Spielebeurteilung

Rogue Legacy

01.07.2014
Wenn die Spielfigur stirbt, bleibt sie auch tot – dieses Permadeath genannte Prinzip liegt im Trend. Was aber, wenn der getötete Held Geschwister hat, die seine Mission fortführen? In Rogue Legacy versucht eine Blutlinie aus Helden und Nieten, eine zufallsgenerierte Burg zu plündern.

Verrat! Ein Attentäter hat den König tödlich verletzt. Mit letzter Kraft schickt dieser seine Söhne und Töchter aus, um in einer fremden, sagenumwobenen Festung das rettende Heilmittel zu finden. Seine Nachfahren, allesamt Thronanwärter, streben nun nach Ruhm und Ehre, um eines fernen Tages dann selbst das Erbe des Königs antreten zu dürfen…

Rogue Legacy ist eine Mischung aus klassischem Jump'n'Run und Rollenspiel und stellt das Geschehen zweidimensional von der Seite dar. Man steuert die Spielfigur mit Tastatur oder Gamepad . So überwindet man mit Fallen gespickte Kerkerräume, bekämpft Monster, Untote und Zauberer und plündert die Schätze einer mysteriösen Burg. Nimmt der Held zu viel Schaden, so sinkt er unwiederbringlich darnieder. Alles, was er geplündert hat, findet jedoch auf unerklärliche Weise seinen Weg zurück zum Familienanwesen. Dort kann es für Upgrades ausgegeben werden, die etwa neue Kampffähigkeiten freischalten oder bestehende verbessern.

Rogue Legacy würfelt die Spielabschnitte bei jedem Versuch neu zusammen.
Nach jedem Ableben kann man zwischen einer Hand voll Nachfolgern wählen, die verschiedenen Heldenklassen angehören. Der Barbar beispielsweise löst Konflikte mit dem Schwert und kann ansonsten noch einen Kriegsschrei erlernen, der wie eine Druckwelle Gegner zurückwirft und sogar auf ihn einprasselnde Pfeile unschädlich machen kann. Der Magier hingegen kennt eine Vielzahl an Zaubersprüchen, darunter offensive wie die magische Dolch-Salve, defensive wie den schützenden Feuerkreis und auch praktische wie die Stoppuhr, die für eine kurze Zeit alle Gegner erstarren lässt. Es gibt aber auch ausgefallenere Helden wie den Höhlenforscher, der sich kaum zum Kämpfen eignet, dafür aber besonders viele Schätze findet.

Wie sieht die Pixelwelt aus, wenn der Held unter Farbenblindheit, Kurzsichtigkeit oder Nostalgie leidet? Der offizielle Trailer verrät es! (1:13 min)


Jeder Held hat neben den besonderen Fähigkeiten auch Eigenheiten. Der Paladin Sir Eric IV. hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis und kann sich den Aufbau der Verliese besonders gut einprägen – er leidet jedoch auch an Kurzsichtigkeit, weshalb alle weiter entfernten Objekte stark verschwimmen. Die Magierin Lady Teresa II. besitzt zwar eine schier übermenschliche Körpergröße und hat daher einen besonders langen Schwertarm, neigt aber auch zu Wahnvorstellungen und sieht Monster, wo keine sind.

Die Burg ist wie in den klassischen „Rogue-likes“ der frühen Heimcomputer-Ära in einzelne, zufällig zusammengewürfelte Räume aufgeteilt. Die Zusammenstellung der Räume wird bei jedem Anlauf neu generiert. Wo vorher noch die begehrte Schatzkammer-Herausforderung lag, kann jetzt schon eine mit Speeren ausgekleidete Fallgrube liegen, die von schwebenden, Feuer spuckenden Augen bewacht wird. Gegen eine heftige Gold-Gebühr kann der Aufbau der Burg zumindest kurzfristig festgehalten werden, um die zurückgelassene Schatzkiste vielleicht doch noch zu heben.

Wenn der aktuelle Held stirbt, kann mit seiner Beute kann das schnuckelige Familienanwesen ausgebaut werden. Unzählige verfügbare Upgrades erhöhen so die Langzeitmotivation.
Wenn der aktuelle Held stirbt, kann mit seiner Beute kann das schnuckelige Familienanwesen ausgebaut werden. Unzählige verfügbare Upgrades erhöhen so die Langzeitmotivation.

Die Waffen und Rüstungsteile bringen sehr unterschiedliche Fähigkeiten mit, die je nach Held und Plünderziel (Endgegner, Gold oder Blaupausen?) ihren Zweck mal besser, mal schlechter erfüllen. Daher wird im späteren Spielverlauf die gezielte Auswahl der Ausrüstung wichtig und die Herausforderung um eine taktische Note ergänzt.

