Spielebeurteilung

Legend of Dungeon

01.07.2014
Zufallsgenerierte Levels, zufällige Gegner, keine Speicherfunktion – kann das funktionieren? Oder fehlt der rote Faden, wenn keine unsichtbare Hand den Spieler anleitet und auffängt, wenn er Fehler macht? Das Independent Game Legend of Dungeon macht es uns zwar nicht leicht, fordert uns aber gekonnt heraus.
Weltweit erfolgreiche Rollenspiele wie Diablo 3oder The Elder Scrolls protzen schon seit Jahren mit hochauflösender 3D-Grafik und atmosphärisch beleuchteten Kellerverliesen, in denen detailreich modellierte Gegner auf die Spielerinnen und Spieler warten. Die Welt von Legend of Dungeon sieht dagegen aus wie ein wild zusammen gewürfelter Pixelhaufen, von der Gamer -Szene liebevoll „Pixelart“, also Pixelkunst, genannt. Die Figuren bestehen aus so wenigen Bildpunkten und sind so spärlich animiert, dass gerade noch erkennbar ist, was sie darstellen sollen.

Der praktische Minenarbeiterhelm taucht den Dungeon in gleißendes Licht.


Wo die Details der Fantasie der Spielerinnen und Spieler überlassen werden, fühlen sich ältere Spielerinnen und Spieler erinnert an Spieleklassiker vergangener Zeiten. Das verleiht Titeln wie Legend of Dungeon Retro-Charme. Zum Pixelragout gesellt sich hier aber eine dynamische Licht- und Schattendarstellung, die dem Ganzen nicht nur einen modernen Anstrich gibt, sondern auch spielerisch eine wichtige Rolle spielt.

Denn wie in Diablo oder The Elder Scrolls geht es in Legend of Dungeon darum, mit einem zunächst schwachbrüstigen jungen Helden bislang unerforschte finstere Verliese („Dungeons“) zu durchstöbern und alles kurz und klein zu schlagen, was sich entgegenstellt. Während einige Abschnitte hell erleuchtet sind, sind andere derart dunkel, dass man sich sprichwörtlich hindurchtasten muss, falls man keine geeignete Lichtquelle bei sich trägt. Wohl dem, der in der Start-Taverne, welche alle Fantasy-Rollenspielklischees bedient, die Laterne des Wirts hat mitgehen lassen.

Hier sorgen beschworene Skelette für Chaos im Kerker.


Der Wirt der Taverne war es immerhin, der den Held auf den Weg durch die zufällig zusammengestellten Dungeon-Levels geschickt hat (mit dem lapidaren Hinweis, auf Level 26 warte „ein besonderer Schatz“). Dort trifft der Abenteurer auf klassische Antagonisten wie lebende Skelette, Mumien, Goblins und Orks. Das Kampfsystem ist äußerst simpel. Da es nur eine Art von Angriff gibt und dieser nur nach links oder rechts erfolgen kann, kommt es lediglich auf genaues Timing an. Die meisten Gegnertypen sind reine Nahkämpfer. Schauen sie gerade in die falsche Richtung, kann man sich auch an sie heranschleichen und von ihnen von hinten eins überbraten. Ab und zu warten interessanter gestaltete Bosse (Endgegner), die etwa magische Angriffe kennen oder ganze Schwärme an Monstern zur Hilfe rufen können.

Sie alle lassen bei ihrem Ableben zufallsbasiert Goldstücke, Waffen und allerlei Helme fallen, darunter äußerst nützliche wie den Bergarbeiterhelm mit integrierter Stirnlampe, aber auch extravagantere „Kopfbedeckungen“ wie einen Geburtstagskuchen oder streunende Hauskatzen. Da der Spielerfolg ganz maßgeblich vom Gefundenen abhängig ist, sind manche Spieldurchläufe deutlich schwerer als andere. Auch die Händler sind sehr unregelmäßig in den Levels versteckt. Sie verzaubern Ausrüstungsstücke und verkaufen Gegenstände, gegen Bares, versteht sich.

