Spielebeurteilung

America’s Army

15.03.2011
Hinter dem kostenloses Onlinespiel steckt ein Ego-Shooter , der von der US States Army zu Werbe- und Rekrutierungszwecken entwickelt wurde. Die Handlung ist nebensächlich, es geht allein um den virtuellen Kampf gegen den internationalen Terrorismus.


Im virtuellen Kampf gegen den internationalen Terrorismus gibt es keinen klar definierten Schauplatz, nur ein Ziel: Schütze deine Freiheit um jeden Preis. Dafür kämpfst du und dafür stirbst du. „Americas Army" ist ein reines Online-Spiel , welches keinen durchgehenden Handlungsfaden hat. Es besteht zum Zeitpunkt des Spieltests aus 17 Maps (Karten), auf welchen Terroristen und US-Armee die Kämpfe gegeneinander austragen. Da es immer zwei Seiten gibt, existieren auch immer zwei Aufträge, wobei es nie möglich ist, die Rolle der Terroristen zu übernehmen. So spielt man immer die vermeintlich Guten.

Nach der erfolgreichen Anmeldung ist ein Training erfolgreich zu absolvieren, welches im Grundsätzlichen aus einem Schießtraining, einem Lauf über die Hindernisbahn, einer Ausbildung an den Waffen der US-Armee sowie einer abschließenden Übung in einer Trainingsanlage besteht. Danach ist es möglich, als einfacher Soldat an dem Spiel teilzunehmen, aber noch nicht auf allen Positionen und auf allen Maps. Nur fortlaufende Weiterbildung erlaubt dies, wie im richtigen Leben.

Es stehen weitere drei Vorgehensweisen zur Verfügung. Neben der Ausbildung zum Scharfschützen, die aber nur nach erfolgreicher Teilnahme am Schießtraining durchgeführt werden darf, und einer Ausbildung zum Fallschirmspringer, welche zur Teilnahme an den Maps mit Fallschirmsprung berechtigt, steht noch die Ausbildung zum Sanitäter zur Verfügung. Während alle anderen Ausbildungen mehr oder weniger leicht zu schaffen sind, ist es bei der Ausbildung zum Sanitäter unerlässlich über gute Englischkenntnisse zu verfügen. Hat man es allerdings geschafft, ist man ein sehr wertvolles Mitglied seines Squads (kleinste Kampfgruppe der US-Armee).

Das Spiel besitzt eine „Eltern-Kontroll"-Funktion, welche dazu genutzt werden kann, um zum Beispiel den Scharfschützenmodus zu deaktivieren, das Blut und die Leichen auszuschalten oder nur Miles-Server zuzulassen.

[*Anmerkung der spielbar-Redaktion: Am 21. Februar 2006 wurde eine Umsetzung des Spiels für die Xbox veröffentlicht, später auch für die PlayStation 2. Mit der Konsolen -Version, die den Titel „America’s Army: Rise of a Soldier“ trägt, sollte ein breiteres und jüngeres Publikum erreicht werden.]

Anderer Ego-Shooter

Call of Duty: Modern Warfare 2
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Dieses Spiel wurde getestet von:

3 Kommentare

Sebastian Gabriel, 25 schreibt:

Es macht einfach nur Spaß, sich mit Spielern überall auf der Welt zu messen. Dabei lässt einen das Spiel auch seine eigentliche Aufgabe vergessen. Die Aufmachung und das Menü sind dem Zweck des Spiels entsprechend klar und gut strukturiert aufgebaut. Diverse Einstellungsmöglichkeiten erleichtern die Handhabung und die Anpassung an das vorhandene System. Die Linux-Version des Spiels scheint stabiler zu laufen und produziert weniger Fehler, was auch zu mehr Spielspaß führt. Die Handhabung des Spiels wird über die Trainingsfunktion am Anfang sehr gut rübergebracht und stellt auch für Anfänger und Erstspieler in diesem Genre kein Problem dar. Darum braucht man keine besonderen Fähigkeiten, da auch ein Anfänger durch überlegte Handlungen zum Sieger werden kann. Durch die kurzen Rundenzeiten und die Möglichkeit beim Tod einem anderen Teammitglied über die Schulter gucken zu können, lassen sich auch vermeintliche Leerläufe gut überbrücken. Die eingebaute Chat-Funktion tut ihr übriges.

