Spielebeurteilung

L.A. Noire

05.04.2012

L.A. Noire versetzt die Spielenden ins Los Angeles der späten 40er. In der Rolle von Detektiv Cole Phelps klären sie diverse Verbrechen auf und sehen sich dabei mit finsteren Machenschaften konfrontiert. Dank neuer Technologie und detaillierter Spielwelt entsteht ein realistisches, wenn auch düsteres Bild der Zeit.






Von Kadir Yilanci (Spieleratgeber NRW)


Der Heimkehrer aus dem 2. Weltkrieg Cole Phelps arbeitet als Streife bei der Polizei in Los Angeles. Er ist jung, vor allem sehr ehrgeizig und übernimmt bei einem Streifengang eigenmächtig, aber erfolgreich, die Ermittlungen eines Falles. Dieser Erfolg bleibt selbstverständlich seinen Vorgesetzten nicht verborgen und sie sehen den jungen Kriegshelden schon als öffentlichkeitswirksames Aushängeschild für die Polizei von Los Angeles. Dazu wird Phelps zunächst zur Verkehrspolizei befördert, wo er in Zivil mit einem Kollegen Verbrechen untersucht. Im späteren Verlauf wird er ins Morddezernat versetzt. Hier bekommt er es mit einer unheimlichen Mordserie an Frauen zu tun.


Screenshots




Als "L. A. Noire" von Rockstar Games, den Machern von "Grand Theft Auto IV" und des Western-Epos "Red Dead Redemption" angekündigt wurde, erwartete die Spielergemeinde wieder einen Titel mit dem Spielprinzip der Offenen Welt. Diesmal wurde das Los Angeles des Jahres 1947 sehr detailreich simuliert, Spielende können im Auto oder per Pedes die unglaublich riesige Stadt erkunden, aber das Spielprinzip ist ein gänzlich anderes. Das fängt schon mit einem diametralen Perspektivenwechsel an. Statt wie bisher die Rolle eines Verbrechers einzunehmen, sind die Spielenden diesmal Gesetzeshüter. Aber es wäre kein Rockstar und kein Game Noir, wenn nicht auch die dunklen Seiten der amerikanischen Gesellschaft Thema des Spiels wären, aber dazu später mehr.


Anders ist zudem, dass neben den 21 Aufträgen in der Stadt der Engel relativ wenig zu tun ist. Das Missionsdesign ist linear aufgebaut und erlaubt so selten, etwas abseits zu erledigen. Gelegentlich kommen zwar Funksprüche über gerade stattfindende Verbrechen, die der Spieler verfolgen kann. Ansonsten gibt es im Vergleich zu den beiden erstgenannten Spielen, wo praktisch hinter jeder Straßenecke oder Anhöhe eine Nebenmission wartete, deutlich weniger zu tun. Daher trifft das Open-World-Prinzip bei dem Spiel nicht ganz zu.


Der größte Unterschied ist aber, dass „L.A. Noire“ kein Action-Spiel ist. Das fängt damit an, dass Cole Phelps nur situationsbedingt seine Fäuste und seine Dienstwaffe einsetzen kann. Schießereien und Autoverfolgungsjagden kommen in dem Titel seltener vor und haben einen weniger relevanten Stellenwert, wie in „GTA IV“ oder „Red Dead Redemption“. Das primäre Spielprinzip liegt vielmehr in der alltäglichen Polizeiarbeit, das aus „L.A. Noire“ fast ein klassisches Adventure

Spiel werden lässt.


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Heavy Rain


Pädagogische Beurteilung:

Beweisen nachgehen, Verdächtige befragen

Die realistischen Verhöre sind ein wichtiges spielerisches Element, um Informationen zu bekommen, die auf den Täter schliessen können. Dazu haben die australischen Entwickler Team Bondi eine Technik verfeinert, die Motion-Scan genannt wird. […] In "L.A. Noire" besetzten eine Reihe bekannter Schauspieler wie bspw. Aaron Staton oder Michael Gladis, aus der Serie "Mad Men", Figuren im Spiel und wurden mit 32 Kameras gleichzeitig aufgenommen und digitalisiert. Dabei wurde der Focus vor allem auf realistische Gesichtsanimationen gelegt, damit der Spieler bei Verhören Gefühlsausdrücke durch Mimik von Zeugen oder Verdächtigen auf den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen deuten kann.

