Spielebeurteilung

Grand Theft Auto: Vice City

15.03.2011
Charakteristisch für das Action-Adventure Grand Theft Auto: Vice City ist die riesige, frei begehbare Spielwelt. Aufgrund der teilweise brutalen Handlung ist Vice City nur für Spielende mit gefestigten Werte- und Normensystem geeignet, frühestens ab einem Alter von 16 Jahren.


Tommy Vercetti, der Protagonist des Spiels, wurde nach 15 Jahren Haft aus dem Gefängnis von Liberty City entlassen und wird nun von seinem Boss, Sonny Forelli, für kriminelle Machenschaften nach Vice City gesandt. Fatalerweise geht bei einer Übergabe etwas schief, als sich eine unbekannte Gang einmischt. Tommy verliert eine Menge Geld, das es nun wiederzubeschaffen gilt. Dabei ist es dem Gangsterboss Sonny völlig gleichgültig, wie Tommy das anstellt. An dieser Stelle steigen die Spielenden in das Geschehen ein und übernehmen die Rolle von Tommy, dem zu Beginn nur der Anwalt von Sonny, Ken Rosenbaum, zur Seite steht.

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Vice City ist eine dem Miami der 80er Jahre nachgebildete, lebendige Spielwelt mit Auto-, Schiffs-und Flugverkehr, geschäftigen Menschen auf den Straßen, Kaufhäusern, Boutiquen und einer stets wachsamen Polizei, Feuerwehr und Ambulanz sowie Tag-und Nachtwechsel und wechselndem Wetter. Die Stadt ist eingeteilt in mehrere Stadtviertel. So gibt es z.B. eine Insel mit Luxusvillen der Besserverdienenden, kubanisch geprägte Viertel, Geschäfts-, Arbeits-und Vergnügungsviertel und einen langen Sandstrand. Die gesamte Stadt kann von den Spielenden frei erkundet werden und es kann jedes nur erdenkliche Fortbewegungsmittel vom Auto über Sportboot bis hin zum Militärhelikopter dafür benutzt werden.

Die Missionen in Vice City sind frei wählbar und werden den Spielenden auf verschiedene Arten überbracht. So gibt es beispielsweise Instruktionen per Handy oder man muss die Auftraggeber persönlich aufsuchen. Für erfolgreich abgeschlossene Missionen bekommt man Boni, wie etwa Geld, bessere Waffen oder Zugang zu neuen Stadtvierteln. Sollte Tommy einmal im Spiel von der Polizei verhaftet oder getötet werden, wird das Spiel vor dem nächsten Polizeirevier oder Krankenhaus fortgesetzt. Allerdings verliert er seine gesamte Ausrüstung und einen Teil seines Vermögens.
Der Schwierigkeitsgrad ist nicht manuell wählbar, die Schwierigkeiten der einzelnen Missionen variieren von extrem leicht bis glücksabhängig.

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1 Kommentar

Universität Magdeburg schreibt:

Pädagogische Beurteilung von Sebastian Hundt und Steffen Dietrich, Universität Magdeburg, im Rahmen des Seminars „Pädagogische Analyse und Bewertung von Spielsoftware" im Sommersemester 2005 (hier in einer von der Redaktion spielbar.de stark gekürzten Fassung):

Bezüglich der kognitiven Kompetenzen ist zunächst zu sagen, dass Grand Theft Auto: Vice City trotz des brutalen Inhalts viele Aspekte beinhaltet, die förderlich für den Spieler sind. Darunter fallen unter anderem die Förderung der Konzentrationsfähigkeit und des Orientierungssinnes in einer komplexen 3D-Welt, da sich der Spieler unter Zuhilfenahme von diversen Fortbewegungsmitteln in Vice City zurechtfinden muss. Ein weiterer Aspekt ist, dass sich der Spieler innerhalb von Missionen eine konkrete Fluchtstrecke ausdenken muss, wenn er von gegnerischen Einheiten oder der Polizei verfolgt wird. Es wird Abstraktions-, Planungs-und Problemlösevermögen vorausgesetzt beziehungsweise aufgebaut.

Gefragt ist ferner moralische Urteilskompetenz. Beispielsweise muss der Spieler sich überlegen, ob es sinnvoll wäre, durch hektisches Fahren Passanten zu gefährden und somit eine Verfolgung mit der Polizei zu riskieren oder durch ruhiges Fahren mit etwas mehr Zeitaufwand an das Ziel zu gelangen. Das Welt-und Menschenbild ist sehr stereotyp gehalten. Kubaner und Haitianer werden beispielsweise als Drogendealer dargestellt, was unter anderem zu einer Klage gegen Rockstar Games geführt hat. Die Storycharaktere entsprechen den üblichen Gangsterbossprofilen der 80er Jahre und die Stadt ist stark ghettorisiert. Das Werte-und Normensystem entspricht in etwa dem der heutigen Gesellschaft, allerdings in abgeschwächter Form.
Die Motivation das Spiel fortzusetzen und die möglichen 100% zu erreichen wird durch viele kleine Möglichkeiten unterstützt, das Spiel zu individualisieren. Beispielsweise kann man sein eigenes Radio gestalten oder Live-Wetter in das Spiel integrieren.

Das Spiel ist ab 16 Jahren freigegeben. Die Deutsche Version wurde im Vergleich mit der Englischen stark entschärft. Die Geschichte ist allgemein mit sehr schwarzem Humor behaftet und stellt klischeehaft das Gangsterleben dar, was unter anderem auch pornographische Darstellungen beinhaltet.
Aufgrund der doch vorherrschenden Gewalt und der ab und an vorkommenden pornographischen Darstellungen ist die Freigabe ab 16 Jahren durchaus gerechtfertigt. In der Diskussion, sowie der Recherche in diversen Internetforen konnte man feststellen, dass dieses Spiel nur für Spieler geeignet ist, die schon ein gefestigtes, verinnerlichtes Werte-und Normensystem und die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung und Selbstkritik besitzen. Bei jüngeren Spielern bestünde die Gefahr, dass diese das System von Vice City mit ihrem, sich noch in der Entwicklung befindenden System vermischen bzw. verfälschen.

31.07.2006 um 17:08


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