Zu zweit ist das Abenteuer deutlich leichter.


In Legend of Dungeon gibt es keine Speicherfunktion, und der Held hat nur ein Leben (Stichwort: Permadeath). Die Möglichkeiten, verlorene Lebenspunkte wieder aufzufüllen, sind sehr begrenzt. Oft ist es daher besser, gefährlichere Gegner zu meiden, anstatt sich unnötig Schläge einzufangen. Etwas einfacher wird es, wenn man das Spiel mit bis zu vier Spielern an einem Bildschirm bestreitet (ein Online-Modus fehlt). Falls dann einer der Helden stirbt, kann er die Überlebenden als Geist weiterhin begleiten und von gefallenen Gegnern Essenzen aufsammeln und sich später wiederbeleben. So wird niemand ausgeschlossen.
Matthias Uzunoff (bpb)
Dieses Spiel wurde getestet von:

Bildnachweis

[1]Robot Loves Kitty / Screenshot by spielbar.de[2]Screenshot, spielbar.de[3]Screenshot, spielbar.de[4]Screenshot, spielbar.de

Pädagogische Beurteilung:

Legend of Dungeon macht es den Spielern nicht leicht. Vor allem durch die fehlende Speicherfunktion hat es einen ungewöhnlich hohen Schwierigkeitsgrad, und es macht sich auch keinerlei Mühe, den Spieler etwa mit einem Tutorial an die Hand zu nehmen. Ist er dann später in die Falle getappt, ist alles weg. Andere Titel wie Rogue Legacy verzeihen mehr und bieten über den virtuellen Permadeath hinaus Ziele, die nach und nach erreicht werden können. Legend of Dungeon fehlt dieser rote Faden.

Auch die Balance zwischen den einzelnen magischen Eigenschaften ist den Entwicklern leider nicht sehr geglückt. Während viele Effekte kaum spürbar sind, verändern andere ganz grundlegend das Spielerlebnis. So rast der Held mit der richtigen Kopfbedeckung in dreifacher Geschwindigkeit durch die Kerker. Auch bei den Waffen kann es vorkommen, dass man z.B. schon im ersten Level einen Kriegshammer findet, der alle gewöhnlichen Gegner mit einem Schlag zermalmt und die Spielbalance so aus den Latschen haut.

Die Zufälligkeit der Spielumgebung, der Gegner und der Gegenstände sorgt dafür, dass man sich auch nach vielen Anläufen noch auf Neues einstellen muss, jedoch ohne beliebig zu wirken. Das ist dann auch die größte Stärke von Legend of Dungeon: jeder Anlauf bietet neue Herausforderungen.

Trotz der dunklen Kellerverliese wird Legend of Dungeon zu keiner Zeit gruselig. Wenn die pixeligen Skelette über den Bildschirm tippeln, wirken sie dabei eher niedlich als unheimlich. Bis auf die fehlende Übersetzung ins Deutsche ist Legend of Dungeon für Kinder ab 8 Jahren geeignet, auch weil es keine nennenswerten Gewaltdarstellungen enthält.

Besonders geeignet ist Legend of Dungeon für Partien mit mehreren Personen an einem PC, entsprechende Eingabegeräte vorausgesetzt. Dass der Schwierigkeitsgrad dann geringer wird, kommt Gelegenheitsspielern entgegen.

Fazit:

Herausforderndes Rollenspiel mit hohem Retro-Faktor. Charmant präsentiert, aber spielerisch sperrig.
Matthias Uzunoff (bpb)
Dieses Spiel wurde beurteilt von:

Siehe auch

Rogue Legacy Teaser
Spielebeurteilung

Rogue Legacy

Wenn die Spielfigur stirbt, bleibt sie auch tot – dieses Permadeath genannte Prinzip liegt im Trend. Was aber, wenn der getötete Held Geschwister hat, die seine Mission fortführen? In Rogue Legacy versucht eine Blutlinie aus Helden und Nieten, eine zufallsgenerierte Burg zu plündern.

Schreib einen Kommentar

* Pflichtangaben