Das Spiel bildet die Wirklichkeit in einer Weise ab, die leider nichts mit der Wirklichkeit der realen Armee zu tun hat. Oder besser, Gott sei dank, so ist es bis zur Ernüchterung nicht weit, wenn man erst mal dabei ist. Der Umgangston unter den Spielenden ist rau und meist Englisch. Wer damit Probleme hat sollte sich von offiziellen Servern fernhalten. Andererseits wird man so angehalten sich mit dem Englischen zu beschäftigen, was ja auch nicht verkehrt sein kann.

Das Spiel ist für alle, die ihre Zeit nicht im Kampf gegen den Computer verschwenden, sondern auch mal im Wettstreit mit anderen messen wollen. Der einzige Wermutstropfen liegt auf der Seite der Mehrspieler, die durch gezielt eingeübte Schießeinlagen einen Angriff vorzeitig und meist ziemlich plötzlich beenden könnten. Da kann ein Serverwechsel von Vorteil sein. Alles in allem ein sehr gut gelungenes Spiel und dazu kostenlos.

11.02.2004 um 18:23
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg schreibt:

Das Spiel ist eine realitätsnahe Darstellung der Aufgaben einer Armee im Terrorkampf, programmiert zu Werbe- und Rekrutierungszwecken. Die Charaktere sind sehr detailgetreu dargestellt und auch die Umgebung. Die Waffen sind der amerikanischen Armee nachempfunden. Sie sehen den Originalen zum Verwechseln ähnlich. Ihr Verhalten ist sehr realistisch, sie klemmen und sind in Munition und Feuerungsgeschwindigkeit, sowie Zielgenauigkeit der Wirklichkeit nachempfunden. Dies verleiht dem virtuellen Krieg viel Glaubwürdigkeit. Es ist aber auch möglich mit Miles Waffen zu spielen, was einen blutlosen Kampf ermöglicht. Das reale Spielverhalten der Charaktere rührt daher, dass es keine Computergegner gibt, sondern einem immer Menschen gegenüber oder zur Seite stehen. Die Kommunikation mit den Mitspielern steht über mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Neben einigen vorprogrammierten Ausrufen, Handzeichen oder Funksprüchen, besteht noch die Möglichkeit über selbst geschriebene Nachrichten, mit den anderen in seinem Squad zu kommunizieren.

Probleme sehe ich in diesem Spiel darin, das der Gegner nicht frei wählbar ist. Man kämpft immer gegen die Terroristen und ist immer Mitglied der US-Armee, ein Wechsel der Rollen ist nur auf privaten Servern möglich. Es ist falsch, ein so klares Feinbild zu schaffen, da auch andere Völker das Recht haben ihre Freiheit zu verteidigen, nicht nur die Vereinigten Staaten. Es sollte daraufhin in Gruppengesprächen die Sicht bzw. Ausprägung der Feindbilder überprüft werden, da durch das Spiel ein falsches Rechtsbewusstsein entstehen kann.

Die offizielle Version ist nur ab 18 zu empfehlen, da eine einfache Neuinstallation den Elternschutz zunichte macht. Mit dem Spiel können im pädagogischen Rahmen, Fragen zu Feindbildern und zur Rolle der Armee diskutiert werden. Da in den Trainingsequenzen auch weibliche Soldaten zu sehen sind, ist das Spiel sicher auch zur Klärung von Geschlechterrollen einsetzbar. Da bei dem Spiel auch die Kommunikation wichtig ist und der Einzelkämpfer so gut wie nie durchkommt, kann anhand des Spiels die Wichtigkeit von Teamarbeit und Zusammenarbeit sowie Kommunikation diskutiert werden. Es gibt immer einen, der besser ist als Du; das trifft auch auf dieses Spiel zu. Es wird immer Momente geben in denen man die Waffe niederlegen muss, und den Rest der Runde zuguck, egal wie gut man bist. Es wird auch aufzeigen, dass das Verlieren zum Leben gehört. Somit ist dieses Kriegsspiel mit all seinen Einstellmöglichkeiten eine sichere Möglichkeit sich mit einem modernen Ego-Shooter auseinander zu setzen.

