Spielebeurteilung

Botanicula

11.12.2012
Die Geschichte von fünf Freunden, die ausziehen, um ihr Zuhause zu retten. Das Point-n-Click Adventure Botanicula entführt die Spielenden in eine skurrile, atmosphärische und fantasievolle Welt und bietet Spielspaß für Jung und Alt. Der Schlüssel zum Erfolg: Neugier und Experimentierfreude.

Ein Ast, ein Samen, ein Pilz, eine Feder und eine Mohnknospe sind die Helden im Independent Game Botanicula. Die fünf Freunde leben auf einem Baum, der von spinnenartigen Monstern Stück für Stück ausgesaugt wird. Ziel der Spielenden besteht nun darin, das Zuhause der Freunde (und das aller anderen Baumbewohnerinnen und Bewohner) zu retten. Um in Botanicula voran zu kommen, gilt es in typischer Point-n-Click Adventure-Manier die Umgebung durch Beobachten und Anklicken zu erkunden, um so Aufgaben zu lösen und neue Baumabschnitte zu erreichen, um schließlich den Feind zu verjagen.

Botanicula kommt ohne geschriebene oder gesprochene Anweisungen aus. Lediglich das unverständliche Gebrabbel einiger Figuren und die wenigen visuelle Hinweise in Form einer Geschichte oder einer Gedankenblase erklären zwischendurch das Spielgeschehen.

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Und es gibt viel zu entdecken: Ob Bienen, Blattläuse, Pilze, Spinnen oder gänzlich unbekannte wie skurrile Wesen, die brummend, singend oder schlicht missmutig schauend ihrem Tagwerk nachgehen – die Nachbarn der kleinen Heldentruppe sind ebenso bunt wie sie selbst und, wie auch die Spielumgebung, comichaft-künstlerisch dargestellt. Die Gestaltung der rund 150 Abschnitte tritt mit weichen Farben ebenso dezent in den Hintergrund, wie auch die natürlich anmutende Geräuschkulisse, die das Gefühl mitten in einem Baum zu sitzen, untermalt.

Eine Einführung in Form eines Tutorials gibt es bei Botanicula nicht, gesteuert wird ausschließlich über die linke Maustaste. So klickt man sich in sechs bis acht Stunden Spielzeit von Abschnitt zu Abschnitt, von Bildschirm zu Bildschirm auf dem Weg zur Baumrettung.

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Machinarium

Pädagogische Beurteilung:

Botanicula ist… anders. Obwohl im gesamten Spiel nicht ein wirkliches Wort gesprochen wird oder geschrieben steht, findet man sich intuitiv zurecht. Die Entwickler schaffen es durch Hintergründe, Figuren und Musik eine Atmosphäre aufzubauen, die kindlich aber keinesfalls kindisch wirkt. Im Spiel selbst existieren zahlreiche interaktive Elemente, aber bei Weitem nicht jedes davon ist auch für den Spielverlauf von Bedeutung. Man wird das Gefühl nicht los, als gäbe es viele Dinge nur, um den oder die Spielende zu erfreuen. Ob ein winziger Käfer, der ein gigantisches Blatt in sein Astloch schleppt, eine Blattlaus, die sich schmatzend satt frisst oder eine Art Pusteblume, die einzig den Zweck zu haben scheint, vom Spielenden leer geschüttelt zu werden – Botanicula sorgt so bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zugleich für große Augen und weckt schnell kindliche Neugier. Logische Grenzen scheinen in dieser Fantasiewelt kaum zu existieren.

Die Geschichte des Adventures ist bestenfalls als „flach“ zu bezeichnen. Es gibt keine Plotwendungen oder eine charakterliche Entwicklung – aber das schmälert den Spielspaß zu keiner Zeit. Die Aussicht immer wieder neues zu entdecken und eine fremdartige Welt zu erkunden kann Spielende allerdings auch schnell die Zeit vergessen lassen. Hier sollten Eltern auf die Spielzeit achten.

Die Rätsel sind für erfahrene Adventure-Spielende zu leicht, für Einsteiger und Kinder jedoch sehr gut geeignet. Frustmomente treten hier kaum auf. Es kann jederzeit gespeichert werden, Zeitdruck wird auch nicht auf die Spielenden ausgeübt. Die Rätsel in Botanica benötigen allerdings ein gewisses logisches Grundverständnis, wodurch es sich für Spielende ab sechs Jahren eignet.

Botanicula ist skurril, fantasievoll und könnte so auch aus einem modernen Märchenbuch stammen. Die liebevoll dargestellten Figuren und die dazugehörige Kulisse erschaffen eine animierte Kindergeschichte, die jedoch auch Erwachsene unterhalten kann. Damit bietet sich die Geschichte von Ast, Samen, Pilz, Feder und Mohnknospe geradezu an, um als Familienspiel für eine gemeinsame Abendunterhaltung zu sorgen.
Und wer sich zwischendurch fragt „Und was soll ich jetzt tun?“, für den lautet die Devise: Neugierig sein und ausprobieren!
Christian Knop
Dieses Spiel wurde beurteilt von:

2 Kommentare

Stephan, Infocafe Neu-Isenburg schreibt:

Botanicula ist ein wundervolles Spiel!
Optisch wie akustisch verträumt und bis ins kleinste Detail liebevoll gestaltet bietet Botanicula eine entspanntes kleines Abenteuer.
Ich gehöre zwar nicht zur Zielgruppe des Spiels, fühlte mich aber dennoch bestens Unterhalten.

13.08.2012 um 11:24
Mini Let's Play-Video (entstanden auf play12) schreibt:





11.12.2012 um 16:24


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