Spielebeurteilung

Call of Duty: Black Ops

17.03.2011
Call of Duty: Black Ops ist bereits der siebte Teil der Ego-Shooter -Reihe. Im Vergleich zu den Vorgängern wird den Spielenden hier nicht nur viel Action geboten, sondern auch eine spannende und interessante Geschichte. Reine Erwachsenenunterhaltung.


Dass Kriegsspiele auch die Meinung von Spielern polarisieren können zeigt der neueste Ableger "Black Ops" der Call of Duty Reihe. Während eine große Gruppe im Online-Forum von 4players (Forenbeitrag auf 4players - Stand: 17. 11. 2010) eher die Wertung und die Grafik des Spiels diskutiert, zeigt ein anderer Diskussionsstrang, dass die Spielegemeinde das Thema Krieg im Videospiel auch inhaltlich hinterfragt. Ausgelöst wurde die lebhafte Debatte durch den Artikel "Call of Iran" (Kommentar auf 4players - Stand: 17. 11. 2010) des Chefredakteurs Jörg Luibl. In einem Gedankenspiel konstruiert er aufgrund der aktuellen politischen Situation ein überspitzes Kriegsspiel-Szenario mit dem Iran, kritisiert damit aber die inhaltliche Leere von Kriegs-Shootern, die ihren großen Reiz nur noch aufgrund von Tabubrüchen entfalten. In "Modern Warfare 2" wurden Zivilisten niedergemetzelt, das letzte "Medal of Honor" erregte vor allem Aufmerksamkeit weil der aktuell stattfindende Krieg in Afghanistan thematisiert wurde. Diese Spiele verkaufen den Krieg in erster Linie als spannendes, aber reflexionsloses Action-Abenteuer und blenden meistens die Hintergründe und die realen Folgen für eine Gesellschaft völlig aus. Luibl fordert, dass Kriegsspiele für ein kritisches Erwachsenenpublikum sich auch mit den unangenehmen Seiten des Krieges auseinander setzen sollten, so wie es die Kriegsfilme "Apokalypse Now" (1979) oder vor kurzem der erschreckend gute Film "The Hurt Locker" (2009) gemacht haben. Nur so kann das Medium Bildschirmspiel eine kulturelle Relevanz entwickeln. Diese Relevanz findet sich natürlich noch nicht in dem neuesten Ableger Black Ops, zu deutsch verdeckte Operationen, wieder. Zumindest wird dem Publikum aber eine für die Serie interessante und spannende Geschichte geboten, die während des Kalten Krieges in den 1960er Jahren angesiedelt ist.

Screenshots

Ein Mann erwacht an einem Stuhl gefesselt in eine Art Computerraum auf und wird von einer elektronisch verstellten Stimme nach der Bedeutung einer Zahlenkombination befragt. Da er sich widersetzt, wird Alex Mason mit Stromschlägen gequält. Die Stimme befragt Mason nach einem Einsatz auf Cuba, die er vor Jahren durchgeführt hat, mit dem Ziel Fidel Castro zu ermorden. In Rückblenden wird dieser Einsatz (und natürlich viele andere), der als Invasion in der Schweinebucht in die Geschichtsbücher seinen Weg fand, erzählt. Das Attentat gelingt scheinbar, allerdings wird Mason gefangen genommen und von Castro (ein Doppelgänger wurde getötet) einigen zwielichtigen Russen übergeben und in das Arbeitslager Vorkuta verfrachtet. Nach zwei Jahren gelingt Mason bei einem Massenausbruch die spektakuläre Flucht und wird anschließend von Präsident Kennedy mit einer besonderen Mission beauftragt.

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2 Kommentare

Kadir Yilanci schreibt:

"Black Ops" ist wie seine Vorgänger alles andere als eine Kriegssimulation, wenn auch noch zu kritisierende und diskussionswürdige Inhalte wie Gewalt und Krieg als Abenteuer Teile des Spiels sind. Es ist in erster Linie ein maßlos übertriebener Action-Knaller aus der Ich-Perspektive, der so als Film von Michael Bay (The Rock, Pearl Harbor) stammen könnte. […]