Das Wichtigste in Kürze:
• problematisches Feindbild
• realistische Waffenabbilder
• schlichtweg Propaganda

11.02.2004 um 18:24
die pädagogen, (päd. Urteil) schreibt:

Das Spiel setzt neueste Computerspieltechnik ein und wird kostenlos verteilt (über Internet, Spiele-Magazine, im Bundle mit Hardware und über die Rekrutierungsbüros der US-Army - die US-Armee fordert gar zum freien Kopieren auf). Es erreichte in kürzester Zeit eine große Verbreitung und propagierte durch das Ausblenden von expliziten Gewaltdarstellungen das Bild einer "gesitteten" Armee und eines "sauberen" Krieges.
Zum Spielen von "America's Army" muss sich der Spieler mit einen Spielernamen und einer gültigen Email-Adresse auf einem Server der Army registrieren. Per Email gibt es dann einen individuellen Freischaltcode für das Spiel. Eine Option, sich bei Angabe der Email explizit von Werbe- und Rekrutierungs-Emails auszunehmen, fehlt, da die Army das Spiel aktiv zur Soldaten-Rekrutierung einsetzen möchte. Der Fortschritt des Spielers wird zentral von der Army protokolliert.
Der Spieler durchläuft eine Soldatenkarriere. Mitsamt Konsequenzen bei Missachtung von Regeln und dem Aufstieg auf der militärischen Karriereleiter bei erwünschten Verhaltensweisen. Jan Mandler, Spieltester auf Gamesmania.de schrieb dazu: "Spielverderber, die auf ihre eigene Kameraden oder zu beschützende Geiseln feuern, werden mit Strafpunkten versehen. Überschreitet man eine kritische Strafpunkt-Grenze, landet man für gewisse Zeit im Armeegefängnis von Fort Leavenworth, Kansas. Wer trotzdem weiter auf befreundete Einheiten feuert, wird vom Spiel ausgeschlossen. Besonders engagierte und erfolgreiche Spieler hingegen werden befördert und übernehmen Verantwortung als Zugführer. Im Spiel sind sie dann für die Koordination der Aktionen ihrer Untergebenen verantwortlich."

Laut einem Beitrag des PC-Magazin sagte der stellvertretende Direktor von „America’s Army“, Chris Chambers, gegenüber US-Medien, dass die Spieleplattform mehr Teilnehmer zu einem Gang ins Rekrutierungsbüro ermunterte als jede andere Marketing- oder Werbekampagne. "Eine jüngst abgeschlossene Studie zeige außerdem, dass die Computerspieler besondere Fähigkeiten mitbrächten, die sie für einen Einsatz als Soldaten qualifizierten. Beispielsweise seien die Gamer in der Lage, in chaotischen Situationen den Überblick zu behalten, eine unbedingte Notwendigkeit im kriegerischen Einsatz."

Chris Chambers äußerte sich auch dazu, dass ein Viertel der Mitglieder von „America’s Army“ keine US-Bürger sind und somit gar nicht für eine Rekrutierung in Frage kommen. Er sei der Ansicht, dass die Spieleplattform den amerikanischen Weg, Konflikte mit Waffengewalt zu lösen, widerspiegele und deshalb eine Art Botschaftsfunktion habe. (Hinweis zum zitierten Interview unter http://www.pressetext.at/news/040515003/america-s-army-boomt/, Anm. der Redaktion)


Das Wichtigste in Kürze:
• Vermittlung des Bilds vom "sauberen" Krieg
• Army protokolliert Spielfortschritte
• Konfliktlösung nur mit Waffengewalt

02.07.2004 um 18:26


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