Spielebeurteilung

King Arthur – The Role-playing Wargame

12.04.2010
Sagenumwobene Geschichten ranken sich um König Artus und seine Tafelrunde. Unsere Spieltester von total verpLANt e.V. haben das gleichnamige Spiel gestestet. Ihr Urteil: Langzeitunterhaltung für Geduldige und Fans von großen Schlachten, Strategien und Mythen.


„The story of King Arthur began in the age of legends, when the land of Britannia awaited a new king…”

Dies ist der erste Satz der Pressemitteilung zu dem neuen „King Arthur – The Role-playing Wargame“. Man weiß sofort, um welche Geschichte es sich handelt und man denkt an Namen wie Merlin, Excalibur und Camelot.

Nach dem Tod von Uther Pendragon ist das Land in Provinzen zersplittert und ruiniert. Es entwickeln sich Kämpfe um Territorien und jeder neue König erhebt Anspruch auf den Thron des ganzen Landes. Als Reaktion auf diese desolate Situation beruft der Zauberer Merlin die Herrscher der Provinzen nach London. Dort soll der rechtmäßige Herrscher des Landes das Schwert Excalibur aus einem Stein der Kathedrale ziehen. Dies gelingt Arthur, Sohn von Uther Pendragon. Darauf fiel das Land in Chaos: Monster und mythische Gestalten verlassen die Wälder und fallen über die Bevölkerung her, um die alten Schreine vergangener Sagen knistert die Luft und das Zeitalter der Wunder und Magie bricht an.

...die Vorgeschichte in Kurzfassung. Und genau hier steigen die Spielenden ein. Es ist an ihnen, das Land zu verteidigen und wieder zusammenzuführen.

Screenshots

Zwei Modi stehen den Spielenden zur Verfügung. Die Kampagnenkarte ist sozusagen das Spielbrett in King Arthur. Hier können rundenbasiert Aufgaben erledigt oder beispielsweise Soldaten für die eigene Armee rekrutiert werden. Der Schlachtmodus wiederum läuft in Echtzeit ab. Hier müssen sich die Spielenden mit ihrem Heer gegnerischen Truppen stellen.

Das Spiel ist via Internet im Multiplayer spielbar. Es stehen 1-on-1 Deathmatch, eine Art Duell, und Capture the Flag zur Verfügung. Bei letzterem besitzt jeder Spielende eine Fahne, die durch den Gegner erobert werden muss. Das Spiel läuft über Steam, eine Online-Spieleplattform.

Seite 2: Der Kampagnenmodus
Seite 3: Der Schlachtmodus



Der Kampagnenmodus

Nach dem Intro erscheint die Kampagnenkarte, das Spielbrett in King Arthur, in Form von Großbritannien. In der Rolle als Arthur lernt man auch gleich den ersten Ritter der Tafelrunde, Sir Kay kennen. Er steht mit seinem Heer in Form einer Spielfigur in dem ersten Lager auf der Karte. Jede Spielfigur verfügt über eine definierte Anzahl an Bewegungspunkten, mit denen die Figur über die Karte bewegt werden kann. Man kann also entweder Städte, Schreine oder Ausbildungslager besuchen, oder gegnerische Truppen angreifen. Sind die Bewegungspunkte aufgebraucht, zieht der Computer seine Figuren über das Feld, die Runde wird beendet und die nächste Jahreszeit bricht heran. Man wird im Laufe des Spiels Punkt für Punkt in die Menüpunkte im Kampagnenmodus eingeführt. Dies ist auch nötig, da jeder für sich schon recht komplex ist und viele Möglichkeiten bietet:

Die Tafelrunde ist das Menü in dem die max. 12 Ritter der Tafelrunde eingesehen und verwaltet werden können. Man kann ihnen Ländereien geben oder Ehen ermöglichen - je nachdem, was für Ansprüche die Ritter haben. Diese sollte man durchaus auch berücksichtigen, um zu verhindern, dass Ritter die Tafelrunde verlassen oder sich sogar gegen einen wenden.