Spätestens im dritten Durchlauf prasseln Unmengen von Projektilen auf die Spielfigur ein.


Hintergrundinfo

1980 begeisterte ein minimalistisches Text-Rollenspiel namens „Rogue“ die Spieler der frühen Heimcomputer-Ära. Ziel des Spiels war es, zufallsgenerierte Verliese zu erkunden, rundenbasiert gegen Monster zu kämpfen und sich dabei mit Tränken, Waffen und Rüstungen über Wasser zu halten. So begründete es ein ganzes Genre an ähnlichen Spielen, genannt: Rogue-like („so ähnlich wie Rogue“). Einer der Erben dieser Spiele ist Rogue Legacy.
Matthias Uzunoff (bpb)
Dieses Spiel wurde getestet von:

Bildnachweis

[1]Cellar Door Games / Screenshot by spielbar.de

Pädagogische Beurteilung:

Rogue Legacy hat wegen der fordernden Räume und der Permadeath-Mechanik einen hohen Schwierigkeitsgrad. Nicht nur segnet der Held schon nach wenigen Treffern das Zeitliche, auch sind die Bewegungen der herumschwirrenden Gegner schwer vorauszuahnen. Stirbt der Held, kommt jedoch kein Frust auf: man darf die Beute behalten und damit stetig sein Anwesen ausbauen und das Familienerbe weiterentwickeln. Auf diese Weise gewinnt man auch in der Niederlage etwas dazu.

Da die eigenen Helden langsam aber spürbar stärker werden, ist man motiviert sich stetig weiterzuentwickeln um schließlich die Endbosse zu besiegen. Hat man dann endlich die fünf Endbosse besiegt (was beim Tester immerhin 20 Spielstunden in Anspruch nahm!), warten auf die Hartgesottenen noch zwei weitere Durchläufe mit weitaus stärkeren Gegnertypen. Der hohe Abwechslungsreichtum aufgrund der unterschiedlichen Helden und ihren Eigenheiten sowie der sich immer neu zusammensetzenden Räumen hält die Motivation lange Zeit aufrecht.

Gestalterisch reitet Rogue Legacy voll und ganz auf der Retro-Welle. Die detailreiche zweidimensionale Pixel-Grafik erinnert an die Konsolen- und Spielhallenklassiker der 80er und frühen 90er Jahre. Im Hintergrund dudeln passende Chiptunes-Tracks und versprühen mit ihren nostalgischen Synthesizer-Klängen das Flair der 8-Bit-Ära.
Die auf den ersten Blick veraltete Präsentation sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Rogue Legacy gekonnt auf Hochglanz poliert ist: die gestalterischen Elemente sind optimal aufeinander abgestimmt, das Spielerlebnis ist „rund“.

Die nostalgische Spielwelt kommt dabei ohne blutige Gewaltdarstellungen aus. Direkte Konfrontation ist zudem nur bei den Endgegnern das einzige Mittel. Oftmals ist es sogar schlauer, gefährlichen Widersachern auszuweichen um den Weg durch die Burg unbeschadet fortzusetzen.

Ohnehin ist taktisches Vorgehen gefragt: Stürmt man zu Beginn noch blindlings ins Abenteuer, so setzt sich mit der Zeit die Erkenntnis durch, dass vorsichtiges und überlegtes Herantasten belohnt wird; zu folgenreich sind Fehltritte.

Selbst dann gehört noch viel Geschicklichkeit dazu, den vielen Fallen, Gegnern und ihren Angriffen auszuweichen. Auf dem Bildschirm kann es auch mal chaotisch werden, was dann besonders aufmerksame Bewegungen und gutes Timing erfordert.

Rogue Legacy ist ausschließlich auf Englisch verfügbar und nur alleine spielbar. Die Steam-Version bietet einige humorvoll gestaltete Achievements, kleine Abzeichen, die mit denen anderer Spieler verglichen werden können.

Fazit:

Die dynamischen Jump'n'Run-Elemente und das pfiffige Ahnen-System machen Rogue Legacy sowohl zu einem gelungenen Vergnügen für Zwischendurch als auch zu einem lohnenden Rollenspiel, das mit seiner gekonnt zufallsgenerierten Welt einen außerordentlichen Wiederspielwert bietet. Dank exzellent kombinierter Spielelemente kommt Rogue Legacy ohne pädagogisch problematische Inhalte aus. Abgesehen von der fehlenden Übersetzung ist es wegen seines hohen Schwierigkeitsgrades erst für Altersklassen ab 12 Jahren geeignet.
Matthias Uzunoff (bpb)
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