Spielebeurteilung

Spielfieber – Der Countdown läuft

06.09.2013
Spielfieber ist ein Browsergame zur Prävention von Glücksspielsucht. Es richtet sich an Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren und wurde speziell für die pädagogische Arbeit mit ihnen erstellt. Die Idee ist gut, doch leider fehlt es dem Serious Game an Abwechslung und Herausforderung.

Der Strom wird abgestellt. weil die Rechnung nicht bezahlt wurde. Die Freundin ist sauer, weil man ihren Geburtstag vergessen hat. Und dann wären da noch die 1000 Euro Schulden bei dem Sportwettenkönig Hengst. Nur Ärger! Und all das wegen der Glücksspiele, die der Hauptcharakter im Browsergame Spielfieber spielt.
Man schlüpft nun in die Rolle des männlichen Hauptcharakters und hat zehn virtuelle Tage Zeit, sein Leben – und seine Glücksspielsucht – wieder in den Griff zu bekommen und das Geld zum Bezahlen der Schulden aufzutreiben.

Ein fester Job im Supermarkt bringt regelmäßige – und mit jeder Beförderung steigende Einnahmen. Vorausgesetzt man erscheint dort pünktlich zu Arbeitsbeginn.

Die Arbeit im Supermarkt bringt Einnahmen.
An jeder Ecke lauern Glücksspiel-Versuchungen und damit die Aussicht auf das schnelle Geld. In Form von illegalen Straßenkämpfe in der Gasse, Kartenspiele und Roulette im Casino oder dem Glücksspielautomat in der Bar um die Ecke. Ein Gewinn ist hier jedoch nicht garantiert. Stattdessen wird dadurch der Drang nach Glückspielen erhöht. Verdeutlicht wird dieser Drang durch ein Sucht-O-Meter, das während des gesamten Spiels am rechten Bildschirmrand zu sehen ist. Der Pegel steigt mit jeder Minute langsam an. Ist er oben angelangt, ist das Spiel verloren. Mit Glücksspielen lässt sich zwar kurzfristig Dampf ablassen, im Gegenzug steigt der Pegel anschließend aber deutlich schneller an als zuvor. Alternativ kann man in sportlichen Minispielen wie Tor schießen oder Skateboard fahren mit Freunden seinen Sucht-Level senken. Und natürlich gibt es eine Beratungsstelle, die man im Laufe des Spiels aufsuchen kann. Wer hier ein Problem zugibt und das Gespräch mit dem Berater sucht, kann ebenfalls seinen Drang nach Glücksspielen verringern.

Ob Skaten oder Tore schießen, Freizeitbeschäftigungen mit Freunden tun gut.


Der Gang zur Beratungsstelle kann ebenfalls helfen, um Glücksspielsucht zu vermeiden.
Für bestimmte Aktionen im Spiel gibt es Belohnungen in Form von Achievements. Diese erhalten die Spielenden, wenn sie beispielsweise das Tutorial absolviert haben, oder Spielfieber durchspielen konnten, ohne auch nur ein Glücksspiel zu spielen. Wer möchte, kann diese Erfolge anschließend auf Facebook mit Freunden teilen.

Spielfieber wird allein mit der Maus gespielt. Das Serious Game ist kostenfrei und direkt im Browser auf Facebook spielbar. Bei Bedarf kann es auch auf den Computer herunter geladen und offline gespielt werden. Eine Installation ist dabei nicht erforderlich.

Weiterführender Link

Kategorie Serious Games auf spielbar.de

Bildnachweis

[1]Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e.V.[2]Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e.V.[3]Aktion Jugendschutz Landesarbeitsstelle Bayern e.V.

Pädagogische Beurteilung:

Bei Glücksspielen wie Roulette, Geldspielautomaten, Kartenspiele oder Wetten geht es um Unterhaltung – und Geld. Die vermeintlich harmlose Freizeitbeschäftigung birgt dazu ein hohes Suchtpotential. Wer gewinnt, spielt weiter, um noch mehr zu gewinnen. Wer verliert, versucht Verluste durch noch mehr Spielen wieder zurückzugewinnen. Vor allem Jugendliche sind gefährdet. Sie lockt der Nervenkitzel und die Aussicht auf den schnellen und unkomplizierten Geldgewinn. Das Browsergame Spielfieber richtet sich daher speziell an Jugendliche. Sie sollen an das Thema Glücksspielsucht herangeführt und auf Gefahren aufmerksam gemacht werden.
Soweit zum gut gemeinten Gedanken hinter Spielfieber. Bei der Umsetzung zeigen sich jedoch einige Schwachpunkte.

Die 3D-Optik ist ansprechend, wenn auch für die verwöhnten Augen heutiger Jugendlicher sicherlich nicht herausstechend. Die Hintergrundgeschichte ist sehr plakativ, Emotionen und damit ehrliches Interesse an dem Hauptcharakter werden nicht vermittelt. Daran ändern auch die geringfügigen Gestaltungmöglichkeiten des Hauptcharakters (Frisur, Shirt, Hose) nichts.

Spielfieber fordert die Spielenden leider nicht sonderlich heraus. Die Spielaufgaben sind eindeutig wobei das Thema Glückspiel nur oberflächlich angesprochen. Ohne pädagogischen Zeigefinger kommt auch Spielfieber nicht aus. Visualisiert durch einen Engel und einen Teufel sowie das Sucht-O-Meter ist jede Entscheidung sofort als GUT oder SCHLECHT klassifiziert. Die leichte Durchschaubarkeit des Spiels dürfte die - laut Webseite zum Spiel - angesprochene Zielgruppe der 16 bis 18 jährigen Zielgruppe unterfordern.

Zudem fehlt es an Abwechslung. Die Handlungsmöglichkeiten sind beschränkt. Wer gewinnen will schlüpft schnell in eine monotone Alltagsgestaltung: aufstehen, Sport mit den Freunden im Park, Arbeit im Supermarkt, Schlaf, aufstehen, Sport mit Freunden im Park… usw. Die Minispiele im Park sind dabei ganz unterhaltend, allerdings gibt es nur zwei davon. Hinzu kommt, dass jede der beiden sportlichen Herausforderungen auf eine pro Tag limitiert ist.

Fazit:

Spielfieber ist ein kurzweiliges Spiel und in weniger als einer viertel Stunde durchspielbar. Das macht es für seinen ursprünglichen Zweck, nämlich den Einsatz im pädagogischen Kontext, wieder interessant. Die Darstellung der Glückspielsucht in dem Beispiel kann durchaus hinterfragt werden und zu Diskussionen zu dem Thema anregen. Aufgrund des geringen Schwierigkeitsgrades und der leicht durchschaubaren Spielaufgaben eignet sich Spielfieber bereits ab einem Alter von 8 Jahren.
Anne Sauer
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