Spielebeurteilung

Homefront

07.11.2011
Homefront ist ein düsterer Ego-Shooter eingebettet in ein fiktives Zukunftsszenario: Ein zur Weltmacht erstarktes Korea greift die USA an und versklavt dessen Bevölkerung. Auf der Seite des zivilen Widerstandes kämpfen die Spielenden nun um ihre Freiheit. Reine Erwachsenenunterhaltung.




Was wäre wenn-Situationen werden gerne bei Romanen oder Filmen verwendet, um die aktuelle Realität in andere, spannendere oder gar alternative Bahnen zu lenken. Was wäre, wenn Computer ein Bewusstsein entwickeln würden? Was wäre, wenn es Zeitreisen gäbe? Was wäre, wenn Außerirdische die Erde besuchen würden? Oder was wäre, wenn ein wiedervereinigtes Korea die Vereinigten Staaten von Amerika besetzen würde? Undenkbar natürlich, aber dennoch spannend.

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Zur Rahmenhandlung: Die USA fällt immer tiefer in die Depression, die Staatsverschuldung gerät außer Kontrolle. Rating Agenturen degradieren die Kreditwürdigkeit des Landes, wie aus der Tagespresse zu entnehmen war. Wie es der Zufall will, passt die aktuelle Situation zumindest im Ansatz auf die von Drehbuchautor („Apokalypse Now“ 1979) und Regisseur („Conan, der Barbar“ 1982 und „Der Wind und der Löwe“ 1973) John Milius ausgedachte Geschichte, um den Niedergang der einstigen wirtschaftlichen und militärischen Supermacht USA.

In einem Prolog werden reale Szenen mit fiktiven Ereignissen vermischt, die die Machtstruktur fundamental verändern. Nordkorea verbündet sich mit seinen Brüdern und Schwestern aus dem Süden, nachdem Diktator Kim Jong Il verstarb und sein Sohn Kim Jong Un die Macht übernahm. Unter seiner Führung entwickelt sich das vereinigte Korea innerhalb weniger Jahre zur neuen wirtschaftlichen und militärischen Supermacht. Später ergibt sich die High-Tech Nation Japan dem politischen und militärischen Druck und auch andere asiatische Staaten werden unter den großkoreanischen Schirm gezwungen. Aber der Masterplan zielt auf etwas Großes ab. Ein als Kommunikationssatellit getarnte elektromagnetische Waffe setzt im Jahr 2025 die nicht mehr so mächtige Infrastruktur der USA außer Kraft und leitet die Invasion durch den aktuellen Angstgegner Nordkorea ein. Was danach folgt sind Tod, Zerstörungen, Vertreibungen, Erschießungen und Massengräber. Aber der Widerstand formiert sich und Sie als Spielende sind an dem Kampf gegen die Besatzer beteiligt.

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1 Kommentar

Kadir Yilanci, Spieleratgeber NRW schreibt:

... spielerisch Einheitskost!
Leider ist es dem Entwickler Chaos Studios nicht gelungen, den neuartigen Grundplot auch spielerisch innovativ zu gestalten. Statt den Spieler mit einem geräuschlosen und spannenden Guerilla-Krieg zu konfrontieren, gibt es zumeist nur wilde Schießereien gegen nicht enden wollende, dümmlich agierende Gegnermassen. Die Hauptfigur Robert Jacobs wird dabei immer von einigen vom Computer gesteuerten Mitstreitern begleitet, auf die aber der Spieler leider keinerlei Einfluss hat. Ebenso gelingt es dem Spiel nicht, eine emotionale Bindung zu den digitalen Figuren aufzubauen, die nur oberflächlich gezeichnet sind.
Wie fast alle Genrevertreter sind die fast apokalyptisch gestalteten Level wieder schlauchartig gestaltet, so dass es keine alternativen Routen gibt. Ebenso fehlen auch alternative Handlungsmuster, die eigentlich in einem Guerilla-Krieg gepasst hätten und der Action mehr Spannung und vor allem Varianz gegeben hätten. Warum mal nicht die Waffe weglegen und versuchen unentdeckt zu bleiben? Warum nicht die Figur durch innere Monologe oder Bewusstseinsströme über seine Taten oder über die Natur des Krieges reflektieren lassen? Zwar gibt es den obligatorischen Scharfschützenlevel, der aber durch die dümmliche künstliche Intelligenz des Gegners etwas zu einfach geraten ist. Ansonsten ist der hohe Schwierigkeitsgrad im normalen Modus für erfahrene Spieler zu meistern. Anfänger werden sich schwer tun, was neben den Gegnermassen auch der komplexen Steuerung eines First-Person-Shooters auf einem Gamepad geschuldet ist.
„Homefront“ ist sicher kein schlechtes Spiel und ist für Fans des Genres interessant. Aber man merkt dem Spiel an, dass es eine interessante Spannung aufbaut, aber diese nicht aufrechterhält. Spielerisch wird nichts Neues geboten, aber womit sich das Spiel von anderen Vertretern positiv abgrenzt, ist die umfassendere Darstellung von Krieg und seinen Folgen und konfrontiert den action-verwöhnten Spieler mit teilweise äusserst unangenehmen Bildern. Und die sind selbstverständlich nicht für ein jugendliches Publikum gedacht.

» Die ganze pädagogische Beurteilung beim Spieleratgeber NRW lesen

Fazit:
Leider gelingt es „Homefront“ nicht, die Dynamik aus der spannenden Rahmenhandlung in das Spiel zu bringen und bietet spielerisch zwar solide, aber gewohnte Action, die zudem recht kurz ausgefallen ist, jedoch aufgrund des Online-Modus längeren Spielspaß bietet.
Was man aber dem Spiel anrechnen muss ist, dass es weitreichendere Facetten eines Krieges, fernab eines Abenteuerurlaubs, mit dem Leid der Bevölkerung, Massengräbern, aber auch selbstreflexive Komponenten einbaut und dadurch eine ungewohnte, vielleicht sogar kritischere Spielerfahrung mit dem Thema Gewalt und Krieg, als die meisten anderen Kriegsspiele, bietet. Aufgrund dessen, der düsteren Atmosphäre und der gezeigten virtuellen Gewalt gehört „Homefront“ nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen.

07.11.2011 um 11:47


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