Spielebeurteilung

Street Fighter IV

06.07.2011
Mit Street Fighter IV erscheint nach über zehn Jahren eine gelungene Fortsetzung des Beat em Up-Klassikers. Die comicartig inszenierten Prügeleien sind auch für jüngere Spielende ab 12 Jahren geeignet und wecken schnell echten Sportsgeist. Vor allem in der Gruppe kommt richtig Stimmung auf.
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Die "Street Fighter" Serie ist eine der ältesten und bekanntesten Videospielanthologien. Wie viele Konsolentitel stammt das Spiel ursprünglich aus der Spielhalle, der Geburtsstätte des "Beat em Up" bzw. Prügelspiels. "Street Fighter II" war zu seiner Zeit (1991) so erfolgreich, dass es schon bald auf jedes gängige Spielsystem portiert wurde. Viele Jahre lang zehrte die Serie von dem Erfolg dieses wichtigen Titels und die Entwickler scheuten sich, einen echten Nachfolger zu präsentieren. Vielmehr wurde der Ursprungstitel nahezu jährlich einer Aktualisierung unterzogen.

Bald zierten "Super", "Turbo", "Alpha" und andere eher nichts sagende Attribute die bunten Verpackungen und führten zu einer Variationsvielfalt, die nicht nur Eltern, sondern bald auch die Spieler selbst verwirren sollte. Erst 1997 folgte ein dritter Teil, der jedoch die Fans dermaßen enttäuschte, dass die Entwicklerfirma Capcom sich gezwungen sah, die IIIer Serie nach nur zwei Jahren wieder zu beenden.

Doch 2009, 22 Jahre nach Erscheinen des ersten Teils, erlebt der Mythos mit "Street Fighter IV" nun endlich einen weiteren offiziellen Sprössling. Eine Fortsetzung, die viele Spieler, inklusive unserer Tester, endlich als würdigen Nachfolger des legendären zweiten Teils betrachten. "Street Fighter IV" ist wie seine Vorgänger ein klassisches Prügelspiel. Der Spieler hat die Wahl zwischen acht Charakteren (weitere können im Verlauf des Spiels freigeschaltet werden), mit denen er sich auf die namensgebenden Straßenkämpfe einlassen möchte. In den wechselnden Arenen begegnet er nun den übrigen Spielcharakteren, die in klassischer, zweidimensionaler, Beat ´em up Manier besiegt werden müssen.

Das bedeutet, dass die Widersacher sich auf dem Bildschirm direkt gegenüber stehen und versuchen, ihr Gegenüber mit Hilfe unterschiedlichster Nahkampftechniken und Special Moves in die Knie zu zwingen. Dabei bietet das Spiel keine Option, sich aus dem Kampf zurückzuziehen oder Deckung zu suchen. Das Spielprinzip ist der offene Schlagabtausch bis zur Niederlage eines der Kontrahenten. Der Kampf ist dabei in Runden unterteilt, von denen man zwei gewinnen muss, um weiter zu kommen. Diese Grundvoraussetzung ist auch die Basis für die verschiedenen Spielmodi.

Hinter "Arcade" verbirgt sich die Solospielervariante. Hier tritt man zunächst gegen die sieben übrigen Kämpfer an, um dann im Finale einem speziellen Endboss zu begegnen. Durchläuft man diesen Spielmodus in den verschiedenen Schwierigkeitsgraden lassen sich mit der Zeit neun weitere Kämpfer freischalten, die dann auch in den übrigen Spielmodi zur Verfügung stehen. "Versus" und "Online" sind dann auch das eigentliche Herzstück von "Street Fighter IV". Zwei Spieler können hier vor Ort oder eben "online" Kräfte und Geschick messen.

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Für Einsteiger könnte das Training interessant sein, auch wenn es kein Tutorial im eigentlichen Sinne ist. Stattdessen wartet ein Gegner-Dummy darauf, dass man die vielfältigen Schlag- und Trittkombinationen in Eigenregie lernt und an ihm anwendet. Dazu gibt es eine Übersicht aller Standard-Angriffe im Pausenmenü. Eine weitere Möglichkeit, seine "Skills" zu verfeinern, bietet "Challenge". Hier gilt es, z.B. unter Zeitdruck Angriffs- und Kombo-Aufgaben zu vollführen.

Weiterführende Links

Super Smash Bros. Brawl
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1 Kommentar

Benjamin Karalic (Spieleratgeber NRW) schreibt:

Die Vermutung liegt nahe, dass ein sogenanntes Prügelspiel aus pädagogischer Sicht per se als problematisch eingestuft werden muss. Konflikte sollten eben niemals mit Gewalt ausgetragen werden. Und schon gar nicht in so einer lebensnahen und nachahmungsfreudigen Form, die einem Spiele wie "Street Fighter IV" vorleben. Aber selbst die schärfsten Kritiker müssen sich eingestehen, dass ein Spielgenre, welches in solcher Weise mit jeder Form von Spielkonsole verwurzelt scheint, nicht einfach verboten oder dämonisiert werden kann.