In der Gesinnungstafel spiegelt sich das eigene Spielverhalten in Form von Charakterzügen wider. Je nachdem wie man handelt, wird man dem Alten Glauben oder dem Christentum zugeschrieben oder als rechtschaffen oder gar tyrannisch beschrieben. Das Besondere an dieser Tafel ist dabei, dass die ganz individuelle Gesinnung ein spezielles Repertoir an Zaubersprüchen, Einheiten und Fertigkeiten ermöglicht. So haben rechtschaffene Spielende beispielsweise keinen Zugriff auf Einheiten wie Wasteland Warriors oder Marauders.

Unter dem Punkt Chronik kann man selber entscheiden, wie tief man in die Geschichte eintauchen möchte. Hier erhalten Spielende Hintergrundinformationen zum aktuellen Geschehen samt historischer Einbettung.

Der Menüpunkt Ziele zeigt die Hauptquests in King Arthur. Einige Quests führen dazu, dass andere nicht mehr begonnen werden können. Man muss sich also entscheiden, wem man hilft, oder wo man sein Schloss errichtet. All dies wirkt sich dann auf die Gesinnung des Charakters aus.

Ebenso gibt es Nebenaufgaben im Quests-Menü. Diese bestehen aus kleinen Texten, in denen die Spielenden per Multiple Choice das Geschehen lenken können. Ihre Entscheidungen führen zu verschiedenen Enden und Belohnungen.
Dies sind nur ein paar der insgesamt vorhandenen Funktionen im Kampagnenmodus von King Arthur.



Der Schlachtmodus

Tritt man nun gegen ein feindliches Heer an, verlässt man den rundenbasierten Roleplay Part des Spiels und betritt den Wargame Teil. Man kann Schlachten berechnen lassen oder in Echtzeit austragen. Hier gilt es, sein Geschick auf 65 verschiedenen Battlegrounds zu beweisen. Das Spielprinzip ähnelt dem von Battlefield: Fünf taktische Punkte müssen auf der Karte eingenommen und gehalten werden, um zu gewinnen.

Die Alternative ist, direkt das gegnerische Heer zu bekämpfen. Die Stärken der gegenüberstehenden Armeen werden in Form von Balken am Bildschirmrand angezeigt. Meistens neigt man dazu, den Gegner direkt aufzusuchen und zu vernichten, bevor dieser alle Punkte der Karte einnehmen kann. Dabei kommt es entscheidend auf den Untergrund an, auf dem der Kampf ausgetragen wird. Zum Beispiel hat leichte Infanterie einen deutlichen Bewegungsvorteil auf offenem Feld gegenüber schwerer Infanterie.

Man lenkt ebenfalls die eigenen Ritter über das Schlachtfeld. Diese verfügen über charakterspezifische Zaubersprüche, deren Einsatz taktisches Kalkül erfordert.

Die große Auswahl an Battlegrounds, Einheiten, Zaubersprüchen, Formationen und Aufstellungen ermöglichen eine große Spannbreite Möglichkeiten. Diese zeigen sich aber erst recht spät im Spiel.
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1 Kommentar

total verpLANt e.V. schreibt:

