Spielebeurteilung

Journey

06.07.2012
Journey nimmt die Spielenden wortwörtlich auf eine Reise – eine Reise ins Ungewisse, denn die Geschichte und das Spielziel sind unklar. Ob allein oder zu zweit im Kooperationsmodus: das Spiel baut eine dichte Atmosphäre auf und sorgt so für einzigartige emotionale Spielmomente.

Eine verhüllte Figur gleitet durch die sonnendurchfluteten Sanddünen einer unendlich wirkenden Wüste. Unterwegs begegnen ihr Hinterlassenschaften einer längst untergegangenen Zivilisation in Form von zerfallenen Gebäuden und Brücken. Das vermeintliche Ziel der Reise ist kaum zu übersehen: im entfernten Horizont scheint die Silhouette eines gewaltigen Berges durch die flimmernde Luft. Ein Berg, majestätisch und bedrohlich zugleich, der sofort den Vergleich mit dem Schicksalsberg aus der „Herr der Ringe“-Saga gestattet. Doch statt Feuer zu speien, ragt aus dem Inneren des Berges ein Lichtstrahl gen Himmel und weist der namenlosen Figur den Weg. Angezogen von dem Licht wie eine Motte, bewegen wir uns langsam vorwärts, mit dem unguten Gefühl, dass es womöglich unsere letzte Reise sein wird.

Screenshots

Die bisherigen drei Spiele von thatgamecompany passen in keine gängigen Spiele-Kategorien. Das ist beabsichtigt und gerade dadurch faszinierend. In Zeiten von immer gleichen Actiongewittern, mächtigen Helden, den immer gleichen Wettbewerb um Punkte, Level und Kills wirken die Spiele der Entwickler aus Kalifornien wie positive Störer des Videospielkonsens und demonstrieren eindrucksvoll, dass es auch entgegengesetzte Entwicklungen gibt, die Spieler zudem auf der emotionalen Ebene berühren und zum Nachdenken bringen. Schon "Flower" aus dem Jahre 2007 war so eine emotionale Erfahrung. In der Rolle des Windes wehten Spielende Blütenblätter über Graslandschaften, begrünten trockene und ausgedörrte Gebiete und verhalfen der Natur zu ihrem Recht. "Flower" sorgte mit diesem Spielkonzept für eine ungewöhnliche, besinnliche und nachdenkliche Spielerfahrung, in dem es nebenbei eine ökologische Komponente vermittelte, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger eines Serious Games zu wedeln. Der Begriff des Zen-Gaming, also meditatives Spielen, wurde nach dem Spiel geprägt.

"Journey" ist eine vergleichbare, aber weitergehende Spielerfahrung, weil der Spieler alleine gelassen in der Wüste abgesetzt wird und es kaum Hinweise auf das Spielziel gibt. Dadurch wird die eigene Vorstellungskraft aktiviert und der Interpretationsraum über den Sinn des Spieles erweitert, der auch nachhallt, wenn der Controller weggelegt und die Konsole ausgeschaltet wurde.

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Pädagogische Beurteilung:

Wüstenleuchten
"Journey" ist, wie sein Vorgänger "Flower", sehr zugänglich umgesetzt worden und kommt mit wenigen Knöpfen aus. Die namenlose Figur wird durch die Landschaften mit dem linken Analogstick aus der 3. Person gesteuert. Über die Neigungssteuerung oder den rechten Analogstick wird die Kamera justiert. Mit der Kreis-Taste wird eine Schallwelle erzeugt, auf die in den Abschnitten verteilte Stoffbahnen reagieren und neue Wege freigeben. Mit der X-Taste kann die Figur springen bzw. fliegen. Hierzu ist es allerdings notwendig, Energie in Form von kleineren Stofffetzen zu sammeln, die in dem Schal der Figur gespeichert wird. Über gefundene Lichtartefakte, die wie Hieroglyphen aussehen, wird dieser länger und erhöht so die Sprungdauer der Figur. Die Figur kann anschließend höher gelegene Areale und Brücken erreichen. Das einfache Spielprinzip besteht somit aus dem Erkunden der Landschaften, kleineren Rätseln und dem Finden des Weges zum Berg. Somit ist "Journey" auch für Videospielanfänger geeignet.

