Spielebeurteilung

Global Conflicts: Latin America

01.04.2009
Konfliktherde und Missstände gibt es viele auf der Welt. Die Serious Games der Reihe „Global Conflicts“ wollen darauf aufmerksam machen und eine spielerische Auseinandersetzung in der Schule fördern. Soweit das lobenswerte soziale Anliegen. Einzig die Umsetzung ist noch ein wenig holprig.
Die Spielenden schlüpfen wahlweise in die Rolle der Journalistin „Isabel Romero“ oder des Journalisten „Santiago Alvarez“. Gleich wie die Wahl ausfällt, der Weg führt in verschiedene lateinamerikanische Länder. Grund für die Reisen sind wage Informationen und Gerüchte, die auf Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Rassismus oder Umweltverschmutzung hindeuten. Die Spielenden haben die Aufgabe, der Sache vor Ort auf den Grund zu gehen und möglichst viele Argumente und Aussagen zu sammeln. Wichtigste Recherchemethode sind Interviews, die mit Beteiligten und Betroffenen geführt werden. Insgesamt ist die Recherchezeit begrenzt. Die Uhr tickt bei jeder Aktion mit.

Global Conflicts: Latin America besteht aus fünf Missionen. Die Einführungsmission, die als Tutorial dient, führt die Spielenden zu Fabriken nahe der mexikanisch-amerikanischen Grenze. Die Arbeiter werden ausgebeutet und massive Umweltverschmutzung ist an der Tagesordnung. Danach geht es direkt an die Grenze, wo ein Mädchen unter merkwürdigen Umständen ums Leben gekommen ist. Eine weitere Station ist Guatemala. Dort treten vor einer Wahl Unregelmäßigkeiten auf. In Bolivien schließlich wird ein Mädchen vermisst und es kommt zu Feindseligkeiten zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen.

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Am Ende jeder Mission steht ein finales Interview. Gesprächspartner ist nun eine Person, die potentiell für die aufgedeckten Missstände verantwortlich sein könnte. Hier gilt es das die gesammelte Argumente gezielt anzubringen, um die betreffende Person nervös zu machen. Gelingt dies, werden weitere Hintergründe aufgedeckt.

Nach Global Conflicts: Palestine ist das Spiel der zweite Teil der Reihe, die nach und nach verschiedene (Krisen-)Regionen der Welt fokussiert. Für 2009 sind außerdem Global Conflicts: Africa sowie Global Conflicts: Asia angekündigt.

Weiterführende Links

Global Conflicts: Palestine

2 Kommentare

Tobias Miller (Redaktion spielbar.de) schreibt:

Serious Games sind Programme, die neben dem vordergründigen Ziel der spielerischen Unterhaltung auch bildende, ernste Inhalte vermitteln. Häufig stehen wichtige soziale und politische Anliegen im Hintergrund. Im Gegensatz zur Wissensvermittlung durch spröde Lernsoftware sollte der lehrreiche Charakter des Spiels nicht zu offensichtlich sein.

Betrachtet man Global Conflicts: Latin America unter diesen Gesichtspunkten, so ist zunächst das dahinterstehende Anliegen ein sehr lobenswertes. Das Augenmerk liegt auf einer Region der Welt, die von zahlreichen sozialen und politischen Missständen geprägt ist. Der pädagogische Ansatz: die Schülerinnen und Schüler sollen persönlich in den Stoff eingebunden werden und so durch Immersion, sprich Eintauchen in die Spielwelt, ihr Wissen in diesem Bereich vergrößern. Dazu rollen die Entwickler ein breites Spektrum an Problemfeldern auf, wobei sie sich auf reale Fälle stützen. Diese wurden durch glaubhafte Zeugenaussagen und Berichte von Menschenrechtsorganisationen nachgezeichnet. Das so entstandene Bild ist authentisch.

Soweit die gute Idee und der gute Ansatz. Bleibt die Umsetzung, bei der das Spiel einige Schwächen zeigt. Die Grafik ist keineswegs auf dem Stand der Zeit, die Spielfiguren laufen nur sehr kantig durch die 3-D-Welt, die Kameraführung ist ruckartig. Zwar ist die Qualität der technischen Umsetzung bei einer pädagogischen Einschätzung nicht zentral, bleibt sie aber hinter den Sehgewohnheiten der Schülerinnen und Schüler zurück, so ist das kein motivierender Faktor. Auch spielerisch lässt Latin America zu wünschen übrig, da es kaum Handlungsoptionen gibt und der Lösungsweg linear vorgegeben ist. Aus jedem Gespräch ergibt sich direkt der nächst Handlungsschritt. Ein freies Entdecken der Spielumgebung ist nicht vorgesehen. Stattdessen muss man sich durch jede Menge Textmaterial kämpfen, wobei der Unterhaltungswert schnell auf der Strecke bleibt.

Sein Vorzüge hat das Spiel – darauf wurde besonders wert gelegt – bei der Anschlussfähigkeit an den Unterricht. Anknüpfungspunkte ergeben sich in den Fächern Sozialkunde, Erdkunde, Geschichte, Deutsch oder in den Fremdsprachen. Lehrkräfte werden durch ein Handbuch unterstützt, das nützliche Hinweise zum Einsatz des Spiels im Unterricht je nach Klassensituation gibt. Dort finden sie Lösungswege für die Missionen sowie Hintergrundinformationen und Aufgabenblätter. Gut ist zudem, dass Spielstände online gespeichert werden können. Begonnene Missionen können dadurch bequem zu anderer Zeit und an anderem Ort fortgeführt werden, zum Beispiel als Hausaufgabe.

Alle Darstellungen im Spiel sind auch für jüngere Kinder unbedenklich. Aufgrund der ernsten Thematik und der Textmengen, die es zu verarbeiten gilt, eignet sich das Spiel aber erst ab einem Alter von 14 Jahren.

01.04.2009 um 14:42
Pia Piaggio in der Simulation | Second Life Talk schreibt:

[...] im Angebot sind Serious Games unter anderem zu den Themen Umwelt, Armut und Hunger, Gesundheit oder Politik. Zum Beispiel kann man zum virtuellen Politiker avancieren und [...]

28.06.2009 um 20:50


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