Spielebeurteilung

Desperados

15.03.2011
Die Spielenden schlüpfen in die Rolle von Kopfgeldjäger John Cooper und versuchen zusammen mit dessen fünfköpfiger Crew den Banditenanführer El Diablo dingfest zu machen. Statt schneller Colts ist in diesem Western-Echtzeit-Strategiespiel jedoch taktisches Geschick gefragt.


Das Echtzeit-Taktik-Spielprinzip kam 1998 erstmals in "Commandos" zum Einsatz. Sechs Elitesoldaten kämpften im Zweiten Weltkrieg gegen die Deutschen in Norwegen. Jeder besaß bestimmte Fähigkeiten wie Tarnen, Scharfschießen, Ablenken oder Heilen. Selten erwies sich die einfachste Methode als die beste. Nun heißt es auch überrumpeln, tricksen und täuschen im Wilden Westen.

Unter dem Kommando von John Cooper reitet ein Team durch Mexiko, ständig auf der Suche nach klingelnder Münze. Mal als Bandit, dann wieder als Kopfgeldjäger oder Bankräuber. Wenn das Team Waffen schwingend durch die Vordertüre bricht, gleicht dies einem Selbstmord. Taktik funktioniert anders. Ein Beispiel: Die schlanke Schönheit Kate, von Beruf Falschspielerin, zupft sich mitten im Blickfeld eines Grüppchens grölender Gringo-Wachen das Strumpfband am entblößten Bein zurecht. Die Kerle trauen ihren Augen nicht. Die Männer zieht es in Richtung der verführerischen Senorita. Ein Meter vor dem Ziel springen plötzlich Cooper und der Mexikaner Sanchez aus den Büschen und schicken die verblüfften Banditos ins Reich der Träume. Und schon wurde eine Gruppe Wachen überlistet. Der Übermacht setzt das Sextett ein vielseitiges Arsenal von Kampftaktiken entgegen. Anführer und Haudegen Cooper schaltet Feinde mit der Pistole, dem lautlosem Wurfmesser oder zur Not auch per Fausthieb aus. Bewusstlos geschlagene Gegner wachen nach einiger Zeit wieder auf, aber zum Glück kann der vorlaute Kollege Sam als Mann fürs Grobe die Jungs zu handlichen Paketen verschnüren. Als Sprengmeister schleudert er Dynamitstangen oder zerstört mit genau platzierten Pulverfässern Mauern und Tore. Der dritte im Bunde, Doc McCoy, wirft Fläschchen mit Betäubungsgas oder lässt sie per Ballon zu den Feinden gleiten. Ein Schuss aus seiner Scharfschützenpistole holt die Phiole dann vom Himmel. Kate betört nicht nur hormongeplagte Banditen, sondern lenkt sie auch per Taschenspiegel und Pokerkarten ab oder legt sie mittels Karate-Tritt flach.

In 25 Missionen bevölkern 50 bis über 100 Feinde die Karte. Selbst der gerissenste Taktiker braucht hier seine Zeit. Die Westernatmosphäre sorgt dabei als unverbrauchtes Ambiente für lang anhaltende Spielmotivation. Brutalität steht nie an erster Stelle, eher das Gegenteil. Stirbt ein Dorfbewohner, scheitert die Mission. Auch beim Gegner gilt zumeist: bewusstlos schlagen genügt.

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1 Kommentar

die pädagogen (päd. Urteil) schreibt:

Das Prinzip dieses Spiels erfordert Taktiker, die genau beobachten und dann Schlüsse aus ihrer Umgebung ziehen. Wenn Verbrecher sich in einem Minenstollen befinden, muss ich vielleicht gar nicht mit meinem Team rein, um diese auszuschalten, und damit mein Team gefährden. Es reicht hier, den Stärksten des Teams mit der Lore die Mine zu versperren. Schon kann ich in Ruhe meine Mission erfüllen.

Die Tatsache, dass alle Mitglieder des Teams unterschiedliche Fähigkeiten aufweisen, erfordert immer neue Kombinationen der verschiedenen Teamfähigkeiten miteinander. Dabei muss der Spieler die Fähigkeiten nicht nur auf die Fähigkeiten der Gegner abstimmen, sondern auch das Gelände mit in seine Überlegungen einbeziehen.

Erfrischend, dass sich mal ein Genre an den alten Western-Klischees bedient. Bei all den Kriegsszenarien, die in den Echtzeitstrategien vorkommen, ist dies eine willkommene Abwechslung.

Der weibliche Charakter kämpft mit den Waffen einer Frau und schafft es jedesmal die Männer mit ihren Reisen zu "betäuben". Es bieten sich dort interessante Anknüpfungspunkte für ein Gespräch mit Jungen über ihre Einstellung zur Weiblichkeit. Macht Liebe blind?

Das Wichtigste in Kürze:
• erholsames Westernklischee
• interessante Männerwirkungen auf das Frauenbild
• viele Faktoren sind miteinander zu kombinieren

12.09.2001 um 18:38


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