Spielebeurteilung

Perspective

21.02.2014
Wenn sich in einem 2D-Spiel plötzlich die Kamera dreht, sieht die Spielwelt auf einmal ganz neu aus und Hindernisse werden zu Wegen. Perspective überzeugt mit einem innovativen Spielkonzept, das nicht nur flinke Finger, sondern auch räumliches Denken verlangt. Die richtige Perspektive ist entscheidend!


Der kleine, blaue Roboter springt seinem Ziel, einem sich drehenden Portal, entgegen. Noch zwei, drei blaue Plattformen weiter nach rechts und es ist geschafft. Nur noch ein roter Abgrund trennt den Roboter vom Levelende. Aber der Abgrund ist viel zu breit, um ihn zu überspringen – was tun? Plötzlich friert die Szenerie ein. Die Kameraperspektive wird gedreht und mit ihr verändern sich die blauen und roten Flächen in der Spielwelt, die eigentlich nur Blöcke und Linien in einer alten Fabrikhalle sind. Kurz darauf schaut man über die Schulter seines Avatars: Aus diesem Blickwinkel ist aus der roten Schlucht nur noch ein schmaler Streifenübrig geblieben, den man leicht überspringen kann. Ziel erreicht!

Das Ziel rechts scheint so nah - aber muss man wirklich den langen Weg hinten herum laufen?
Um in Perspective zu bestehen, muss man zwischen zwei Spielmodi hin- und herwechseln. Im 2D-Modus bewegt man seine Spielfigur in klassischer Jump ‘n‘ Run-Manier per Tastatur seitlich über verschiedene Plattformen oder springt über Hindernisse. Die blauen Flächen sind dabei ungefährlich zu betreten, während die roten einen in einem Funkenregen verpuffen lassen. Auch herunterfallen darf man nicht. Geschieht das, muss man das Hindernis nochmal angehen – allerdings nur von dem Punkt an, so man das letzte Mal die Perspektive gewechselt hat.

Überall nur Rot. In Perspective muss man die Kamera geschickt verändern, um von einer blauen Insel auf die nächste zu kommen.
Wechselt man per Linksklick mit der Maus in den 3D-Modus, hat man nicht mehr die Spielfigur in der Hand, sondern die Kameraperspektive. Ähnlich wie in einem Ego-Shooter läuft man, wie sein eigener Kameramann mittels WASD -Steuerung durch die kleinen, simpel aufgebauten Maps und verbindet so zum Beispiel (visuell) zwei eigentlich weit entfernt liegende, blaue Plattformen, um dann im 2D-Modus darüber zu laufen und weiter zu kommen.

Sobald man seinen Startpunkt verlässt, ist es vorbei. Dreht man die Kamera hier so, dass beide Plattformen nebeneinander erscheinen, kann man darüber wandern.
Die relativ kurzen Spielabschnitte werden im Laufe der Zeit immer komplexer. Der Fortschritt wird dabei nach jedem Level gespeichert, selbst wenn man das Spiel beendet. Einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad gibt es jedoch, ebenso wie einen Mehrspielermodus, nicht. Perspective ist kostenlos zum Download verfügbar.

Weblinks

Offizielle Seite von Perspective mit Download-Möglichkeit

Bildnachweis

[1]DigiPen Institute of Technology[2]DigiPen Institute of Technology[3]DigiPen Institute of Technology

Pädagogische Beurteilung:

Die gemischte Steuerung in 2D und 3D ist nicht nur ungewöhnlich, sondern bringt auch durch den ständige Perspektivwechsel die grauen Zellen richtig auf Trab. Damit ist das experimentelle Spiel besonders interessant für diejenigen, die neue Spielansätze zu schätzen wissen und auch vor umfangreicher Knobelei nicht zurückschrecken.

Da keine Uhr im Hintergrund läuft und auch mehrmaliges Sterben keine weiteren Konsequenzen nach sich zieht, hält sich die Frustration bei Perspective in Grenzen. Vielmehr wird der Ehrgeiz in einem geweckt. Nach wenigen Sekunden ist man meist wieder an der gleichen (verflixten) Stelle und kann es erneut versuchen. Meistens ist die Lösung dann so einfach, dass man sich an die Stirn schlagen will – warum ist man nicht gleich darauf gekommen?!

Durch die vielen, relativ kurzen Level eignet sich Perspective für Casual-Gamer ebenso wie für Profis. Zwar hilft Jump ‘n‘ Run-Erfahrung dabei, die Hüpf-Passagen schnell hinter sich zu lassen, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen ist aber weitaus wichtiger. So manch gefährliche Stelle lässt sich bereits entschärfen, indem man die 3D-Perspektive nur leicht ändert. Die kurzweiligen Abschnitte sorgen darüber hinaus für schnelle Erfolgserlebnisse, was aber nicht bedeutet, dass es nicht genügend kniffelige Aufgaben im späteren Bereich des Indiegames gibt.

Perspective zwingt die Spielenden gleich in mehrerer Hinsicht zum Umdenken:
Zum einen reißt einen die Vermischung aus 2D und 3D angenehm aus den gewohnten Gamer-Denkbahnen – nicht nur flinke Finger, sondern auch ein heller Kopf sind notwendig, um zu bestehen. Sollte das eine oder andere bei den Spielenden mehr oder weniger ausgeprägt sein, spricht nichts dagegen Perspective auch zu zweit spielen.
Zum anderen schlummert hinter dem 2D/3D-Jump ‘n‘ Run auch noch eine weitere Botschaft: Auch wenn das Ziel unerreichbar erscheint – es ist oft nur eine Frage der Perspektive. Eine Weisheit, die sich auch außerhalb des Spiels auszahlt.

Obwohl Perspective nur auf Englisch erhältlich ist, kommen Kinder ab 8 Jahren damit klar. Die Steuerung ist intuitiv und es gibt kaum etwas zu lesen. Ab diesem Alter sind sie auch dazu in der Lage, die verschiedenen Perspektiven und Lagebeziehungen richtig einzuschätzen. Eltern sollten bei den ersten Spielversuchen ihre Unterstützung anbieten und schauen, wie ihr Kind mit den ungewohnten Anforderungen zurechtkommt.
Christian Knop
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