angesicht verschiedene Personen zu töten. Dies ist ungewöhnlich hart, insbesondere für ein Adventure. Aus diesen Gründen eignet sich das Spiel ab einem Alter von 16 Jahren. Zum Schutz von Daedalic ist zu erwähnen, dass das Krimi-Abenteuer „nur“ ein eingekaufter, nicht komplett selbst von den Hamburgern entwickelter Titel ist.
Valerie Quade
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Siehe auch

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