Spielebeurteilung

Still Life 2

24.04.2009
Der Nachfolger von Still Life überzeugt durch krimiartige Spannung und etliche Gruselmomente. Die Spielenden übernehmen abwechselnd die Rollen der Gefangenen in den Händen eines Serienkillers und der FBI-Agentin. Das ist nichts für schwache Nerven. Und schon gar nichts für jüngere Spielende.
Still Life endete seinerzeit mit einem Cliffhanger. Zwar stellte die FBI Agentin Victoria McPherson den Serienkiller, dessen Identität wurde aber nie gelüftet. Angeschossen versank er im Wasser, sein Gesicht blieb aber hinter einer Maske verborgen. Eine Leiche wurde nie gefunden. An dieser Stelle setzt die Handlung von Still Life 2 ein: Vic hat beim FBI gekündigt und forscht auf eigene Faust weiter. Sie kann sich nicht mit der Tatsache abfinden, dass die Akte von ihrem Vorgesetzten geschlossen wurde.

Jahre später treibt wieder ein Serienkiller sein Unwesen. Vic ist zum FBI zurückgekehrt und ermittelt seit einigen Monaten in dieser Mordserie. Bereits mehrere junge Frauen wurden getötet. Die Opfer werden entführt und nach einigen Tagen schließlich getötet. Der Killer hinterlässt jedoch keine Spuren und ist seinen Verfolgern immer einen Schritt voraus.

Der öffentliche Druck auf Vic steigt, vom Ostküstenkiller ist bereits die Rede, doch die Ermittlungen gehen nur schleppend voran. Die TV-Journalistin Paloma Hernandez berichtet reißerisch über die Morde, für die Arbeit von Vic hat sie nur spöttische Kritik übrig. Kurz darauf wird sie entführt. Im Haus des Killers beginnt der Kampf ums Überleben. Paloma versucht dem Täter zu entkommen, ist aber nur eine Figur in seinem perfiden Spiel. Vic, die am Telefon Zeuge der Entführung wurde, muss sich beeilen.

Wie im ersten Teil von Still Life übernehmen die Spielenden abwechselnd die Rollen zweier Figuren: Diesmal Vic und Paloma. Sie müssen Gegenstände sammeln, kombinieren und richtig einsetzen. Die Kapazitäten der Figuren sind aber begrenzt und das überschüssige Inventar muss an Lagerplätzen abgelegt werden. Zur Gedankenstütze verfügen die Protagonistinnen über ein Smartphon bzw. ein Diktiergerät. Darauf werden wichtige Dokumente gespeichert sowie Aufgaben angegeben. Vic besitzt zudem ein FBI-CSIA-Kit, in dem sich allerhand Werkzeug befindet, um am Tatort Analysen durchzuführen.

Screenshots

Still Life 2 ist ein klassisches Point&Click Adventure . Die Spielenden steuern die Protagonisten mit der Maus. Wenn man mit dieser über die dreidimensionale Umgebung fährt, verändert sich der Mauszeiger und deutet je nach Symbol auf verschiedene Interaktionsmöglichkeiten hin. Mit der linken Maustaste lassen sich diese ausführen oder die Figur bewegen, drückt man die rechte, öffnet sich das Inventar. Die Dialoge im Spiel sind interaktiv. Die Wahl einer Antwort oder das ansprechen eines Themas kann das ganze Gespräch und Spiel beeinflussen.

Weiterführender Link

Overclocked - Eine Geschichte über Gewalt

2 Kommentare

Torsten Bachem (Redaktion spielbar.de) schreibt:

Still Life 2 ist keine leichte Kost. Nachdem das Spiel aufgrund der vielen Einblenden erst etwas schleppend in Gang kommt, entfaltet sich mit der Entführung von Paloma echtes Gruselpotential. Die Spielenden tauchen ein in eine Geschichte, die immer wieder für Schreckmomente und Gänsehaut sorgt. Das Bedrückende an Still Life 2 ist, dass Handlungskontexte, Utensilien und Aktionen der Realität entlehnt wurden. Es ist offensichtlich, dass es hier nicht um eine Phantasiewelt geht. Das gleiche trifft auf die Akteure zu. Vic und Paloma zeigen menschliche Eigenschaften, sind mitunter mürrisch oder jammern aus Angst - von Superheldentum keine Spur.

Um die Handlung voranzutreiben müssen die Spielenden diverse Aufgaben bewältigen. Diese sind jedoch in einen Kontext eingebettet, der das Potenzial zu einem echten Thriller hat. Hier eine FBI-Agentin, deren Ermittlungen nicht flüssig vorangehen, dort eine Gefangene in den Händen eines Serienkillers. Um am Leben zu bleiben muss Paloma beispielsweise einen Schlüssel aus einer abgetrennten und von Ratten umzingelten Hand befreien, sich selber einen Stromstoß versetzen oder innerhalb einer bestimmten Zeit ein Gegengift finden. Der gelegentlich eingesetzte Countdown sorgt für zusätzliches Adrenalin beim Lösen der Rätsel. Für schwache Nerven ist das nichts.

Bei den Aufgaben handelt es sich sind primär um Inventarrätsel, es geht also um das sinnvolle Kombinieren und Einsetzen von Gegenständen. Daneben gibt es auch einige andere Aufgaben, beispielsweise solche, die den richtigen Zahlencode erfordern. Immer wieder sind logisches Denken und gute Auffassungsgabe gefragt, denn mitunter sind die Rätsel recht knifflig. Das Übersehen eines kleinen Details kann Zeit und somit das Leben kosten. Kleinere Frustrationsmomente bleiben da nicht aus. Insgesamt sind die Rätsel aber sehr kurzweilig und spannend. Zudem werden durch das Einschaltend der Hilfefunktion zusätzliche Lösungshinweise im Smartphon bzw. Diktiergerät angezeigt.

Die Grafik des Spieles hinterlässt insgesamt einen gespaltenen Eindruck. Zwischensequenzen und Kulissen überzeugen, das Figurendesign dagegen nicht. Besonders die Animationen sind ruckartig und nicht immer synchron. Außerdem ist es störend, dass sich diese nicht abbrechen lassen. Ein weiterer Kritikpunkt ist das Inventarsystem. Gegenstände müssen immer wieder in Schränken und Truhen abgelegt werden, was ein lästiges Hin- und Herlaufen verursacht.

Insgesamt lebt Still Life 2 von seiner düsteren Atmosphäre. Das Licht ist zumeist gedämpft und eingefärbt, die Hintergrundmusik wirkt bedrohlich, kühl und etwas mystisch. Kontext, Audioumsetzung und Spielhandlung passen perfekt zusammen. Die Spielenden üben in Still Life 2 zwar nie selbst Gewalt aus, aufgrund der bedrückenden Stimmung und der detailreichen Thematisierung von Mord und Verbrechen kommt Still Life 2 für Jugendliche unter 16 Jahren aber nicht in Frage.

22.04.2009 um 17:34
Baphomets Fluch – The Director´s Cut schreibt:

[...] Still Life 2 [...]

05.06.2009 um 17:18


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