Spielebeurteilung

I Am Alive

02.08.2012
Düster präsentiert sich das Spiel in dem es, wie der Name schon verrät, ums pure Überleben geht. I Am Alive bietet spannende und emotional mitreißende Unterhaltung in einem postapokalyptischen Szenario, und stellt dabei Moral und Ethik der Spielenden auf die Probe.


Knapp ein Jahr ist es her seit eine weltweite nicht näher erklärte Katastrophe den Großteil der Menschheit auslöschte. Ganze Städte liegen in Trümmern. Wer die Katastrophe überstanden hat kämpft nun geplagt von Hungersnot und dicker Atemluft ums pure Überleben. Genau dieses Schicksal hat auch den Protagonisten ereilt, in dessen Rolle die Spielenden gleich zu Beginn von I Am Alive schlüpfen. Ihn hält neben dem eigenen Überlebenswillen jedoch hauptsächlich die verzweifelte Hoffnung am Leben, seine Frau und Tochter wiederzufinden.

Die Spielenden bewegen sich in I Am Alive durch das Setting einer zerstörten Stadt. Der Weg führt sie durch die Kanalisation und über Schrottplätzen gleichende Hinterhöfe. Nach und nach erfahren sie mehr über die Hintergründe der Katastrophe und den möglichen Verbleib der eigenen Familie. Ihnen begegnen hilfebedürftige aber auch feindlich gesonnene Menschen. Um sich zu wehren stehen den Spielenden diverse Waffen zur Verfügung. Munition ist jedoch rar in I Am Alive und sollte somit sparsam eingesetzt werden.

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Neben der externen Gefahr, die von feindlich gesonnenen Mitmenschen ausgeht, kann auch die eigene Körperverfassung in I Am Alive zum vorzeitigen Tod führen. Jede Bewegung verbraucht Energie. Bei Überanstrengung versagt der Körper des Protagonisten. Dagegen helfen beispielsweise Energie-Päckchen, die neben anderen lebenswichtigen Ressourcen in der ganzen Stadt verteilt sind und eingesammelt werden können. Hat man ein solches Päckchen im Inventar, kann damit jederzeit Energie wiederaufgefüllt werden. Es kann aber auch anderen Hilfsbedürftigen zugute kommen, die einem auf dem Weg begegnen.

I Am Alive ist derzeit nur als Download für PlayStation 3 und Xbox 360 verfügbar. Um das Spiel zu erwerben bedarf es daher eines entsprechenden Accounts im PlayStation Network beziehungsweise bei Xbox Live.

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Pädagogische Beurteilung:

Ab der ersten Sekunde werden die Spielenden durch Optik und Akustik des Spiels I Am Alive in ein düsteres Endzeitszenario befördert. Die Farben beschränken sich auf verschiedene Grau-Töne, beziehungsweise Schwarz und Weiß. Staub in der Luft erschwert die Sicht. Die Musik wirkt ebenso bedrohlich wie monoton und spiegelt so die Einöde des völlig zerstörten Settings wider, in dem sich die Spielenden teils schleichend teils kletternd fortbewegen.

Hier und da treffen sie auf andere Überlebende der Katastrophe. Oftmals endet diese Begegnung jedoch nicht friedlich. Hungersnot und der reine Überlebenswille haben aus den Menschen teils emotionslose Plünderer gemacht, die alles und jeden angreifen, der sich ihnen nähert. Unüberlegter Einsatz von Waffen bringt an der Stelle jedoch nichts. Viele Charaktere sind unberechenbar, Munition rar, ein Kampf oftmals tödlich. Den Spielenden bleibt in den meisten Fällen nur die Abschreckung des Gegenübers mit einer leeren Waffe oder ein anderes Täuschungsmanöver, ein strategischer Rückzug oder sprachliches Geschick, um der kämpferischen Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Das ist unüblich für aktuelle Action-Adventure.

Die Personen, die einem in I Am Alive begegnen, bringen eine erschreckend dunkle Seite der Menschheit zum Vorschein. Gleichzeitig müssen die Spielenden selbst ihre moralischen und ethischen Werte mehrfach unter Beweis stellen. Geben sie eigene Reserven auf, um anderen Menschen in Not zu helfen? Oder sind sie gar bereit das Leben anderer zu opfern, um das eigene zu retten?
Ganz selbstlos ist Hilfe anderen gegenüber jedoch nicht. Gute Taten werden zum einen mit sogenannten "Wiederholungen" belohnt. Diese sorgen dafür, dass die Spielenden bei einer Niederlage am letzten Checkpoint fortfahren können. Sind alle Wiederholungen aufgebraucht, fällt man weiter zurück zum letzten Speicherpunkt am Anfang des Levels. Des Weiteren erhöht sich die Endpunktzahl, die die Spielenden erreichen können, wenn sie gute Taten vollbringen. Mit dieser Endpunktzahl können sie ihre Spielleistung in der Bestenliste mit der Anderer vergleichen.

In gewisser Weise beinhaltet I Am Alive auch strategische Elemente. Zu jeder Zeit müssen die Spielenden ihre eigene Körperverfassung im Blick haben und verwalten. Unüberlegter Gebrauch von Medizin, Nahrung oder anderen Ressourcen kann im Ernstfall über Sieg und Niederlage entscheiden. Denn der verletzte Protagonist regeneriert sich nicht von selbst.

Fazit:

I Am Alive baut mit seiner Geschichte und der Darstellung eine stark bedrückende Grundstimmung auf. I Am Alive ist daher nichts für Jugendliche unter 16 Jahren. Die Tatsache, dass es sich bei den Gegnern um Menschen handelt, die nur aus der eigenen misslichen und verzweifelten Lage heraus ihre dunkelste Seite zum Vorschein bringen, sorgt für emotionale Tiefe im Spiel. Ebenso wie die moralischen und ethischen Grundfragen, vor die die Spielenden gestellt werden.
Anne Sauer
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