Spielebeurteilung

Papo & Yo

25.03.2013
Ein kleiner Junge flüchtet sich in eine Fantasiewelt, um den Wutausbrüchen seines Vaters – hier dargestellt als Monster - zu entgehen. Papo & Yo berührt die Spielenden, nicht zuletzt wegen der wahren Geschichte dahinter. Denn der Entwickler gibt in dem Spiel einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte Preis.

Zusammengekauert sitzt Quico, ein kleiner lateinamerikanischer Junge, in einem Wandschrank und versteckt sich vor einem Monster, das draußen seine Runde zieht und nach ihm zu suchen scheint. Ein tiefes Grollen ist zu hören, als das Monster vor der Schranktür steht und das wenige einfallende Licht verdunkelt. Plötzlich erscheinen neben Quico weiße, leuchtende Linien an der Wand und öffnen den Weg zu einem anderen Ort. Der Junge fasst sich ein Herz und flieht in eine fremde Welt.

Hier sind Quico und „Monster“ die besten Freunde, die gemeinsam Fußball spielen und die Gegend erkunden. Doch Monster hat ein Problem: Er ist süchtig nach Fröschen. Wenn er sie zwischen die Zähne bekommt, verändert sich alles. Aus dem gutmütigen Spielgefährten wird ein wildes Monster, das alles in seinem Weg, auch Quico, brutal verprügelt und überrennt. Trotzdem liebt der Junge sein Monster und will ihm helfen. Auf der Suche nach einem Heilmittel begleiten die Spielerinnen und Spieler den Helden durch seine eigene, surrealistisch wirkende Fantasiewelt – ein lateinamerikanisches Armenviertel.

Screenshots

Der Weg durch die Gassen und über die Dächer des menschenleeren Armenviertels ist ein Abenteuer, das nur mit zahlreichen Sprungpassagen sowie Kombinations- und Schalterrätseln zu lösen ist. Weiße Linien und Muster zeigen dabei die Orte an, an denen etwas manipuliert werden kann. Wird ein Schalter umgelegt, laufen oder fliegen plötzlich Häuser an andere Orte, drehen sich Wellblechhütten auf die Seite oder rollt sich der Boden wie ein Teppich auf. Nur so kommt man voran. Immer dabei: Quico’s Gefährte ‚Monster‘. Er wird manchmal benötigt, um bestimmte Passagen zu überqueren – die Aufgabe ist es dann beispielsweise, ihn an die richtige Stelle zu locken, um Druckplatten zu aktivieren.

Wenn man einmal nicht weiter weiß, liegen in jedem Spielabschnitt große, mit Fragezeichen oder Symbolen gekennzeichnete, Papp-Boxen. Wenn Quico sie aufsetzt, gibt es hilfreiche Tipps zur Vorgehensweise und der Gamepad -Steuerung. Das Spiel hat nur einen Schwierigkeitsgrad. Papo & Yo ist aktuell nur als digitaler Download über das PlayStation Network zu beziehen.

Pädagogische Beurteilung:

In der Fantasie eines Kindes geschehen oftmals fantastische, manchmal aber auch alptraumhafte Dinge. Aus einem Papierschiff kann ein Hochseedampfer werden, aus etwas Plastikgeschirr ein herrschaftlicher Teeempfang und manchmal eben auch aus einem betrunkenen Vater ein rotes, wütendes Monster. Vander Caballero, der Kreativdirektor des Entwicklerstudios Minority, gibt mit Papo & Yo („Papa und ich“) einen Teil seiner eigenen Lebensgeschichte Preis. Die Erfahrungen eines Kindes mit seinem alkoholkranken Vater, die Gewalt, die Angst und die gefürchteten Wutausbrüche sind ebenso vorhanden, wie die glückseligen Momente, in denen „Monster“ mit Quico Fußball spielt oder ihn vor dem Abstürzen rettet.

Was auf den ersten Blick nach einem bunten Spiel für Kinder aussieht, hat mehr emotionale Tiefe, als man erwarten würde. Quicos inniger Wunsch „Monster“ zu heilen, zeigt die Verbundenheit zwischen Sohn und Vater. Auch der im Spiel auftauchende Roboter Lula, der sich wie ein Rucksack an Quico klammert, scheint eine Figur aus dem wirklichen Leben zu sein. Sätze wie „Keine Sorge, ich beschütze dich.“ und „Ich habe mir Sorgen um dich gemacht, […] kleiner Mann.“ lassen die Spielenden die liebevollen Worte einer Mutter oder Tante erahnen. Die Geschichte ist zwar einfach gestrickt, jedoch besitzen die zahlreichen Metaphern und Figuren eine sehr starke Symbolik.

Papo & Yo zeigt keine Gewalt, außer wenn „Monster“ wütet. Dann gibt es nur die Möglichkeit wegzulaufen und sich zu verstecken. Denn wird man erwischt, wird man herum geschleudert und verprügelt. Blutig wird es allerdings zu keiner Zeit. Dem rasenden Riesen mit Brutalität zu begegnen, ist nicht möglich. Doch in Quicos Fantasiewelt gibt es zum Glück immer Möglichkeiten zu entkommen oder „Monster“ mit einer besonderen blauen Frucht (möglicherweise eine Metapher für Schlaftabletten?) zu beruhigen.

Die wenigen schnellen Actionpassagen wechseln sich mit umfangreichen Sprung- und Rätseleinlagen ab. Die Rätsel sind auch für Anfänger geeignet. Nur mit der teilweise ungenauen Steuerung kann es zu Frust kommen. Auch einige grafische Fehler, wie das plötzliche Verschwinden des Bodens oder fehlerhafte Bewegungen schmälern das Spielgefühl an manchen Stellen.

Papo & Yo ist durch seine Symbolik, die Ernsthaftigkeit hinter dieser harmlos wirkenden Geschichte und Emotionalität nicht für Kinder unter 14 Jahren geeignet. Eine Begleitung durch einen Erwachsenen, um die dahinterliegende Geschichte zu hinterfragen und zu verarbeiten, ist angeraten.
Christian Knop
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Siehe auch

Spielebeurteilung

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