Spielebeurteilung

Sword & Sworcery EP

05.02.2014
Sword & Sworcery EP überzeugt mit seiner fremdartigen Mischung aus Adventure , 2D-Pixelkunst und emotionaler Soundkulisse. Wer sich in das Abenteuer mit der skythischen Kriegerin wagt, erlebt ein Stück kreativer Spiele-Kunst, das besonders akustisch ein Hochgenuss ist.

Rauschender Wind in den Kronen eines Pixelwaldes und ein dahinplätschernder Bach zeugen von einer malerischen Idylle, die man in vielen Fantasy-Spielen anfangs findet. Logfella, der Holzfäller, führt einen zur ersten Station der Reise in Sword & Sorcery EP: dem Berg Mingi Taw, in dem das Megatome, ein mächtiges Zauberbuch aufbewahrt werden soll. Es geht weiter durch staubige Höhlen und uralte Ruinen, bis man selbst, ein pixeliger Charakter, der nur als „die skythische Kriegerin“ bezeichnet wird, das magische Werk in den Händen hält. Plötzlich beginnt der Berg zu grollen, dunkle Geister erwachen und ein magischer Gewittersturm bricht los. Gejagt von einem schwarzen Schemen prescht die Kriegerin wieder zurück in den Wald und findet schließlich Zuflucht in Logfellas Hütte.

Auch einfache Pixelgrafik kann eine gute Geschichte erzählen. Besonders das Spiel mit Licht und Schatten lässt Stimmung entstehen.
Mit der ersten von insgesamt vier Episoden wird der Stein der Geschichte um Sword & Sworcery EP ins Rollen gebracht. Aus der Frage, wie man den Gewittersturm beenden kann, ergeben sich schnell weitere Probleme, Rätsel und Geschichten. Das Action-Adventure entführt die Spielenden in eine märchenhafte, mystische Welt, in der Kämpfe und Rätsel gleichermaßen verteilt sind.

Die drei Dreiecke tauchen öfter im Spiel auf. Auch so ist es angefüllt mit verschiedener Symbolik.
Vieles funktioniert, wie man es von Adventures gewohnt ist: Will man ein Gebäude, ein Schild am Wegesrand oder andere Spielelemente untersuchen, genügt ein Tippen auf die entsprechende Stelle. Direkte Dialoge gibt es in Sword & Sworcery EP allerdings nicht. Interagiert man mit einer Person oder einem Gegenstand, liest man nur die Gedanken des Hauptcharakters mit. Im Kampf dreht man das iPad um 90°. Die Ansicht ändert sich, man befindet sich im Kampfmodus. Hier kommt es darauf an, im richtigen Moment die Bereiche für Angriff oder Verteidigung zu berühren.

Zu Beginn steht man allein im Pixelwald mit einem Hund. Das Tutorial ist hier intuitiv mit eingeflochten.

Pädagogische Beurteilung:

Sword & Sworcery EP versetzt einen in die „guten alten Zeiten“ des Adventure-Genres. Es gibt keine Wegpunkte, kein Quest-Log, keine Minimap, keine leuchtenden Ausrufezeichen – kurz: keine der modernen Annehmlichkeiten, die ein reibungsfreies Spiel gewährleisten sollen. Doch keine Sorge, Sword & Sworcery EP funktioniert trotzdem und erklärt sich oft von selbst, wenn auch ein wenig Adventure-Erfahrung nicht schadet, um schneller hinter die eine oder andere Rätsellösung zu kommen. So müssen beispielsweise Büsche oder Bäume in der richtigen Reihenfolge angetippt werden, um die richtigen Töne zu erzeugen oder an der richtigen Stelle das Schwert in den Himmel gereckt werden, um eine Brücke entstehen zu lassen. Neben einem guten Auge braucht es daher auch wache Ohren – mit Kopfhörern macht Sword & Sworcery EP übrigens noch mehr Spaß.

Die Rätsel und Kämpfe sind allerdings nur das Beiwerk zur Geschichte und Atmosphäre des Spiels. Die Spielwelt, die in einer nicht näher definierten Zeit im Kaukasus liegen soll, kommt so fremdartig wie auch märchenhaft daher. Und schnell stellt sich ein Gefühl ein, das man bei vielen aktuellen Titeln vermisst: Neugier auf das Unbekannte, auf das, was hinter der nächsten Wegbiegung kommt. Dabei fehlt auch nie ein erfrischender, erwachsener Humor in den Gedankengängen der skythischen Kriegerin.
Die moderne Retro-Grafik aus sich bewegenden Pixeln wirkt mehr wie ein abstraktes Kunstwerk als ein klassisch gezeichneter 2D-Hintergrund. Aber auch wenn die Charaktere nur staksende Bildpunkte sind, erzählen sie eine Geschichte, die schnell in ihren Bann zieht. Die sphärische, meist elektronische Musik, die mit den Emotionen Achterbahn fährt, unterstützt diesen Effekt stimmig.

Fazit:

Sword & Sworcery EP besticht mit seiner Mischung aus klassischem Adventure, experimenteller Retro-Grafik und hochwertiger Musikuntermalung. Was auf den ersten Blick aussieht, wie ein altes, verpixeltes Spiel aus den Neunzigern, ist künstlerisch anspruchsvoll, durchdacht und aufwändig produziert. Spielende ab 12 Jahren (aber ausdrücklich auch Erwachsene), die bereit sind, sich auf etwas Neues einzulassen, können mit Sword & Sworcery EP einige Stunden märchenhafte Unterhaltung genießen.
Christian Knop
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Siehe auch

Independent Games

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