Spielebeurteilung

Guild Wars 2

09.10.2012
Lange Zeit warteten Fans auf die Fortsetzung des erfolgreichen Online-Rollenspiels. Es hat sich gelohnt, denn Guild Wars 2 weiß zu überzeugen: Die große, frei begehbare Fantasiewelt, actionreiche Abenteuer und regelmäßige Erfolgserlebnisse sind nur einige Punkte, die für Langzeitunterhaltung sorgen.

Das MMORPG Guild Wars 2 versetzt die Spielenden in die fantasievolle Onlinewelt von Tyria, wo sie in der Rolle eines Helden oder einer Heldin unzählige Abenteuer gemeinsam mit tausenden anderen Spielenden bestreiten. Vor dem eigentlichen Spiel steht die Erstellung eines virtuellen Charakters, auch Avatar genannt. Die Spielenden wählen dazu aus fünf Rassen (kleinwüchsige Asura, Pflanzenvolk Sylvari, hünenhafte Norn, katzenartige Charr und stolze Menschen) und acht Klassen (Ingenieur, Dieb, Krieger, Elementarmagier, Waldläufer, Nekromant, Wächter, Messmer). Jede Rasse und jede Klasse verfügt über spezifische Fähigkeiten. Hat man sich für einen Charakter entschieden, kann dieser nach den eigenen Vorstellungen und Wünschen in Form und Farbe gestaltet werden.

Nach der Charakterentwicklung gelangen die Spielenden in eine große, frei begehbare Welt. Guild Wars 2 überlässt es dabei den Spielenden, ob sie innerhalb des Spiels alleine oder mit anderen Spielenden in der Gruppe unterwegs sind. Sie können der Story folgen oder ohne wirkliches Ziel die Welt Tyrias erkunden, sich gegen feindlich gesonnene Fantasiewesen behaupten, Quests absolvieren oder zufällig Events bestreiten. Nahezu jede Aktion bringt den Spielenden Erfahrungspunkte. Mit diesen können sie ihren Charakter aufleveln, und so dessen Eigenschaften und die Anzahl seiner Fertigkeiten erhöhen.

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Guild Wars 2 bietet darüber hinaus spezielle Spielmodi. In „Person gegen Person“ (kurz PvP ) kämpfen kleine Teams in zehnminütigen Runden um strategische Punkte auf einer Karte. In „Welt gegen Welt“ (kurz WvW) wird dieses Spielprinzip aufgegriffen, nur treten statt kleinen Gruppen hier ganze „Welten“ (Spiel-Server) gegeneinander an. Für beide Modi wird das Level der Spielenden vorübergehend auf ein einheitliches Niveau gehoben, um Chancengleichheit zu gewährleisten.

Guild Wars 2 ist der Nachfolger des erfolgreichen MMORPGs Guild Wars. Damals wie heute fallen neben den Kosten für den Erwerb des Spiels keine weiteren monatlichen Gebühren an. Stattdessen bietet Guild Wars 2 virtuelle Güter innerhalb des Spiels an, die käuflich erworben werden können. Sie sind für den Spielerfolg nicht zwingend notwendig, können das Spiel aber durchaus erleichtern. Um Guild Wars 2 spielen zu können, ist eine dauerhafte Internetverbindung sowie ein ArenaNet-Account von Nöten.

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Pädagogische Beurteilung:

Guild Wars 2 weiß durchaus zu überzeugen: Ob an Land oder unter Wasser, die große, atmosphärische Onlinewelt von Tyria lädt zum Erkunden ein. Die Erstellung des Avatars bietet viel Freiraum für die individuelle Gestaltung. Die persönliche Geschichte des erstellten Charakters, die die Spielenden durch ihr Handeln maßgeblich beeinflussen, baut eine zusätzliche Bindung zwischen Spielenden und ihren Avataren auf. Im Spielverlauf wachsen die Avatare zum strahlenden Helden heran, der von anderen akzeptiert und bewundert wird. Die Spielenden erfahren so Anerkennung. Im Gegensatz zu anderen MMORPGs wie in World of Warcraft ist das Erfahrungspunktesystem so aufgebaut, dass Spielende in gleichbleibenden Abständen Erfolgserlebnisse in Form von Levelaufstiegen erhalten – auch im späteren Spielverlauf. Erfolg zeigt sich in Guild Wars 2 aber nicht nur durch Aussehen und Level des eigenen Charakters, sondern auch durch dessen Errungenschaften. Guild Wars 2 bietet unzählige davon, zum Beispiel die Auszeichnung „Entdecker“ die Spielende auszeichnet, die ein bestimmtes Gebiet vollständig aufgedeckt und alle Quests darauf gelöst haben. Oder die Auszeichnung „Teamwork“, die Kombinationsangriffe mit anderen Spielenden belohnt. Einige Errungenschaften können täglich erworben werden, andere stellen Spielende vor längerfristige Herausforderungen. Das Freischalten aller Errungenschaften setzt daher eine intensive Beschäftigung mit dem Spiel voraus.

Langeweile kommt nicht auf. Dafür sorgen die Quests, die zwar oft nach dem Schema „töte x“, „sammle y“ ablaufen. Häufig können die Spielenden hier aber aus mehreren Optionen wählen. Das sorgt für Abwechslung. Frustration, weil eine Aufgabe nicht gelöst werden kann, ist somit nahezu ausgeschlossen. Hinzu kommen sogenannte Events, die häufig nur in der Gruppe bewältigt werden können. Mal gilt es, eine Reisegruppe zu begleiten und zu beschützen, mal eine Horde wild gewordener Zentauren abzuwehren oder gar riesige Gegner zu bekämpfen. Diese Events starten zufällig. Einige von ihnen sind mehrstufig und variieren im Eventverlauf abhängig von dem Erfolg der Spielenden.

Gemeinsames Spielen wird in Guild Wars 2 groß geschrieben. Abgesehen von den Spielmodi mit bewusst kompetitivem Charakter (WvW, PvP), wird keine Rivalität geschürt. Selbst der Raub von Beute (Loot) oder Erfahrungspunkten unter Spielenden ist im Gegensatz zu anderen MMORPGs nicht möglich. Im Gegenteil, durch gemeinsames, kooperatives Spielen lassen sich Aufgaben wesentlich effizienter lösen. Entsprechend elementar sind Fähigkeiten wie Team- und Kommunikationsfähigkeit. Aber auch taktisches Vorgehen ist gefordert. Im Kampf gilt es die Stärken und Schwächen der eigenen Klasse optimal auszunutzen, gleichzeitig Stärken und Schwächen der Gegner im Auge zu behalten.

Guild Wars 2 spricht klar Fans von Rollenspielen an, die actionreiche Abenteuer in einer fantasievollen Welt durchleben wollen. Spielende können zwar ab 12 Jahren problemlos mit den fiktiven Inhalten des Spiels umgehen. Die hohe zeitliche und persönliche Bindung an das Spiel verlangt aber auch, klar zwischen Realität und Spielwelt differenzieren zu können. Guild Wars 2 eignet sich daher erst ab einem Alter von 14 Jahren. Unsere Erfahrungen im Einsatz des Spiels bei spielbar-Workshops zeigen auch, dass insbesondere Genreneulinge trotz vieler Hilfestellungen im Spiel anfänglich vom Spielumfang überfordert sind oder nicht wissen, was sie als nächstes tun sollen. Guild Wars 2 erfordert eben, wie andere MMORPGs auch, eine gewisse Einarbeitungszeit.
Anne Sauer
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