Obwohl schon einige (unnötige) Gewaltspitzen aus der deutschen Version des Spiels entfernt worden sind, ist das Spiel für Kinder und Jugendliche denkbar ungeeignet und ist als reine Erwachsenenunterhaltung vorgesehen. Aber nicht nur das Setting des Krieges und die selten reflexionslos angewandte virtuelle Gewalt könnte problematisch sein. Da Spiel ist extrem rasant inszeniert, der Spieler wird (fast) durchweg nach vorne gepeitscht und ist somit permanent unter Daueranspannung. Wilde Schießereien zu Fuß wechseln sich mit Hubschrauber und Motorboot-Missionen ab. In einigen Situationen ist es sogar unmöglich, sich zu verstecken, da Gegner vorrücken oder mit Handgranaten den Spieler aus der Deckung holen. Diese Anspannung ist von vielen Spielern erwünscht und übt natürlich einen großen Reiz aus. Schließlich wollen die meisten auch im Kino von einem Action-Film spannend unterhalten werden. Doch diese Anspannung muss der Spieler jedoch verkraften können und das erfordert eine erwachsene Aufnahmefähigkeit und setzt eine ausgeprägte Medienerfahrung voraus.

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Fazit:
"Call of Duty: Black Ops" bietet einem volljährigen Publikum rasante Action im Hintergrund des Kalten Krieges. Diesmal wird sogar eine spannende und interessante Geschichte erzählt und der Pathos der Vorgänger ist deutlich zurückgenommen worden. Das Setting, die Handlung und die dargestellte Gewalt sind natürlich für Kinder und Jugendliche völlig ungeeignet.

Die spannende Geschichte ist bei genauem Hinsehen allerdings auch die einzige Neuerung der Serie und des Genres. Spielerisch wird nicht wirklich was Neues geboten. Hier dreht sich die Industrie im Kreis und sollte sich ernsthaft um einen spielerischen Fortschritt bemühen, aber auch sich kritischer mit dem Thema Krieg beschäftigen. Dabei muss nicht unbedingt ein Anti-Kriegsspiel herauskommen, obwohl es sehr interessant wäre zu sehen, wie Politik, Gesellschaft und vor allem der Markt darauf reagieren würde. Aber schon allein kritische Zwischentöne würden das Genre bereichern.

26.01.2011 um 15:45
Demian Naftali schreibt:

Black Ops ist ein solider Shooter der, wie die meisten Spiele des Genres, unter dem Knebel des Multiplattform Release leidet.
Die Story von CoD:BO ist zwar nicht die unglaubwürdigste, aber dennoch mangelt es ihr an der Realitätsnahe die sie vorgibt zu haben. Die Grafik sowie der Sound können sich, zumindest in der EN Version, ohne Scheu zeigen und gehören sicherlich zu dem besten des Genres. Dennoch fühlt es sich an als ob dies alles war, was ich über CoD:BO sagen kann. Und das obwohl ich neben der SP Kampagne, einige Stunden im MP verbracht hatte.
Black Ops ist ziemlich solide, aber das war es dann auch schon. Würde es nicht mit „echten“ Multiplayer Servern und dem Streichen von völlig Überpowerten Spielelementen gegenüber Modern Warfare 2 Punkten würde ich keinen Grund sehen es überhaupt intensiver gespielt zu haben.
Neben dem „eigentlichen“ Spiel ist finde ich persönlich zu erwähnen das die Gewaltdarstellung stellenweise absurd ist und mich massiv nervte: Ein Trommelrevolver der den Vietcong im Tunnel vor mir beinahe mit jedem Schuss ein Arm oder Bein abreißt ist weder Realistisch noch fand ich es groß Unterhaltsam, nicht mal auch nur irgendwie stilistisch sinnvoll. Stilistisch „angemessen“ waren wenn überhaupt die Szenen in denen der Spieler im Dschungel Vietcong im Schlaf überrascht – wobei es jedem über 18 Jahren selbst überlassen ist inwieweit Gewaltdarstellungen „stilistisch“ sein können. Für Personen unter 18 Jahren ist es auf jedenfalls nicht geeignet. Absurd ist es dann dies alles in der Deutschen Version enthalten ist, wohingegen die „Folterszene“ entfernt wurde (zusammen mit einem Song der Rolling Stones  ) Die Folterszene viel mir dahingehend als völlig absurd auf da der „gefolterte“ seine Folter nicht „ernst“ nimmt und zudem den Spieler im gesamten darauffolgendem Level ständig das Leben rettet und sich im Finale noch für ihn Opfert. Ein wehrloses Opfer sieht anders aus und außer der USK und mancher „Pfeife“ scheint keiner diese Folter so ganz für voll zu nehmen, nicht einmal der gefolterte.

18.02.2011 um 18:20


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