Spielebeurteilung

Red Dead Redemption

22.07.2010
Ob gesetzestreuer Western-Held oder abtrünniger Outlaw: In diesem gewalthaltigen Actionspiel entscheiden die Spielenden über ihre Handlungen. Die weitläufige und offene Welt vermittelt dabei ein Freiheitsgefühl. Unterhaltung für Erwachsene, aber nichts für Kinder und Jugendliche.


Der „Wilde Westen“ ist im Bereich der Computer- und Konsolenspiele bislang unterrepräsentiert. Vom Entwickler von Grand Theft Auto kommt nun ein Genremix aus Action-Adventure , Rollenspiel und Ego-Shooter , das zur Zeit der amerikanischen Industrialisierung spielt: Red Dead Redemption. Vor allem in Bezug auf die Handlungsfreiheit im Spiel sind durchaus Parallelen zu Grand Theft Auto erkennbar.

Protagonist ist John Marston, ein ehemaliges Bandenmitglied, das seine kriminelle Zeit weit hinter sich gelassen hat. Seine Vergangenheit holt ihn wieder ein, als seine Familie entführt wird. Um Frau und Kind zu retten muss er jene Männer jagen, die einst seine Freunde waren. Die Spielenden schlüpfen in die Rolle des John Marston und bestimmen dessen weitere Handlungen. Sie können rechtschaffend handeln, Menschen in Not helfen und Kriminellen ihre rechtmäßige Strafe zukommen lassen. Sie können aber auch ein Leben als Outlaw wählen, betrügen und morden inklusive. Es bleibt allein den Spielenden überlassen, wohin sie gehen und was sie dort tun.

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Auf ihrem Weg durch die Western-Welt erhalten die Spielenden die Möglichkeit, verschiedene Missionen anzunehmen, für die sie Geld und Anerkennung erhalten. Beispielsweise beschützen sie eine Ranch nachts vor Kojoten oder sie treiben eine Viehherde in ihr Gehege. Im weiteren Spielverlauf werden die Missionen umfangreicher und schwieriger. Daneben gilt es auch Gegenstände zu sammeln. Hat man beispielsweise genügend Einzelteile eines Outfits zusammen, kann der Hauptcharakter dieses anziehen und erhält dadurch spezifische Fähigkeiten.

Red Dead Redemption kann allein im Story-Modus gespielt werden oder online mit gleichzeitig bis zu 15 Mitspielenden. Im Online-Mehrspieler-Modus toben sich die Spielenden in der gleichen weitläufigen Open World aus wie im Einzelspieler. Sie können sogenannte Possies, Banden mit bis zu je acht Mitspielenden, bilden und Missionen gemeinsam erledigen oder andere Possies herausfordern.

Die Spielsprache ist Englisch, auch in der deutschen Version. Dank dem deutschen Untertitel kann aber man auch ohne Englischkenntnisse folgen.

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1 Kommentar

Anne Sauer (Redaktion spielbar.de) schreibt:

Den „Wilden Westen“ kennt man bereits aus Filmen und Büchern. Red Dead Redemption macht ihn nun auch spielerisch auf der Konsole erlebbar. Die realistische Graphik, inklusive unterschiedlicher Tageszeiten und Wetterbedingungen, sowie die musikalische Untermalung sorgen für ein intensives Spielerlebnis. In der Hauptrolle steht der wohl letzte Vertreter einer aussterbenden Rasse: der waschechte Westernheld.

Das Motto in diesem Spiel: Alles kann – nichts muss! Die Spielenden haben jegliche Freiheiten, was die Wahl der Orte und die dortigen Aufgaben betrifft. Das Spiel gestaltet sich in dem Punkt sehr abwechslungsreich. Prinzipiell ist es möglich, sich auf ein Pferd zu setzen und die ganze Zeit nur durch die Wildnis zu reiten, dem Sonnenuntergang entgegen, und diesen Anblick einfach nur zu genießen. Vorrausgesetzt man wird nicht von hungrigen Kojoten überrascht.
Gleichzeitig hält das Spiel viele Gelegenheiten für Schießereien und andere Kampfhandlungen offen. Die Darstellung von Gewalt wirkt in Red Dead Redemption, aufgrund der sogenannten Ragdoll-Mechanik, die das Bewegungsverhalten der Charaktere bestimmt, erschreckend real. Auf einen Schuss in die Schulter des Gegners reagiert dieser mit einer Drehbewegung des Oberkörpers, ein Schuss in die Knie lässt ihn zusammensacken. Das wurde auch in die Handlung selbst mit eingebaut. So können Spielende eine Person mit einem gezielten Schuss ins Bein stoppen, ohne sie umzubringen. Sie können den Gegner allerdings auch brutal hinter sich herziehen, während sie auf ihrem Pferd reiten.

Nicht immer macht es einem das Spiel einfach, klar zwischen gut und böse zu unterscheiden. Die Absichten einiger Spielcharaktere erschließen sich nur schwer. Die Spielenden gelangen auf die Art und Weise auch ungewollt in Schlägereien und werden in Verbrechen verwickelt. Sanktionen bei Fehlverhalten, wie Diebstahl oder Gewalt gegenüber Unschuldigen, gibt es allerdings nur, wenn Zeugen unmittelbar in der Nähe sind. Wurde die Tat bemerkt, sinken die „Ehrenpunkte“ des Protagonisten, was sich wiederum auf das Verhalten der Bevölkerung auswirkt. Das Kopfgeld, das auf einen ausgesetzt wurde, steigt, Kopfgeldjäger beginnen ihre Suche nach dem Spielenden.

Das Western-Genre hat zwar mit der heutigen Welt nicht mehr viel zu. Auch der Umstand, dass der Hauptcharakter sterben kann, danach jedoch sofort wieder am letzten, gespeicherten Spielstand fortfährt, unterstützt den fiktiven Charakter des Spiels. Dennoch wirkt das Spiel und die darin enthaltene Gewalt so realistisch, dass ein hohes Maß an Differenzierung zwischen realer– und Spielwelt erforderlich ist. Die Tatsache, dass sich Kampfhandlungen direkt gegen menschliche Spielfiguren richten, sowie die geringen negativen Konsequenzen bei Fehlverhalten setzen zudem die Fähigkeit voraus, das Spielgeschehen kritisch zu reflektieren. Red Dead Redemption ist daher reine Erwachsenenunterhaltung und gehört nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen.

22.07.2010 um 18:37


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