Bei Befragungen und Verhören muss also der Spieler die Person gegenüber genau Beobachten und Gesichtsausdrücke als Zeichen von Wahrheit oder Lüge erkennen. […] Die Verhörsituationen mit dem Mimenspiel und den hervorragenden und lippensynchronen Dialogen sind eine innovative Komponente und machen aus "L.A. Noire" ein spannendes Detektivspiel, das Spielern eine hohe Aufmerksamkeit und recht gute Englisch-Kenntnisse abverlangt. Zwar können deutsche Untertitel eingeblendet werden, aber gleichzeitig Untertitel lesen und den Gesichtsausdruck des Gegenübers untersuchen ist weniger zu empfehlen. Richtig schade ist, dass eine gute oder schlechte Ermittlung keine Konsequenzen nach sich zieht. Bei Erfolg bekommt der Spieler Erfahrungspunkte gutgeschrieben, doch außer neuen Autos, Anzügen und einem Intuitionspunkt passiert nicht viel. Schlechte Ermittlungen haben nur einen Rüffel vom Vorgesetzten zur Folge. Eine Strafversetzung oder eine alternative, vielleicht private Ermittlung des Falls wurde leider nicht eingebaut. Alternative Enden wie in "Heavy Rain" (Test von Heavy Rain) sind nicht möglich.

Film oder Spiel oder Gesellschaftsstudie

In den Spielen von Rockstar Games sind zahlreiche gesellschaftliche und kulturelle Referenzen elementarer Bestandteil. "GTA IV" ist eine Satire auf den uramerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. "Red Dead Redemption" räumt mit dem idealisierten Western-Mythos auf und zeigt ein weniger heroisches Bild des Wilden Westens. Bei "L.A. Noire" sind ebenfalls viele gesellschaftskritische Merkmale zu finden. Schon der Titel ist ein Hinweis auf die dunkle Seite von Los Angeles. Hollywood zieht viele junge Frauen an, die von einer Karriere als Filmstar träumen, aber dann in einem Pornofilm enden. Polizisten stehen oft über dem Gesetz und sind Korrupt. Der Polizeichef denkt nur an seine Statistik, ob Unschuldige hinter Gittern kommen, ist ihm egal. Frauen haben nichts zu melden, Schwarze noch weniger, werden als Neger bezeichnet und sind nur in den unteren Regionen der Gesellschaft als Liftboy, Kellner oder Drogendealer zu finden. Der vor kurzem zu Ende gegangene 2. Weltkrieg und seine Folgen für die Heimkehrer werden kritisch angezeigt, wie auch der beginnende Kalte Krieg und die Paranoia vor dem Kommunismus. Das ist eine Themenvielfalt, die in den wenigsten Videospielen zu finden sind. Zusammen mit der akribisch genauen grafischen Gestaltung von Los Angeles ist zu erkennen, dass sich die Entwickler intensiv mit der damaligen Zeit auseinandergesetzt haben. Wie bei einem guten Buch, das Personen und Umgebung detailliert beschreibt, wird der Spieler so förmlich in das Jahr 1947 von Los Angeles hineingesogen.

» Die ganze pädagogische Beurteilung beim Spieleratgeber NRW lesen

Fazit:

Spieler, die ein gewöhnliches Action-Spiel erwarten werden von "L. A. Noire" vermutlich enttäuscht sein. Dazu verschwimmen die Grenzen von Film und Spiel so sehr, dass man den Titel zu recht als interaktiven Film bezeichnen kann. Für Spieler allerdings, die gerne aus den üblichen Strukturen ausbrechen möchten und einen Faible für Film (und gute Englischkenntnisse) besitzen, bietet "L.A. Noire" eine willkommene Abwechslung zum Videospiel-Einerlei dieser Tage. Aufgrund der Thematik, der Atmosphäre von Gewaltverbrechen ist das Spiel allerdings erst für Erwachsene zu empfehlen.
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Dieses Spiel wurde beurteilt von:

1 Kommentar

Ed schreibt:

Gute Grafik, ist die Handlung interessant

19.04.2012 um 08:18


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