Gemeinsam einsam
Wie schon erwähnt wird die verhüllte Figur durch schön gestaltete Umgebungen in Richtung des Berges geführt. Die von der unendlichen Wüste und den Ruinen vermittelte Gefühl von Einsamkeit und Verlorenheit können Spieler, falls sie in das Playstation Network angemeldet sind, mit einem anderen Spieler teilen. Die Entwickler haben sich hierfür zu einem ungewöhnlichen, aber bei näherer Betrachtung stimmigen Netzwerkmodus entschieden. Nach Anmeldung wird per Zufall ein weiterer Spieler zugewiesen. Eine Einladung über die Freundesliste ist somit nicht möglich. Mit diesem Unbekannten ist es zudem (fast) nicht möglich zu kommunizieren. Nur durch die eingeschlagene Richtung und mit der Kreis-Taste, die einen Ton erzeugt, kann eine sehr rudimentäre Form der Kommunikation durchgeführt werden, vorausgesetzt die Töne werden richtig interpretiert. Mit diesem Konzept wird die Spielatmosphäre des Ungewissen und der Einsamkeit beibehalten, doch mit einem Mitspieler wird so auch ein vertrautes Gefühl von Nähe vermittelt, da man von nun an gemeinsam auf die Reise geht und sich an einigen Stellen helfen kann.

» Die ganze pädagogische Beurteilung beim Spieleratgeber NRW lesen

Journey führt Figur und Spielende ins Unbekannte und Ungewisse. Somit vermittelt Journey eine gewisse Form von Unbehagen, aber auch von Neugier. Die endlose Wüste, die Lichtspiele der gleissenden Sonne und der stürmische Wind schaffen dabei eine melancholisch bedrückende, aber auch in gewisser Weise schöne Welt, die die wenigsten Spielenden emotional kalt lassen dürfte, ähnlich dem Meisterwerk "Shadow of the Colossus" (Test von Shadow of the Colossus). Ohne zu viel zu verraten, gegen Ende wird die Spielerfahrung sogar spürbar ins Körperliche übertragen. Das Spiel hat eine PEGI Freigabe ab 7 Jahren bekommen. Obwohl es im weiteren Verlauf etwas unheimlich wird, geht die Einstufung in Ordnung. Für die beabsichtigte reflektive Spielerfahrung sollten aber Spielende mindestens 12 Jahre alt sein.

Fazit:

"Journey" nimmt den Spieler auf eine ungewisse, aber spannende Reise und verpackt es in einem einfach zu bedienenden und wunderschön gestalteten Videospiel. Das Ganze ist für Spieler gedacht, die meditativ für 2 bis 3 Stunden in eine geheimnisvolle und neugierig machende Welt abtauchen und gerne über das Spiel und sein Ende reflektieren wollen.
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1 Kommentar

Erik, 15 Jahre, Infocafe Neu-Isenburg schreibt:

Journey war ein Spiel, das ich schon immer mal spielen wollte, und als ich es Angefangen habe war ich Überrascht. Das Spiel ist alles was man sich wünscht von so einen Spiel und mehr. Die Grafik des Spieles ist Wunderbar. Nicht die beste Grafik die es jemals gab aber durch den Grafik Stil in der Verbindung mit der Story Grandios. Die Musik des Spieles passt sich dem Spielgeschehen perfekt an und es ist ein Soundtrack den man sich auch so einfach mal anhören kann da es ein sehr entspannender Soundtrack ist. Die Steuerung ist teils ein bisschen seltsam, da man sich teils nur sehr langsam drehen kann. Ein Pluspunkt ist das Fliegen in dem Spiel da es einfach sehr leicht funktioniert. Im laufe des Spieles kann man auch länger fliegen, aber man muss danach suchen, da die Schriftrollen die man brauch um sein Fliegen zu verbessern teils sehr gut Versteckt sind. Was das Spiel sehr schön macht ist das nicht ein Wort in dem ganzen Spiel geredet wird und es gibt keine Dialog Boxen. Es gibt nur nach jeden abschnitt eine kurze Zwischensequenz gibt die erklären soll warum man überhaupt auf einer Reise ist. Wie diese Zwischensequenzen zu interpretieren sind, ist einem selbst überlassen. Das Spiel selber ist nicht sehr schwer und ist da um es zu genießen und um zu entspannen, was aber nicht heißt das einen das Spiel nicht zum nachdenken antreibt.
Was mir in dem Spiel auch sehr gut gefallen hat war der Multiplayer. Man wird Automatisch mit irgendjemanden zusammengeworfen und kann nicht mit ihm reden. Man kann nur kurze, oder lange töne von sich geben. Man sieht auch nicht mit wem man spielt, das sieht man erst am Ende des Spiels nach den Credits. Alles in allem ist das spiel seine 15€ Wert.Wenn man sich die PS4 Edition für 25€ holt bekommt man noch dazu Flow und Flower was auch sehr schöne spiele sind und von dem Selben Entwickler Studio gemacht ist wie von Journey

10.11.2016 um 18:53


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