Positiv aufgefallen ist das Prinzip der rundenbasierten Kampagnenkarte. Hier sind Taktik und Timing gefragt, vor allem wenn der/die Spielende mehrere Spielfiguren auf der Karte hat. Wie schneide ich meinem Gegner die Versorgung ab? Ist der Gegner weit genug entfernt, sodass er mich nicht beim Aufstocken meiner Truppen angreifen kann? Werde ich direkt nach meinem Angriff erneut angegriffen? Kann ich das überleben? Das sind nur ein paar Fragen, die einem beim Spielen durch den Kopf gehen.
Im Schlachtmodus selber muss man sich zunächst an die Kamerasteuerung gewöhnen. Wenn man diese allerdings verstanden hat, machen sich die Vorzüge einer komplett freien Kamerasicht bemerkbar: freie Kamerafahrten über die Karte oder mitten durch das kämpfende Heer sorgen für ein gewisses Kinoerlebnis. Aber man hat nicht immer Zeit für so etwas: Sobald das Heer eine stattliche Größe angenommen hat, ist man permanent damit beschäftigt, es auf der Karte intelligent zu steuern und schnell auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren. Da es aber eine geraume Zeit dauert, bis das Heer entsprechend groß ist und man verschiedene Einheitstypen bekommt, erscheinen die Schlachten zu Beginn des Spiels wenig abwechslungsreich. Bogenschützeneinheiten sind zu Beginn des Spiels sehr mächtig gegenüber den meisten üblichen Einheiten, da diese über eine sehr hohe Reichweite verfügen. Der Vorteil gleicht sich ebenfalls erst später im Spiel wieder aus, wenn man z.B. die Möglichkeit hat, Infanterie in Bogenschützenreihen zu teleportieren.
Generell bekommt man den Eindruck, dass der Spielfluss durch viele Texte, die gelesen werden wollen, behindert wird.

Was deutlich auffällt, sind die detailreichen Einheiten und Umgebungen im Schlachtmodus. In jeder Zoomstufe des Spiels bietet sich ein schöner Anblick, ganz zu schweigen von der sehr weit reichenden Levelsicht. Einen merkwürdigen Blick bieten die Einheiten im Kampf. Wenn man hier heranzoomt, bewegen sich die Soldaten sonderbar und nicht besonders zielgerichtet. Vor allem wenn alle Einheiten bereits Befehle bekommen haben und man sich in Ruhe die Schlacht näher ansehen möchte, fällt dies negativ auf. Hier hätte also etwas mehr Arbeit gut getan. Ebenso hätte die Schrift im Spiel gerne eine Schriftgröße größer sein können.

Die Musik im Spiel wird leider recht schnell eintönig, die Schlachtgeräusche hätten abwechslungsreicher sein können. Was uns allerdings gefallen hat, ist das Geräusch, wenn Hunderte Soldaten über das freie Feld marschieren, dies erzeugt eine wunderbare Atmosphäre.

Fazit

Die Geschichte um King Arthur ist in diesem Spiel gut verarbeitet. Dies bietet für das Geschehen im Spiel einen festen geschichtlichen Hintergrund, der in so manch anderen Rollenspielen eher mager ist. Generell ist der Mix aus Rollenspiel Im Kampagnenmodus und Wargame im Schlachtmodus positiv aufgefallen. Insgesamt muss man jedoch aufpassen, bei all den Funktionen nicht den Überblick zu verlieren. Sobald man endlich ins Spiel hineingefunden hat, freut man sich schnell auf die nächste Schlacht. Das relativ wenige Geschehen in der Kampagnenkarte steigert die Vorfreude auf den nächsten Kampf dabei umso mehr. Insgesamt könnte das Verhältnis zwischen Quests lesen und Kämpfen mehr zugunsten des Kämpfens ausfallen.
Das Spielbrettprinzip ist gut umgesetzt. Allerdings hat man nach ein paar Stunden Spielzeit das Gefühl, dass sich die Tätigkeiten auf 'Rundenwechsel - Einheiten auffüllen -Schlacht führen' beschränken. Davon sollte man sich allerdings nicht täuschen lassen, sondern Geduld zeigen - die meisten Funktionen werden erst im späteren Spielverlauf frei geschaltet.
King Arthur ist also mit seinen 100 Spielstunden eine echte Langzeitunterhaltung, in der auch mal Geduld gefragt ist. Es bietet Spielspaß für diejenigen, die Gefallen haben an großen Schlachten, Strategie und alten Mythen mit bodenständiger und glaubwürdiger Fantasy.

08.04.2010 um 17:26


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