Die USK und ihre internationalen Pendants suchen den Kompromiss und versuchen, zu differenzieren. Auf der einen Seite: Die wirklich blutigen, geradezu menschenverachtenden Spiele, in denen die Gewalt in Form von ausufernden Verstümmelungen zelebriert wird. (Als Beispiel sei hier ein weiterer, plattformübergreifender Klassiker des Genres genannt: "Mortal Kombat"). Auf der anderen die poppigeren Prügler, in denen die Gewalt irgendwo zwischen Sportlichkeit und comichafter Übertreibung versteckt bleibt.

"Street Fighter IV" gehört mit seiner Einstufung ab 12 Jahren sicherlich zur letzteren Kategorie. Doch ist diese Einstufung auch aus pädagogischer Sicht vertretbar? Der Test in unserer Gruppe (Alter: 12-13) hat nicht nur gezeigt, dass die USK-Freigabe mit Bedacht gewählt wurde, sondern dass hinter den meisten Beat em Ups weitaus mehr steckt, als die spektakuläre Abbildung von zwischenmenschlicher Gewalt.

In diesem Zusammenhang sei bemerkt, dass die Testgruppe der Lise Meitner Gesamtschule zu 100% aus männlichen Teilnehmern besteht. Das mag einseitig erscheinen, stört aber bei diesem Beispiel kaum, da es die statistische Realität widerspiegelt: Prügelspiele werden von Mädchen in den relevanten Altersgruppen eher gemieden. Der Schlüssel zum Verständnis der tief liegenden Mechanismen des Beat em Ups liegt in der Betrachtung der Zielgruppe: Was macht Prügelspiele für Jungen so faszinierend?

Für pubertierende "Teenager" gehört die fortgeschrittene körperliche Auseinandersetzung fest zur Entwicklung dazu. Aus Spiel wird ernst. Das ehemals kindliche Rumtollen kann nun viel leichter zu Verletzungen führen. Für manche scheint dadurch die "Männlichkeit" zum Greifen nahe. Dass in dieser Initiationsphase viel schief gehen kann, liegt auf der Hand.

Betrachtet man das Prügelspiel aus dieser Perspektive, vielleicht am ehesten als digitales Armdrücken, so kann es bei richtiger Anwendung sogar der Gewaltprävention dienlich sein. In "Street Fighter IV" hat die aggressive Auseinandersetzung ein eindeutiges Regelwerk (vergleichbar zur Disziplin bei Sportarten wie Karate, Judo, etc.), das zunächst erlernt werden muss. Um erfolgreich zu sein, muss die Aggression kanalisiert werden. Es muss trainiert werden, um Erfolge erzielen.

"Street Fighter IV" ist als Mehrspielerspiel konzipiert worden. Bei 2-6 Spielern an einer Konsole geht es vor allem darum, sich in der Gruppe zu behaupten und die Anerkennung der Anderen zu gewinnen. Das gelingt hier auch Spielern, die in einer echten körperlichen Auseinandersetzung oder auch im Sport immer den Kürzeren ziehen würden. (In dieser Hinsicht lohnt sich auch die Auseinandersetzung mit E-Sport.)

Vergegenwärtigt man sich diese Aspekte, erscheinen Beat em Ups weniger als Plattformen für Gewalt, denn als Sport- und Geschicklichkeitsspiele, die mit der Faszination von Männlichkeitssymbolen und der althergebrachten Demonstration von Stärke arbeiten. Während die eigene Realität der Kinder gerade in der Pubertät unberechenbar und manchmal sogar gefährlich erscheint, bieten Spiele wie "Street Fighter IV" eine Plattform, gefahrlos erste Schritte in einer neuen Gruppe zu wagen und das "eigene Revier" abzustecken. (vollständiger Text)

Fazit:
"Street Fighter IV" ist ein klassisches Beat em Up, das aufgrund seiner Inhalte, den Anforderungen und der Gewaltdarstellung bedenkenlos von Jugendlichen ab 12 Jahren gespielt werden kann. Aufgrund der Thematik sollten Mädchen vor Kauf einen Testlauf wagen. Die Motivationskurve entspricht der eines Sportspiels. Der Spielspaß entsteht nicht durch eine Hintergrundgeschichte, sondern in der intensiven Auseinandersetzung mit dem Spielsystem.

04.06.2009 um 13:58


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